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Rr. 237.
Metz, Montag den 12. Oktober 1914
XXXXIY. Jahrgang.
Der Krieg und die Kniinrgcmeinschast -er Völker.
Sine Krieg«red« de» Reichetagrabg. Pros. De. von Liszt. lUnber.Xachdr.verb.) Hg Berlin. 4. Ott. 1914.
Der berühmte Eirafrechtslrhrer Gehetmrat Professor Dr. von Liszt, der al» jorischrittlicher Vertreter von Tlogau dem Deutschen Reichstag angehört, sprach am heutigen Sonntag vor einer großen Zuhörerschar tn einem gedankenreichen und fesselnden Dortrag über da, Thema: „DerKriegund die Kulturgemeinschaft der Völker".
Das Trotzte, so führte Prof. o. Liszt aus, ln Liefen großen welthistorischen Tagen, tn denen au» dem Schoße unseres alternden Europa, eine neue Welt geboren werden soll, ist, daß dar ganze deutsche Volk mir eine Seele und nur einen Ge- danken hat, der ausnahmslos uns olle erfüllt. Nicht Neugierde führt die Massen jetzt zu diesen Versammlungen, sondern allein das brennende verlangen, gemeinsam Bekenntnis abzu- legen zu unserem Vaterland«, von dem wir eigentlich nie zuvor gewußt haben, rvte heiß wir es lieben. Dem Rüner bleibt nichts weiter Ülkig, als die Rolle des Chorführers im griechischen Drama: das zum Ausdruck zu bringen, was alle Kerzen erfüllt. Ich habe mein ganzes Leben fest geglaubt und entschieden gearbeitet für eine Internationalifierung des Rechtes. Heute liegt da« international« Recht zertrümmert und zerschlagen vor uns.. Die Kulturgrmeinfchaft der Völker baute sich auf auf der Wirtschaftsgemeinschaft der Völker. Von der nationalen Wirtschaft gingen die führenden Kultunrationen über zur Weltwirtschaft. In dieser Weltwirtschaft hat sich Deutschland einen geachteten Platz errungen und rückt« England immer näher. Das ist die letzte und tiefst« Ursache dieses Krieges, in dem es für England, dem Drahtzieher, der die Marionetten Rußland und Frankreich in Bewegung gesetzt hat, sich nur darum handelt, den gefährlichsten Rivalen bauernd aus dem Felde zu schlagen.
Auf dieser Weltwirtschaft hatte sich «ine Weltkultur der Völker aufgebaut. Was Dichter und Künstler, Telehrte und Techniker eines Volke» schufen, wurde nicht eifersüchtig versteckt vor den Blicken des Auslandes, sondern wurde in die ganze Welt verbreitet. Auch in dieser Weltkultur hat sich Druischland eine geachtete Stellung errungen. Da» „Made in Gcrmany" galt überall im Ausland als gute Mark«. Die Sedonkensystem« unserer großen Philosophen von Kant bi« Rtehsche. die Schöpfungen unserer großen Tonkiinstler von Bach bio Richard Wagner, di« Leistungen unserer Wissenschaft
-r> .XaA*.!* ——®W* «•ttMitW*. llnd kein andere» Volk hat treuer als da, deutsche Volk alle» Tute. Schöne und Wahr« de« Auslandes tn sich aufzunehmen stch bemüht. Deutschland hat die Dichtungen der ganzen Auslandes tn sich ausgenommen und ist für manchen Ausländer «ine neu« Heimat geworden. Der Weltwirtschaft >nd der Weltlultur entsprach da» Weltrecht, das Völkerrecht. Internationale Ziel« wurden gemeinsam von alle« Kulturnationen zu erreichen gesucht: Weltpostverein, internationale Regelung de» Trlegrapheuverlehrs, de» Kraftwogenverkehr«, der Luftschiffahrt usw.
