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Süddeutsche Hausfrau
Heiners Glücksnummer
bwohl feiner einer Alt-Franksurter gamilie
entstammt, entspricht jein Wesen durchaus
nicht dem, was man ein „Schlippche" nennt, Sr
ist nämlich gar ernster Natur, neigt ein wenig zum
Grübeln und liebt es, den Dingen aus den Grund
zu gehen. Nichts, was das Leben bringt, erscheint
ihm ohne Gelang, Sr versucht sogar, den Inhalt
seiner ilräume zu erssrschen, aber das ist ein
schwieriges Problem, nicht immer kommt er damit
zu Rande, Sinmal indessen war er sest und steis
überzeugt, daß eine Zahl, die ihm träumte, irgend¬
wie glückbringend für ihn sein müsse, Ss war die
Zahl >7 239. Alsbald nach dem Srwachen errechnete
er die Euersumme: 22. Und im weiteren Nach¬
sinnen, welche Bewandtnis es mit dieser Zahl und
(Quersumme haben könne, gelangte er zu der Liebe?»
zeugung, das, sie nicht mehr und nicht weniger dar¬
stellte als eine Losnummer,
Nachdem Heiner etwa die Hälfte aller Frank-
surter Lotterieeinnehmer abgelausen hatte, gelang es
ihm, die erträumte Nummer tatsächlich auszutreiben.
Man muh nur Geduld haben, Srst recht, wenn
man dann daraus wartet, daß die vermeintliche
Glücksnummer auch herauskommt, vielleicht mit
22 Mille — siehe Vuersumme,
Heiner wartete jahrelang, aber mehr als hin und
wieder ein Freilos ist ihm nicht bejchieden gewesen,
Vasür gelang es ihm, sich durch Fleiß und üllchtig-
keit zu einer achtbaren und so auskömmlichen
Stellung emporzuarbeiten, daß er daran denken
konnte, den Funggesellenstand mit dem der She zu
vertauschen. Mit Lieselotte war er schon lange einig,
die Verlobung hing bis vor kurzem nur noch von
der Zustimmung ihres alten Herrn ab, doch war an
ihr nicht zu zweiseln,
Piir einen Freitagabend Ratten Heiner und liese-
fZ lotte sich verabredet. Glückstrahlend berichtete
die angehende Graut, ihr Herr Papa habe ja und
amen gesagt und lade zu einer kleinen geiet am
Sonntag ein. Ungeachtet einiger vorübergehender
drückte Heiner der Geliebten schnell einen Nuß aus,
Dann saßte er unter, und beide schlugen den weg
zu einer in der Nähe des Doms gelegenen Wein¬
stube aus. Hier inszenierten sie in einer lauschigen
Scke eine äußerst herzliche vorseier des denk¬
würdigen ilages, viel liebe, süße Worte wechselten
hinüber und herüber, und die kühnsten Zukunsts-
pläne lösten einander in bunter Folge ab. Man
dachte schon an den Ausbruch, als es Lieselotte wie
von ungesähr einsiel, nach dem Los zu sragen, von
dem ihr nunmehriger Verlobter des öfteren schon
gesprochen hatte, und aus dessen angebliche Dlücks-
nummer er so sehr baute,
„Spielste des Los mit der orakelkaste Nummer
noch, Heinerche!" fragte sie,
„Klar! Ddder, is ders verleicht net recht, Schatz!!"
„Ach, laß michs doch emal begucke", bat Liese¬
lotte, woraus Heiner die vriestasche zog und es ihr
übergab.
Nachdem Lieselotte die Nummer eingehend
studiert hatte, blickte sie träumerisch nach der wand,
um sodann von neuem die Nummer abzulesen, als
wolle sie sie auswendig lernen. Hierbei glitt eilt
sonderbares Schmunzeln über ihr hübsches ver¬
liebtes Gesicht,
„Du bist also sest und steis iwwerzeugt, daß die
Nuiiriner e Glicksnummer is — bei Glicksnummer!"
