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Archiv für rationelle Therapie.
Nr. 4. 1908
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schon einen Luftröhrenkatarrh. Nach ärztlichem Rat blieb ich zur An¬
gewöhnung 14 Tage ruhig im Bett* Kräftig und wohl, hatte ich den
Katarrh ohne Störung bald überwunden. Einen Tag auf und in der
Luft, brachte ich von einem Spaziergang einen stärkeren Bronchialka¬
tarrh zurück. Auch diesen hatte ich mit den gewöhnlichen Anwendungen
— kalte Wickel und Inhalationen von Arzneidämpfen, Menthol und
Perubalsam, in 8 Tagen geheilt, wenigstens glaubte ich so. Ich fühlte mich
wohl und ging wieder hinaus an die Luft. Vorsichtig, um mich nicht
zu erkälten, ging ich langsam spazieren, legte mich abends zeitig zu
Bett und machte die Wickel noch so weiter. Nach drei Tagen merkte
ich, dass ich mir wieder und dieses Mal einen sehr starken Bronchial¬
katarrh geholt hatte, der 8 Tage sich nicht lösen wollte und wobei ich
wieder die alte Atemnot spürte. Es ist das wohl ein nervöser Krampf¬
zustand, der, je angegriffener und schwächer ich sonst war, je hart¬
näckiger sich einstellte und die Lösung des Katarrh’s verhinderte. So
erkläre ich es mir wenigstens. Mein ganzer Organismus ist ja durch
die 3 Jahre sehr gekräftigt worden und nur die 3 Erkältungen so schnell
nacheinander haben mich wieder so schwach gemacht, dass dieser
Krampfzustand eintreten konnte. — Jetzt nach 14 Tagen bin ich zwar
besser, doch der Katarrh will nicht ganz weichen. Huste noch viel;
ein gelber, oft zäher Schleim löst sich mehr oder weniger gut und die
Atmung ist schwer. Ein starkes Betäubungsmittel, was es ist, weiss ich
nicht, ein amerikanisches Mittel wende ich hie und da an zur Erleich¬
terung. Es wirkt sofort und wunderbar geht die Atmung gleich leicht
— aber nicht lange hält das an. Länger angewandt glaube ich auch,
dass es schädlich oder hindernd auf die Heilung wirkt. Jedenfalls hat
es mir, besonders früher, ausgezeichnet geholfen in der Art der Asthma¬
pulver, wenn der Anfall zu schlimm wurde. — Noch von Wichtigkeit
ist vielleicht der Umstand, dass meine Nase seit den Operationen
immer etwas im Katarrhzustand ist. Früher fing das Kranksein jedes¬
mal mit gehörigem Schnupfen an. Jeder Arzt verordnete mir noch Jod;
einmal machte ich eine Atropinkur mit, die ein viertel Jahr dauerte. Da
fast alle Anwendungen mir wenig oder nichts nützten, wurde ich schliess¬
lich mein eigener Arzt, mit solchen Mitteln, die sich in all den Jahren
bewährt hatten. Kalte und heisse Wickel, Hand- und Fussbäder, Ein¬
reibungen mit verschiedenen Oelen, Inhalationen mit Medizinen und
Aschers Bronchialpastillen, linderten und halfen schliesslich. — An der
Angewöhnung an das Tiefland mit meiner unatürlichen Empfindlichkeit,
die mich den Katarrh nicht verlieren lässt, müsste ich verzweifeln, wäre
mir Herr W. nicht mit seinem guten Rat zu Hilfe gekommen. Durch
ausführliche Erklärung, hoffte ich Ihnen meinen Fall so verständig zu
machen, dass auch eine erfolgreiche Behandlung ohne persönliche Unter¬
suchung möglich ist. — In dieser frohen Zuversicht bin ich mit der
grössten Hochachtung Ihre A. P. (Forts, folgt.)
Druck von Karl Rohm ln Lorch (Württemberg).