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Nr. 5 — 1938/39 3. November 1938
Süddeutsche
IfolÜßfMÜ
Stuttgarter Hausfrau * granffurter Hausfrau
Badische Hausfrau
Unfer Heim - unsere Vurg!
,,Dreimal genullt “ hat in diesem
Jahre der F rankfurter M i e t e r -
s rh ußverein, der 1908 gegründet
wurde. Seine nach Tausenden zählenden
Mitglieder betreut in allen Stadtteilen
und Vororten ein Stamm geschulter Be¬
zirksleiter und ehrenamtlicher Obleute.
Darunter auch weibliche, welche gerade
ihr Frauentum, icie die eigene Er¬
fahrung ganz besonders zu dieser Wirk¬
samkeit befähigt. Das Verhältnis zwi
sehen Mieterschaft und Hauseigentümern
hat sich im Dritten Reich erfreulich um-
Kaffeewärmer
aus handgeweb¬
tem Leinen
Bunte Blüten
wurden auf den
himmelblauen
Grund gemalt,
und so ersetzt der
fröhliche Behüter
unserer Kaffee¬
kanne den sommer¬
lichen Garten
Modell: lierghof
Aufn.i v. Carlowitz
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gestaltet. Man iirozessiert wesentlich
weniger und nicht so schnell. Die beiden
Organisationen des II ausbesitjer- und
Mielervereines suchen sich auf der Basis
gegenseitiger Achtung und Duldsamkeit
zu verständigen.
Ic ©runölagc jedes persönlichen, wie familiären
febene bildet für uns Menschen das eigene
fieim. Wie fein fester oder schwankender Boden,
fein Friede oder Unfriede, zu beglücken oder zu
zermürben vermag, können wir täglich gewahren.
Rnapp und treffend hat dies auch die Spruch-
weieheit des Volkes in die form gegossen:
„Trautes Heim, Glück allein! — Ligner Herd,
Goldeswert! — Unfer Heim, unsere vurg!" wie
manche Sorgen und Rümmernisse aber die Lr-
haltung und Sicherung eines Helmes oftmals mit
sich bringt, zumal in der Grosistadt, erkennen wir
am deutlichsten, wenn wir einmal die Beratungs¬
stelle des frankfurter Mieterschuhvereins auf¬
juchen, Schon im Warteraum kann man aus den
zwanglosen Gesprächen der Harrenden erlauschen,
was j!e bewegt, volles Her; und Langeweile
öffnen ja leicht die Lippen, Und das Ist in diesem
falle sogar begrüßenswert, denn solcher Gedanken¬
austausch erleichtert nicht nur, sondern fänstigt
und klärt auch zugleich. Man sieht, der andere
hat auch fein Päckchen zu tragen, wodurch der
eigene fall an Wucht und Linzigkeit verliert.
Merklich ruhiger betritt man somit das Sprech¬
zimmer, in das wir uns nun einfchalten wollen,
— Als erste erscheint eine greife Witwe, Neben
einer kleinen Rente sichert sie sich ihre Lüsten;
durch Untervermietung des Stübchens, das ihre
Wohnung außer Rammer und Rüche umfastt. Die
Erlaubnis dazu hat der frühere Hauswirt aus¬
drücklich gegeben, der jetzige aber beanjprucht
einen Untermietszujchlag von z Mark monatlich,
den jie weder aufbringen, noch auf den ärmlichen
Untermieter abwälzen kann, Lrleichtert atmet
das Mütterchen auf, als sie fjört: sie habe nichts
zu befürchten, Vie einmal erteilte Genehmigung
fei durch den Wechsel im Hausbefih nicht aufheb¬
bar, ebenso die Verweigerung des Zuschlags kein
Rllndigungsgrund,
Vas junge Lhepaar, das sie ablöst, heiratete vor
jedzs Monaten und wohnte bei der Mutter, die
soeben starb, „Müssen wir nun heraus oder find
wir wolmungsecben!" erkundigt sich der Mann
mit besorgter Miene, während die frau leise hin¬
zufügt: „Bald find wir doch zu dritt!" da es sich
um eine dem Mieterschutz unterliegende Wohnung
handelt, der Lrbe ein volljähriger verwandter
innerhalb des zweiten Grades ist und zudem schon
beim Tode der Mieterin dem Hausstand angehörte,
darf keine Rllndigung ersolgen. Strahlend ver¬
abschieden sich die Getrösteten,
erade schellt das Telefon, Ver Auskunsts¬
beamte spricht in den Apparat: „Bedaure
sehr, da müssen Sie sich schon freundiichst Ker-
bemllheni telefonischen Bescheid geben wir wegen
der Gefahr von Mißverständnissen ein für allemal
nicht!"