Auch die ideellen Interessen der Wett wurden iniernatto- nal zu vertreten gesucht: Arbeiterschutz, Arbeitcrversicherung, Lrkämpfung des Ellaorn- und Mädchenhandel». Schutz gegen Cholera, Pest und gelbes Fieber, und schließlich, veranlaßt durch die ..Titanic"-Katasttophe, Schutz des menschlichen Lebens auf hoher See. Weltwechselordnung und «ine einheitliche Ccheckordnung waren säst sertiggestellt. Welche Hoff- uungen hatten wir gesetzt auf bi« schiedsgerichtliche Erledigung von Ctreltigleiten unter den Staaten! Wenn di« Institution eines internationalen Schiedsgerichts auch den Ausbruch dieses völkerkricgs nicht verhindern konnte, tn Hunderten von Fallen hat sie schwere und ernste Streitigkeiten der Völker ftiedlich beigrlcgt. Für den Fall de» Krieges gilt dir Genfer Kon- vcntlon, selbst das Kricgsrecht haben wir mit festen Normen zu umgrenzen gesucht, und «ine Reihe von internationalen Be
stimmungen gelten für den Seekrieg. Al» im Vorjahr der Fricdenspalast im Haag «ingeweiht würbe, da meinten wohl auch nüchterne Deobachier als die weltfvemdcn deutschen Professoren und die noch weltfremderen deutschen Diplomaten, daß nun die Welt des ewigen Frieden» gekommen fei.
Es ist mit eine» Schlage ander» gekommen. Weltwirtschaft. Wirtschaftsgemeinschaft der Völker — alle» zerrissen! Auf der offenen See lauern Kreuzer der kriegführenden Elaa- ten auf friedlich: Handelsschiffe. Eilt doch noch heut« da, Seebeuterecht. dessen Beseitigung an Englands Widerstand ge- scheitert ist. Die Schiff« der neutralen Staaten werden nach Kontrebande untersucht. Was Koutreband« ist und was nicht, da« bestimmt heute willkürlich Einzig and allein da» feegewal- tige England. Weil die Weltwirtschaft znsmnmengebrochen ist, haben wir uns in Deutschland mit allen Kräften bemüht, unsere Wirtschaft wieder zu nationalisieren, d. h. unsere in- ländische Produktion den geänderten Verhältnissen anzupassen. Je länger der Krieg dauert, desto sicherer wird der Sieg dem zu fallen, der er am besten versteht, den geänderten Verhältnissen entsprechend seine Wirtschaft zurückzufuhren ans den Stand einer nationalen Wirtschaft. Di« Kulturgemeinschast der Völker ist «bensall« zusammrogebrochrn. Bewaffnet stehen die Heer« einander gegenüber und suchen sich gegenseitig so viel Schaden als möglich zuzufügen. Bi» tn die Kreise der Männer der Kunst und Wissenschaft hat sich der bittere gegen- seidige Haß hinelngesressen. Es wiegt ja vielleicht nicht schwer, wenn Deutsck)« Männer der Kunst und Wissenschaft die ihnen bisher von Feindesland verliehenen Auszeichnungen zurück- weifen und ihre goldenen Medaillen im Interesse des Noten Kreuzes zur Einschmelzrmg bringen. Kr^tiger schon ist der Ausdruck dieses tiefempfundenen Hasse», wenn Künstler und Schriftsteller, Gelehrte und Dichter de« Auslandes, deren Namen den besten Klang bet uns hatten, wenn Männer wie Wells, Kipling, die beiden Wcbb, wenn der gefeierte Pariser Philosoph Bergson und der Italiener dAnnunzio mit der ttmutztgen Pariser Bouleoardpresse in der Beschimpfung und Verleumdung de» deutschen Volkes wetteifern.
Und wie wir unsere Wirtschaft von der Weltwirtschaft zur nationalen Wirtschaft zuruckgeführt haben, so haben wir auch Li« Weltlultur zur nationalen Kultur umzugestalten versucht. Alles Gute. Wahre und Schöne knüpft sich jetzt bei uns an den Begriff des Vaterlandes an. Mit Weltwirtschaft uud Weltlultur ist auch da» Wellrecht in di« Brüche gegangen, Handelsverträge, Schiffahrtsvcrträg«, Auslitseruirgsoerträge «st», gesteh«» nicht «Ob Gla u be« Im Berk/be ist
«Im Wort gemorden. England bedroht mit Auchths'r-
al» schrnere» Ber-»«ch«M. o*iw «Im «nettttcs Schuldner sein« deutschen Gläubiger bezahlt. Di« Post funktioniert nicht, die Kabeln sind zerschnitten. Und wenn un» heute vom galizi- scheu Kriegsschauplatz di« Cholera »nd morgen von den Gestaden des MtttchlSndlschen Meere» dl« Pep droht, wo sind da all dt« verelubarungm mit Lvgkmd. Frankreich, Italien und Rußland zur Bekämpfung diasn vollsseuchea? Lad nun da« daß da» Rot« Kreuz bea Verwundete« und dra Aerzleu keinen zur nationalen Wirtschaft zurückgeftchrt haben, so haben wir Schutz gewährt, auf den e« völkerrechtlich Anspruch hätte. Und England tritt täglich auf de» Ozean ble Rechte der Ren- traten mit Füßen. Sein Recht reicht chm so «eit. wie sein« Macht ihm reicht.