(ragte sie endlich schelmisch,
„Nach wie vor, Schnuckelche, Ddder — gefällt )e
der net — !"
„No, von heut aa brauchste siebzehzwoneunun-
dreißig mit der (tzuersumm zweiunzwanzig nem-
mehr zu spiele!" lachte Lieselotte.
Srstaunt schaute Heiner sie an, Lin wenig ver¬
legen wars er ein, daß vielleicht doch noch einmal
ein Hauptgewinn, so an die 22 Mille, heraus¬
kommen könne,
„Noch en Hauptgewinn!!" platzte die Kleine nun
heraus und wies mit dem ginger nach der wand
über ihm.
Als nun auch Heiner, sich umwendend, hinsay,
gewahrte er einen Abreißkalender. Sr zeigte das
Datum des ilages, des läge» ihrer Verlobung —
den 17. 2. zpl
„Herr Dwer!" rief der glückliche Bräutigam
voller Llebermut dem Kellner zu, „noch zwo Halwe,
bitte!"
Die Schulden der Stadt Frankfurt
Durch verstärkte Tilgung ihrer Schulden im ver¬
gangenen Fahr ist es der granksurter Stadtverwal¬
tung gelungen, die Gesamtverschuldung der Stadt
aus 219 Millionen zu senken. Gleichzeitig ist aber
'auch das Reinvermögen der Stadt auf 422,49 Mil¬
lionen angewachsen. Der Schuldendienst Frankfurts
wird bis zum Fahre 1994 an Schuldenzinsen und
Schuldentilgung jährlich 18 Millionen erfordern.
Der granksurter Haushalt für das Fahr >9)9 ist
ausgeglichen; er schließt in Sinnahmen und Aus¬
gaben mit 124 fSi 190,— Mark ab,
Srholungsfürforge ist notwendig
wie der granksurter Dberbürgerrneister Staats¬
rat Vr, Krebs milteilte, hat sich die Linrichtung
eines Srholungsheimes in Hohenwald bei Kron-
berg im üaunus für die Lhesrauen bedürftiger
städtischer Sediensteter sehr segensreich ausgewirkt.
Die vorhandenen Betten sind stets belegt, Seim
Ankauf eines Landgutes in Sppenhain im ilaunus
hat sich die Stadtverwaltung Freistellen für männ¬
liche Gesolgschastsmitglieder ausbedungen. Außer¬
dem wurde ein Altersheim am Fuße des ilaunus
von einer städtischen Stiftung angekaust.
Die Vereinigung von Palmengarten und
Srüneburgpark
Durch den Ankauf des Drüneburgparkes im
Westen der Stadt, der durch die Auslassung der
Miquelstraße mit dem Palmengarten verbunden
wird, entsteht im Westen Frankfurts ein mächtiger
park, der auch gleichzeitig den Votanischen Garten
der Universität ausnimmt, Vieser Votanische Garten
hatte bisher eine Fläche von 1,29 Hektare künftig
wird er sich aus 6,8 Hektar ausdehnen, Palmen¬
garten, Grllneburgpark und votanischer Garten
werden im Fahre 194 z auch die Reichsgartenschau
beherbergen, während sich nach Nordwesten, also in
der Richtung aus das Niddatal, das Reichs¬
arboretum eine Sammlung aller in Deutschland
wachsenden Bäume, anschließen soll.
Die Frankfurter llheaterschule
Für die llheaterschule der Städtischen Bühnen
wird die Anerkennung als staatliche Hochschule er¬
strebt, Sie so» künftig ein neues, schönes Heim
an der Zeppelin-Allee finden, wo die Stadt ein
großes Haus aus jüdischem Besitz erwerben konnte,
Lieselottens schlanke Finger deuteten an, daß sie
sich geneigt fühlten, das los mit der Schicksals¬
nummer in viele kleine Stückchen zu zerschnipsein.