Ver folgende, der nur von Monat zu Monat
gemietet hat, möchte wissen, ob er am Listen aus
den fünfzehnten kündigen kann! Rasch ist er
aufgeklärt: „Nein, just umgekehrt: immer nur am
fünfzehnten aus den kommenden Listen!"
wieder ein Lhepaar, diesmal älteren Jahr¬
gangs, Sie jammern, mit ihrer kaum bezogenen
„ungesunden" Parterrewohnung schmählich herein-
gesallen zu sein und wollen sie sofort wieder ver¬
lassen, wogegen sich der Hauswirt wehrt. Gemäß
den Gutachten des Architekten, wie Arztes sei die
Wohnung durchaus „gesund".
Ls stellt sich heraus, daß die Leutchen an
Rheumatismus leiden, Sie müssen sich belehren
lassen, daß dies die Sachlage völlig ändert, Lin
Gutachten gilt selbstverständlich immer nur für
den Normaimenschen, den Gesunden, Bei ihrem
ausgesprochenen Leiden hätten sie daher von
vornherein kein Lrdgeschoß wählen sollen,
Rllndlgen jedensalls könnten sie nicht,
Line junge frau tritt herein mit der Anfrage,
ob sie ihren Rindersportwagen — entgegen der
Hausordnung, die das Ausstellen von Gegen¬
ständen im Hausflur verbietet — vielleicht doch
unten deponieren könnte. Sie wohne drei Treppen
hoch, und das Rauf und Runter sei eine Qual.
Ver Vorsitzende empfiehlt eine freundliche Aus¬
sprache mit dem Hausherrn, dem gewiß bekannt
L>in Schuhmacher, mit seiner Zeit unzufrieden,
hatte aus sein firmenschiid einen Stiesel mit dem
Absatz nach oben gemalt und die Worte daruntergesetzt:
„Vie weit ist jetzt so ausgeklärt,
drum ist der Stiesel auch verkehrt,
wenn es sollt wieder einmal anders werden,
dann kommt der Absatz wieder aus die Lrden,"
Rurz und klar drückt ein Glasermeister seine
Lebenswünjche aus seinem Hausschild aus:
„Gott beschütze Getreide, Qbst und wein
und schlage nur die fenster ein,"
ist, daß die heutige Nechtsaussassung den „Schutz
der Mutter weitgehendst berücksichtigt," .Sollte
er wider Lrwarten aus „einseitiger Geltend¬
machung seiner vertragsredite" bestehen, würde
sich der Verein selbst an ihn wenden. List jüngst
habe das Amtsgericht in einem ähnlichen falle
zugunsten der Mieterin und Mutter entschieden.
Natürlich dürfe das Wägelchen den Verkehr im
Haufe nicht behindern,
„Aus wieviel Mindestgrad Wärme hat der
Mieter einer Wohnung mit Zentralheizung An¬
spruch!" lautet die nächste Lrkundung, und
„iS Grad Telsius!" die Antwort darauf, va die
Temperatur eines Raumes ja nach fenster- oder
Veckennähe verschieden ist, mißt der Sachver¬
ständige „im Mittelpunkt der Viagonal« des
Zimmers, anderthalb bis zwei Meter über dem
Boden", wobei er das Thermometer an der Lampe
auszuhängen pflegt.
Lieber die Schwelle stapft ein behäbiger, heiter¬
blickender Rheinländer, der sich vorstellt, Lr zieht
nach franksurt, sucht eine größere Dsenwohnung
und will sich vorder umtun. Natürlich aud) Mit¬
glied werden, „famos", scherzt der Beamte, „bitte,
nehmen Sie zwei Stühle, Herr Mllltjen! Hm,
nach rheinischem Brauch werden Sie gewohnt sein,
Wesen und Herd selbst anzuschasfen, Vas ist aber
in franksurt nicht ortsüblich, beide gehören hier
zur Wohnung! Teppichklopsen! — Bis 12 UKr
laut polizeiverordnung, von iz — 15 Uhr dann
rücksichtsvolle Mittagsruhe — Radio auf Zimmer¬
stärke! Großen wert legt man in franksurt aus
pünktliches Schließen der Häuser um ri Uhr, an
Sonntagen bisweilen schon ab iS Uhr, Zeitdauer
des Rontraktes! Nur keine langsristige „fesselung"
über den wunjd) des Mieters hinaus! Vas ist
nicht mehr zeitgemäß, Lin Mietsvertrag bindet
mehr als ein Lhevertrag, sagt man immer! Lin
fahr genügt — viel Glück!" A, H,-T,
Nach fahren der Lrsahrung hing ein Tischler¬
meister ein bemaltes Glasschild über seine
Haustür:
„Geld regieret unser Leben
und macht alle Buckel eben,"
Und da er gleichzeitig der Sargtischler am Drt
ist, schreibt er noch darunter:
„was nützet mir mein schönes Haus,
darin kann ich nicht wohnen,
wenn der Tod kommt, muß ich raus,
er tut mich nicht verschonen."
Haussprüche sudeteudeutscher Handwerker / SÄTZS?“*.!»,