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Archiv für rationelle Therapie. Nr. 11. 1908.
Hamamelis-
extrakt.
Rationelle
Therapie.
Clöter’s
Hämo-
kinetische
Therapie.
Pflanze mehr eigen ist, als der getrockneten (gestorbenen.) Da¬
rum wirken auch die Arnikapräparate viel besser, welche aus
homöopathischen Apotheken bezogen werden, weil in der Homöo¬
pathie die frische Pflanze zur Verwendung kommt. Das aus der
allopathischen Apotheke bezogene Präparat sieht gewöhnlich braun,
wie Thee aus, während das aus der homöopathischen Apotheke
frisch grün aussieht. Die Arnika muss einen lieblichen Duft haben
und nichts Herbes. Es kommen auch da ganz verschiedene Präpa¬
rate in den Handel. Sehr gut eingeführt hat sich auch das Hama-
melisextrakt. Hamamelis ist ein Mittel, das hauptsächlich den
venösen Blutlauf beeinflusst. Es wirkt auf den Tonus der Venen
und erzeugt dadurch Kontraktion und vermehrte Tätigkeit. Da
nun gerade die Venen die Aufgabe haben, Gewebeschlacken und
verbrauchte Stoffe abzuführen und zur Ausscheidung zu bringen,
so erklärt sich daraus die günstige Wirkung. Venöse Stauungen
sind heute allgemein; denn das Prinzip der Menschheit ist heute
vielmehr: festhalten, anstatt hergeben.
In diesem Artikel habe ich mit Absicht auf das Wieso und
Warum einen grossen Wert gelegt und Ausführungen darüber ge¬
macht, die vielleicht manchem überflüssig erscheinen, i. weil die
meisten Menschen nur Hilfe haben wollen und sich um das Wieso
und Warum nicht kümmern, 2. weil es in der medizinischen Lite¬
ratur im allgemeinen nicht üblich ist (weil man selbst keine Er¬
klärungen hat). Aber diese Zeitschrift nennt sich »Archiv für ratio¬
nelle Therapie«. Darum muss sie zum Unterschied von anderen
auch Erklärungen geben. Ein »Archiv für rationelle Therapie« gab
es bis jetzt noch nicht, weil man sich nicht erlauben konnte ein
solches herauszugeben, sonst hätte man diesen Titel längst ver¬
wendet und uns vorweg genommen. Aber das Bekenntnis der
herrschenden Schulmedizin lautet: »Wir haben keine rationelle
Therapie«. Die anderen Heilrichtungen und Heilmethoden sind
wieder zu exklusiv, als dass sie irgend etwas anderes in ihren Zeit¬
schriften bringen könnten, als was gerade ihre Methode von ande¬
ren unterscheidet.
Sehr zu beachten bei Gicht und Rheumatismus ist noch die
Clötersche Hämokinetische Therapie. Ueber sie haben
wir schon an verschiedenen Stellen Ausführungen gebracht, sogar
von Clöter selbst, so dass sich Näheres erübrigt. Da wir aber hier
einen Extrakt der Behandlung von Gicht und Rheumatismus geben
wollen, so dürfen wir sie nicht unerwähnt lassen, damit sie im
gegebenen Falle ja niemand vergesse. Ihrer grossen Bedeutung
halber sei daher nochmals ausdrücklich auf sie hingewiesen.
(Fortsetzung folgt)
Druck von Karl Rohm in Lorch (Württbg.)