Die Rechtsgemeinschaft der Völker ist zu- sammengebrochen, da« Völkerrecht ist nur noch ein Blatt Papier. Wie soll da« werden, wenn der Krieg zu Ende ist? Für un, kommt natürlich nur «in siegreiche« Ende in Frage und nur «in Friede, der dem deutschen Volke das gi^t. was es verlangen bann und muß. Wir wollen ,» nicht ein »weites Mal erleben, daß Ostpreußen und Elsaß verwüstet werden. E» darf auch nicht wieder Vorkommen, daß «in angeblich neutraler Staat tn den jahrelang vorbereiteten Kriegsplänen unserer Gegner zum Etnsalllor für unser Rhein- land bestimmt wird und daß die Befestigungen dieses neutralen Staates nur nach der einen Richtung, nämlich gegen Deutschland, angelegt werden. Daß einfach mit dem Friedens- fchluß der alte Zustand wiederkchrt. al» ob gar nichts gesche
hen wäre, ist ausgeschlossen. Jahre werden vergehen, Vls die wirtschaftlichen Beziehungen der Völker wieder den normalen Zustand erreicht hoben werden. Eine Weltwirtschaft, wie sie bl» zum I. August 191-1 bestand, wird nicht mit einem Schlage wioderkommcn.
Auch die Kullurgemelnschaft kann nicht von heut« auf morgen wieder aufgerichtet werden. Dazu hat sich der Haß zu tief eingeftessen. Ich persönlich könnte es mir nickt vor- stellen, daß ich jemals noch einmal mit japanischen und englischen Kollegen an demselben Kongreß teilnchme uud friedlich mit ihnen an derselben Tafel sitze. Mit der Rrchtsge- meinfchast steht es nicht viel anders. Was haben vertrage mit Großbritannien für einen Wert, wenn wir jetzt gesehen haben, daß diese Verträge Großbritannien nicht einen Augenblick in feiner Bewegungsfreiheit hemmen können?
Ein Neuaufbau muß erfolgen, und dabei müssen die Fehler vermieden werden, di« der alle Bau aufwics. Das Haus. das die Völler stch gebaut batten und dessen Symbol der FruÄens- palast im Haag war. war zu groß, und in dem Haufe haben st« alle miteinander gelebt ohne Rücksicht darauf, ob sie zueinander paßten »der nicht. In dieses Haus gehören Li« nicht herein, die den Frieden Lei jeder Deleyenbeit stören und die allein herrsche« wollen. Bei dem Neuaufbau muß genau darauf gesehen werden, wer in dieses Haus nicht Herrin» gehört. Wer da nicht hercinpaßt, mit dem kann man lorrctte nachbarliche Beziehungen haben, aber aus dem Hanfe muß er herausbleiben. Wenn wir die europäischen Staaten unter diesem Gesichtspunkt betrachten, so können wir sagen: Frankreich wird geschwächt aus dem Krieg hervargeben und hört auf, ein für die Ruhe Europas und Deutschlands gefährlicher Gegner zu sein. Rußland wird zwar, auch rvrnn der Friedens- schluß ihm schwere Verluste bringen sollte, für den europäischen Frieden ein gefährlicher Gegner bleiben. Aber sür eine ganz: Reihe von Jahren baten wir Ruche und können Rußkor» seinem Schicksal und den inneren Wirren überlassen. England aber bleibt, mag der Krieg so oder anders au-ge!-:u. der Staat, der zielbewusst die Herrschaft über die Wr'.r ansirrbt, und für den Frieden der 3velt und sür Deutstl.lc.nd bleibt England der gefährlichste Gegner.