„Siverstanne —!" fragte sie, bevor sie ihr Werk
begann,
„Siverstanne!" lachte Heiner zurück, „Die
Nummer hat ihr Schuldigkeit gedah, Un was des
Geld betrifft, will ich's emal mit ere annern
Nummer Problem. Awwer — Haiti wie steht's
denn mit der (Puersurnm, he!"
„Stimmt ewesalis ganz genau! Zch bin doch —
zwounzwanzigl"
Behende zerpflückte Lieselotte das Los mit der
Glückonummer und der ipuersumme. Nur ein win¬
ziges Häufchen zerkleinerten Papiers blieb davon
übrig, und das wog fast nichts, Vas wahre, große
und unzerreißbare Glück trugen Heiner und Liese¬
lotte in ihren Herzen, Strahlend leuchtete es aus
ihren jungen Augen, und es wog schwerer als der
größte Goldklumpen, der je gefunden wurde!
K. H, M,
das sich für die Zwecke der Ausbildung des
vühnennachwuchfes ausgezeichnet eignet.
Starkes Absinken der Frankfurter Fürsorgelasten
Der Fllrsorgehaushait der Stadt Frankfurt hat
sich dank der Belebung des Arbeitsmarktes ganz
erheblich gesenkt. Am 1, Fanuar 1978 waren
11 000 Srwerbelose vorhanden, am 1. Fanuar 1949
nur noch 3400. — während die Ausgaben für
wohlfahrtspsleglinge im Fahre 1947 noch rund
4,9 Millionen ausmachten, werden sie im Fahre
1999 voraussichtlich erheblich unter dem Höchstsatz
von 2,8 Millionen bleiben, der für das Fahr 1948
ausgegeben wurde. Die Ausgaben für die wohl-
sahrtserwerbslosen und für Pslichtarbeiter sind von
4,4 Millionen im Fahre 1947 aus 1,2 Millionen
im Fahre 1998 zurückgegangen, Zn der Gesamt¬
zahl der Unterstützten wurde jetzt der Stand des
Fahres 1928 erreicht, was jetzt noch an Arbeits¬
losen übrig bleibt, ist nicht mehr oder nur in ver¬
mindertem Maße elnsahsähig,
Aenderungen im Volksschulwesen
Um das Frankfurter volksschulwesen aus eine
einheitliche, gemeinschaftliche Grundlage zu stellen,
hat die Stadtverwaltung sieben evangelische Be¬
kenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen umgestaltet.
Acht weitere Bekenntnisschulen werden demnächst
folgen, Die dann noch verbleibenden 16 Frank¬
furter Bekenntnisschulen werden vom neuen Schul¬
jahr ab durch Bildung entsprechender Ausnahme¬
klassen umgewandelt werden.
Der Frankfurter Wohnungsbau
Aus den bekannten Gründen konnte im Fahre
1948 in Frankfurt nicht allzuviel gebaut werden.
Der Wohnungsbau war hauptsächlich privater
Natur, und der Anteil der Kleinwohnungen von
ein bis drei Zimmern beträgt 82 Prozent des
Wohnungsreinzuganges, Der Anteil der vierzimmer-
wohnungen ist geringfügig, und bei Wohnungen
mit fünf und mehr Zimmern, ist ein starker Rück¬
gang zu verzeichnen, 484 volkswohnungen konnten
im vergangenen Fahre erstellt werden, während im
Fahre 1949 814 dieser Wohnungen errichtet werden
sollen, von denen bisher 179 bereits im Vau sind.
Zu unserem Titelbild:
Ein heller BliitciitulT krönt die Kuppe aus
braunem Filz und gibt ihr den friihliiigshuften
Anstrich. Aufnahme: Sonja Gcorjji
kleine Neuigkeiten aus der Stadt am Nain
Für die Dausfrau in Frankfurt a.M.
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