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130 Archiv für rationelle Therapie. Nr. 9. 1908
dritten Tage ein starkes Jucken der Haut, als Zeichen dafür, dass
der Ausschlag reif ist und abgerieben werden muss. Dies ge¬
schieht mittelst eines rauhen Handtuches bei kräftigen Frottierbe¬
wegungen; die reifen, mit Eiter angefüllten Bläschen platzen auf,
werden aufgerieben. Durch den künstlich erzeugten Ausschlag ist
jene Heilkraft unsres Körpers angeregt worden, welche bestrebt
ist Krankheitsstoffe, also verbrauchte und unverwendbare Teilchen
aus dem Körper und nach der Haut hin abzustossen, den Organis¬
mus zu entlasten. Ausserdem hat der hervorgerufene Nervenreiz,
die erhöhte Tätigkeit des Blutes, die Wärmesteigerung im Körper
die gesammten Zellen zur reaktiven Tätigkeit gesteigert, eine Krisis
erzeugt, die durch fortgesetzte Behandlungen uns schliesslich als
Heilung imponiert. Alle Belastungspunkte des Organismus werden
durch die Anwendung aufgelöst, abgeleitet und ausgeschieden, die
Organe können ungehindert ihre normalen Funktionen, ihre er¬
nährende und bewegende Tätigkeit wieder aufnehmen.
Es hat dem Verfahren, wie schon gesagt nicht an wissen¬
schaftlicher Empfehlung gemangelt, aber dennoch liegt die Sache
so, dass wenig Aussicht vorhanden ist, dass die Aerzte die Methode
öfter zur Anwendung bringen. Das Verfahren lässt sich sehr schwer
in die Grundsätze der heutigen medizinischenWissenschaft einreihen
und wird daher höchstens ein Ausnahmedasein führen. Dessen
ungeachtet lässt sich der Baunscheidtismus nicht mehr aus der Welt
diskutieren, denn seine Erfolge und Anhängerschaft sind sehr gross.
Im Interesse der leidenden Menschheit wäre nur zu wünschen, dass
diese Methode viel öfter angewendet würde, als bisher. Dass man
allgemein diesem Verfahren näher trete und damit beurteilen lerne,
in welchem Falle man den Baunscheidtismus allein anzuwenden
habe. Die exanthematische Heilmethode ist kein Allheil-Verfahren,
aber sie ist berechtigt, den übrigen Heilmethoden zur Seite gestellt
zu werden. Wer von irgend einem Leiden befreit sein will, lasse
das Baunscheidtsche Naturheilverfahren niemals unversucht, selbst
nicht bei veralteten Fällen. Der Erfolg ist oftmals überraschend,
auch da, wo andere Methoden keine Wirkung erzielten.
Jeder Gesunde lerne das Verfahren zur Selbstbehandlung und
für seine Familie kennen, damit er es bei den verschiedensten
Krankheiten zu schätzen und anzuwenden weiss. Die Methode
ist leicht erlernbar, einfach und schnell anzuwenden, meist ohne
Störung der Lebensweise, dabei Krankheit verhütend, vollständig
gefahrlos und hauptsächlich billig in der Anschaffung sowie in der
Verwertung.*) Julius Anton, Leipzig, Schenkendorferstr. 17.
*) Der Verfasser dieses Artikels leitet ein Institut für Baunscheidtismus und
versendet Broschüren sowie Anleitungen gratis.