Das Streben unserer künftigen ouswönigen deutschen Politik muß darauf gerichtet fein, uns und die mit uns t.it Frieden liebenden europäischen Nationen vor den englischen Weltherrschaftsgelüstcn zu sichern. Cinrcln sind die ruropäi. fchen Staaten zu schwach, um das zu lönncn. Deshalb muß «in Zusammenschluß der mitteleuropäische» Staaten hcrbrigc- führt werden. Dieser mitteleuropäische Slaaienverband. der von dem nöücklchen Eismeer bis zum Mittelländischen Meer gehen müßte, würde ganz Europa außer Frankreich, der Pnre- «»gch en Hawknftl und Rußland umfassen. Der Kernpunkt werrr plyov wr^»— u—— ». ■ o*^.
scher, Stärke Deutschland. Im Norden wurde er die slandino- rischen Staaten uud vielleicht auch Finnland umfassen. Im Westen würde Holland di« Grenze bilden. Im Süden würden die Schweiz und Italien in Betracht kommen. Ich denke auch an dl« Balkanstaaten, vor allem an Rumänien und vulgartrn, vielleicht auch Griechenland, und als Schlußstein nach Süd- osten dt« Türkei.
In seiner Progmmmrede tn Damaskus hat unser Kaiser der Welt das Bündnis zwischen Deutschland und dem Islam vor Angen geführt, vielleicht gehen di« prophetischen Worte unseres Kaisers in absehbarer Zeit In Erfüllung, und dann find dem mitteleuropäischen Staatenoerband dir Tore nach Asien und Afrika geöffnet. Dieser mitteleuropnifche Staaten- verband würde auch di« Kulturgrmeinschaft und di« Recht»- gemeinfchaft unter den Böllern wieder auslebc» lassen, eine Kulturgemeinschaft, nicht so weit und groß wie die Kntturge» meinschast der früheren Tage, aber umso stärker, segcnbringrn- ter und sruchtreicher. Eine neu« Wirtschaftsgemeinschaft, eine neue Kulturgemeinschast und eine neue RechiLgemeinschaft, das müssen die Ergebnisse dieses großen Bolkeningens fein. Dieser Gedanke erfüllt unfere Kampier auf den Schlachtfeldern, er muß auch un» alle hier in der Heimat erfüllen. Wie der Phönix aus der Afche, so muß aus dem jetzigen Trümmerlcld ein neues Deutsches Reich entstehen, größer, stärker, freier und glücklicher noch als unser altes Deut'ckes Reich. (Lebhafter, wiederholter Beifall.)
Ketzer in Holland.
Dom Haag aus wird in Form eines Flugblattes ein Aufruf zur Gründung eines ,.antideutschen Weltbundes" verbreitet. Der Umstand, daß r:,f dem Blatt weder Verfasser noch Drucker genannt sind - -an will der hollandt- fchen Behörde das Einschreiten erschwer«.-, —. und eine Bemerkung in den letzt:» Zeil-.n, des Textes verrät, baß die Hetzarbeit nicht offen betrieben wird, vielleicht läßt sich der heimlichen Wühlerei ein Teil ihrer verderblichen Wirkung nehmen, wenn man dieses Dokument verbissenen Hasses ganz ruhig au» dem Umschlag des Privetbriefcs hcrousziehl und es aller Welt' zu lesen gibt, Darin lammt zweifellos nicht die Stimmung eines großem Teils des holländischen Volkes ium Ausdruck, sondern »fsrndar stehen englische Einflüsse hinter dem holländischen Schreiber. Denn das letzte Ziel des geplanten Bundes ist eben wieder die w i r t l ch o f t l i ch e Schädigung Deutschlands, wie England sie anstrrbr.
