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G 8596. Einfach, fast sportlich im Schnitt,
und trotzdem durch die Verwendung eines
doppelseitigen Gewebes, das stumpf und
blank verarbeitet wird, sehr elegant in der
Wirkung! Plastisch hervortretende Stickerei
belebt das leicht gezogene Leibchen des Nach¬
mittagskleides. Linda-Schnitt für Gr. II erhält!.
Zur Stickerei Linda«Bügelmustcr S 8596.
Etwa -1,25 m Matt*BIank=Seide, 90 cm br., erf,
Modische Sfichereien
MIM
G 8680. Nachmittagskleid aus brauner Seide,
dem ein buntes Perlmotiv aufappliziert ist.
Dieses Modell zeigt die typischen Merkmale der
Wintermode: den aufgesetzten Miedergürtel,
die weit fallenden Bündchenärmel, die drapierte
Ausschnittlinie. Die Falten im Rock sind nur
oben ein wenig aufgesteppt und fallen zum
Saum glockig aus. Linda«Schnitt Gr. I u. III.
Gr. III etwa 3,70 m Seide, 95 cm br. Aufn.Niebuhr
am Nachmittagskleid
Weinlese und Winzerinnen
Und aus des Weinlaubes grünfilbernem Glanz
feuchtet der Winzerinnen buntfarbiger Rranz ...
ie Immer noch warme Herbstjonne Hat noch
nicht begonnen, die weiften Schleier zu zer-
reiften. In die die Nebelsrauen geschäftig im
Morgengrauen Berg und Waid eingehülit haben,
da begibt sich schon der Zug der
Winzer und Winzerinnen in die
Rebberge, die Heuer später als sonst
ihre Lrntezelt haben. Seit zwei¬
einhalb Fahrtausenden schon wird
das Fest der Weinlese in Baden ge-
seiert, und die auf dem favaboden
des Raijerstuhles gereiften Urauben
haben, noch ehe die Römer Ins
germanische fand kamen, schon den
Reiten gemundet.
Wer das wunderbare, in allen
Farben vom sonnenhellen Gelb bis
zum tiesdunklen Purpur gleißende
Bild einer solchen Weinernte In
ihrem Herbstzauber gewinnen will,
der must sich In das Ralserstrchi-
geblet oder in das benachbarte
Glottertal begeben, wo die Pracht
der herbstlichen fandjchast und die
freudige Stimmung des Winzer-
Volkes sich zu unvergeßlichen Ein¬
drücken verbindet. Ls ist eine harte,
jedoch auch „köstliche" Arbeit, das
straubenfammein.
Vas liebliche, von tannenumrauschten Berg¬
rücken umschlossene Glottertal, dessen Rurhaus
wie auch das bekannte Glotterbad alljährlich das
Ziel vieler Schönheit- und Lrholungsuchender ist, darf
sich der höchjlgelegenen deutschen Weinberge rühmen
Vle Rebe klettert hier über -oo Meter über bem
Meeresspiegel empor, und daß trotz dieser Götzen-
Eine Glottertalerin
bei der Weinlese
DerWein erfreut des Menschen I lerz,
Drum gab ihm Gott den Wein!
Auf, laßt bei Rebensaft und Scherz
Uns unsers Daseins freun!
lag« der „Glottertäler" es in sich hat, beweist der
allen Weinkennern bekannte Vers: „Ver Glotter-
täler ist gar stark und süß, macht Helle Röpfe, doch
schwere Füß." Und kaum einer der Besucher Frei-
burgs versäumt es, in einem der traulichen Weln-
stüble der schönen Münsterstadt sich an einem Glase
dieses feurigen Weines zu erlaben. Ls wird aber
wohl nicht bei einem Glase bleiben.
Ls ist ein sestllcher Anblick, die Giotter-
tälerinnen ln ihrer schönen llracht, dem bluten*
meisten Hemd, feem bestickten Samt wieder und der
grostbeblumten Seidenschürze, den Rops gekrönt
von dem blonden oder braunen Aechlenkranz,
fröhlich singend durch die Weinberge schreiten zu
sehen, die sllste fast der ürauben in die Bütten
zu füllen, die von den ürägein dann in die
Reitern gebracht werden. Und wenn der Most in
die großen gäjfcr quillt, dann herrscht überall im
sangessreudigen lal der Giotter, dieser „Lot«
d’Azur“ des Schwarzwaldes, Frohsinn und
Heiterkeit, die von der Lrkenntnis gespeist wird,
dast von allen Gaben, die die Heimat spendet, der
wein gewiß feie edelste und süßeste ist. — er.
„Klrliiw gol&ncr jlMhiii.. .
... bist mein ganzes Lrdengutl" So fingt ein
armes Lurgfräulein hinter dem Stickrahmen,
aber sie wird es auch nicht gewesen sein, die das
„nützliche Geräte wider böse Radelstich" er¬
funden hat. Ligentlich kann niemand das Alter
des Fingerhutes feststellen. Sein Ursprung ver¬
liert sich im Dunkel vergangener Jahrhunderte.
Vie erste Rachricht von seinem Gebrauch stammt
aus dem i r. Fahrhundert und kommt in der Hand¬
schrist einer werktätigen Rönne unter dem Ramen
„vingerhuth" vor. Da er unter zahlreichen andern
Ruhgegenständen ausgezählt wird, ist anzunehmen,
daß er schon im Haushalt des frühesten Mittel¬
alters etwas Gewohntes war. Unter den dreimal
zehn Lrsordernljjen zur weiblichen Schönheit
wurden im Mittelalter ja auch die Fingerspitzen
eingerechnet, die ganz besonders unter „die zarten
Stücke zur Weiberschönheit gehörten". Bekanntlich
hatten die Hausfrauen und Jungfrauen des
Mittelalters eine anmutige und sinnvolle Art, sich
zu „schämen" oder verlegen zu Jein; sie drückten bei
hocherhobenen Händen die Fingerspitzen aneinander,
schlugen die Augen zu Boden und drehten die
Daumen rasch wie ein Mllhlrädchen. Diese Gebärde
allein schon verlangte unzerstochene Finger.
„Dem Reugeborenen den ersten Schluck Im
Fingerhut. schützt die Rinderzeit vor Husten." Wie
sahen nun die alten Fingerhllte aus! vor hundert
Fahren grub man In der Rähe einer hessischen
Burgruine eines Ritterfräuleins Fingerhut aus
dem Fahre 1399 aus. Lr hatte dieselbe Form wie
die Fingerhüte unserer Hausfrauen und war aus
Bronze gegossen. Rllrnberg, die alte Reichsstadt
mit ihren tüchtigen und vielseitigen Handwerkern,
war ein Hauptsabrikationsort des Fingerhutes.
Die Handwerker, die den so überaus notwendigen
und nützlichen Gegenstand kunstvoll herstellten,
hämmerten und verzierten, hießen die „Flnger-
hllter" und waren eine hochangesehene Zunjt. Ver
goldene Fingerhut hatte seinen Lhrenplah aus dem
Mitgistverzeichnis der jungen Frau. Vas Ger¬
manische Museum in Rürnberg besitzt aus dem
iö. Fahrhundert einen Fingerhut von einem Um¬
fang, daß er nur dem letzten Riesensräulein an¬
gehört haben konnte. Ls ist. bei nahem betrachtet,
ein schöner, aus getriebenem Silber hergestellter
Weinpokal, der die Form eines mächtigen Finger¬
hutes hat.
Lr wurde einstmals dem Rürnberger Schneider¬
handwerk von den Brüdern Gewandschneider ge¬
stiftet. Lei Sunstgelagen mag dieses prächtige
Gesäß oft im heiteren Rreise rundum gegangen
sein, die zünftigen Schneider liebten einen guten
ilropsen; „... es tranken ihrer neunzig, ja, neun¬
mal neunundneunzig, aus einem Fingerhut. aus
einem Fingerhut I" Wer das alte Schneiderliedchen
singt und kennt den zünftigen Riejensingerhut, der
darf beruhigt sein, daß alle neunmal neunzig
Schneiderlein vollauf zu ihrem Rechte kommen.
Annemarie Hering