Zur Kennzeichnung der Tonart des Schriirstücks genügt cs. aus den ersten Abschnitten die liebenswürdigen Wendungen herausrupflücken, womit der Schreiber uns Deutsche brveatl: er nennt uns die ..Parias der europäischen Gcmcmichaft". ..geborene Sklaven", da» „Kellnervolk", das ..Darbarenvolk", das den Krieg führ« wie „eine Horde Vandalen", das Frauen und. Kinder „von betrunkenen Sadisten" morden lasse. Dar Mann nennt unsere Soldaten .Lläuber". Festzunagcln find auch folgere Sätze: „Ist die Löwener Kathedrale nicht inehrwertals das Leben von ein paar Dutzend Teutonen? .... Sind nicht Umstände denkbar, wo man einen Franktirrurkrieg verteidigen. ja. wo mau ihm zujudcln muß?" Das Schlußstück des Anftuss lautet:
Inzwischen ha, sich unser Volt schon gegen den FeiiH gewappnet: aber es wird ein friedfamer Kampf sein: ein Boykott. Wir haben nämlich bemerkt, daß unsere Bevölkerung aller Klassen oo„ deutschen Läden, deutschen Erzeugnissen und Waren nichts mehr wissen will. Man fragt nach der Her» tu;:ii d^r Anstel: lammen sse aus Germanien, so sucht man in« ländlich: Erzeugnisse oder die audrrcr Länder zu beziehen. Das alles ist crirerilich. aber ist nur erst ein Anfang. Wir »'.ächten b*Mt Kampf einen breiter» Raum geben: mir wün» scheu an erster Stelle einen Boykott aller Deutschen. Di?:: G:danle ist sick-er nicht neu. Bei ollen Feinden Gormaniens wird er schon ausgctoucht kein: indes ist hier ein gut organisiertes Dorgeben erwünscht. Mau vergesse niemals, daß das deutsche voll eine harte Haut hat. Ceit Jahren kennen die Deutschen den Abscheu, den sie cinftößen. und doch lassen sie nicht ab. Die Mittel, die gebraucht werden müss.-n. werden Leohalb nicht allzu mild sein dürfen. Larlüuila. iLlaac» u»is fofacirtsc Maßregel» vor: 1. Nichtzulassung von D« ut- tv„ Hotels, icftiiders ',» den Badeorten: 2. Ausschließung der Deutschen aus Grfellfchaf»
1 c n. Kasino», Klubs. sportv<re>iien: 3. de«
Deutschen aus europäischen Cporttämpsen uud N?«ttstt«t- ten; 4. Richtbesuch deutscher Sportweltf,reite: r». Boykott deutscher Erzeugnisse und FabrUatc: «>. Nichtbenutzung deutscher Aerzt e und Zahnärzte: 7. Austreiben aller Deutschen mit ollen erlaubten Mitteln aus allen nichtdeutschen Ländern: fi. I'oliere» Deutschlands mit allen verfügbaren erlaubten Mitteln: st. Gründen einer deutschseindlichr» Press« in alten nicht deutsch sprechenden Lander».
Aste diese Mittel sind darauf gerichtet, den deurichen kioch» inut z» brechen, den Stolz ru zerschmettern, der unerträglich ist. In, Laufe d:r Jahr: wird man airi die Deuiichrn mit Fingern weisen: man wird ihnen aus dem Weg. gehen und h<: i-oNeren. wie man es b's jetzt — meist zu unrecht — mir d.'m Volk Israels geian bat. Roch ist ridit die Zeit gokomm.'ir. um unfern verband zu stiften, vnftr Bor.!re.''en zu organisicrcn, noch weniger. u:n uns mit den a'.'-'ör.riichen Feinden Germaniens in Verbindung -u I.st-tN. Erst must di« Krlcgsfackel gelöscht, das wiri'chaHUcke L:ben wiederherge- st.'llt sein. B o r l ä u s i g w e r d r n mir im Geheimen unser« Aktion beginnen, in der Hosfi-ung. ur'rr« Pläne noch dem Kri>g brc'tcr entsal:rn zu können. L.ir schmeicheln uns. daß im'ere Gedanken die Sympathie des üter- ftroßei, Teils unserer Ratio» haben w-'rdeu. Die antidevtlcre Stimmung der letzten Wochen ist hierfür die beste Gewähr.
25
fSkachdruck verboten.)
Dev Sieg des Hevrens.
Roman von Otto Elster.
„Aber, Eva ...“
„Du mußt es mir versprechen, Hans. Sonst kann ich nicht hier bleiben. Wir wolle» Deinen armen Onkel nicht lauschen, nicht wahr, Haus?"
Er sah ein. daß sie recht hatte. Sie kam thm fast fremd vor in der strengen dunklen Kleidung einer Krankenschwester, dennoch sah sie gar lieblich aus in der weißen Haube, und das cinsache, schwarze Gewand hob ihre schlank Gestalt vorteilhaft hervor. Cr führte sie zu dem Wagen, dessen feurig« Rappen er selbst lenkte, während der Kutscher aus dem hinteren Eitze Play nahm.
Eie saß an seiner Seite und ließ ihre Augen nicht ohn« eine gewisse Neugier über das Land schweifen, ohne jedoch zu sprechen. Ihr Eesichisausdruck wurde immer ernster, ja trauriger. Denn während sie über die breite Heerstraße und dann durch die herrlich« Lindenallee die zu dem Schlosse führte, dahin rollten, zeigte ihr Hans die Felder, Wiesen und Wälder sowie die verschiedenen Vorwerke, welche zum Schloß gehörten; sie sah die zahlreichen Gespanne aus den Feldern heschästigt; auf einem großen Anger weidete eine Herde Schafe, die wohl mehrere hundert Stück stark war; der Verwalter, di« Leute, an denen sie vorubersuhren, grüßt«» alle sehr ehrerbietig, und aus dem Grün des Parlce ragten die Türme des Schlosse» empor, aus deren höchstem «ine Fahne in den Wappenfarben de« Geschlechtes Ballhausen flatterte.
So groß und reich hotte sich Eva den Besitz nickt gedacht. Und von all dem war Hans der Erbel Wie konnte sie. das arme Mädchen aus dem Volke, nur daran denk», feine Gattin werden zu wollen!
Traurigkeit und Mutlosigkeit schlich sich in ihr Herz. Sie fühlte die Hoffnung, die in ihrem Herzen empor hatte keimen «ollen, mehr und mehr zusammenschrumpfen. E» war töricht von ihr, diese Hoffnung zu nähren; sie mußte verzichte« — da» Glück wäre ja zu groß gewesen — und sie bedauerte fetzt fast, seinem Ruse gefolgt za sein.
.Last Du meinen letzten Brief erhalten?" fragt« n ketse. „3a . . •"
„Run — und was ist Dein« Antwort?"
^Laß uns jetzt nicht darüber sprechen." entgegnet« st«, indem st, r« vermied, ihn anzusehen, „Du Kunst ja «eine Bedingung. Solange ich hier bin, hin ich nur dt« Schwester
ftt..
Mit eine« Ktchteu Seufzer fügte er stch. .Schw e ig end jMta |« dk letzte Nrecke de. Weg«« |»<l,
Vor dem Schlosse wurden sie von dem Oberinspektor und dem Arzt empfangen.
„Wie geht cs meinem Onkel?" fragte Hans, die Zügel dem Kutscher reichend.
„Immer noch dasselbe," entgegnete der Arzt. „Der Herr Gras liegt teilnahmslos da. Es ist sehr schön von Il;nen, Schwester, daß Ei« s« rasch gekommen sind. Der alte Valentin allein schafft «s nicht mehr. Wenn Ei« sich von der Reise erholt haben, darf ich Sie wohl zu dem Kranken führen?"
,34 bin durchaus nicht ermüdet." entgegnete Eva.
„Nun, ein Stündchen Ruhe wird Ihnen doch gut tun." «etnt« der Arzt. .Ihr Zimmer ist ja bereit, wie mir der Herr Oberinspektor sagte."
„Gewiß — he, Friedrich!" ries der Inspektor einem Diener zu. ^fvhre das Fräulein auf ihr Zimmer. Dse Wirtschafterin soll für eine Nein« Erftischung sorgen."
Hans beschäftigte stch mit den Pferden. Es widerstrebte ihm, fremd gegen Eva zu tun, and doch durste er sie nicht in vertrauter Weise anreden; deshalb schwieg er lieber und überließ es dem Oberinspektor uud der Wtttschasterin, für Eva zu sorgen.
Al» Eoa die breiten Trepprn und die hallenden Korridore des alten Schlosse» durchschritt, während der Diener mit eiligen, geräuschlosen Schritten vor ihr herging, überfiel sie wieder das bange Gefühl wie vorhin, als sie durch die Felder und Wiesen gefahren. Sie war als Krankenpflegerin ja schon «iuige Male tn reiche Häuser gekommen; aber der Reichtum dort hatte ihr nicht diese» drückende Gefühl bereitet, stand fl« ihm doch gleichgültig und unbeteiligt gegenüber. Hier war da» anders! Hier fühlte sie stch durch ein geheftne« Band mit all diesem Reichtum verknüpft, der sich dennoch trennend zwischen sie und den Geliebten drängte.
Auch ihr Zimmer, in da« sie die Wirtschafterin führte, war viel zu groß «nd «tt altertümliche» Möbeln viel zu prächtig eingerichtet, al» daß sie sich heimisch in ihm hatte fühlen könne«.
„Diese Tür", sagt« die Wirtschafterin, «in« starke, ältlich« Frau, auf eine Halbverboege« Tapetentür zeigend, „führt auf «ine Treppe, welche dirett zum «rbett^tmmer de« Herrn Grafen geht. 8» Vinnen St« safort «rufen werden, weu» Sie nötig find. Und fetzt werde Ich Ihnen ein, Erfrischung herauflchicken. Was wünschen Sie?"
„Wenn ich ein« Tasse Tee bekommen könnte ..."
„Gewiß. Und Ausschnitt dazu. Ich werde e» sofort he- sorgen. Hier ist «ch Ihr Geptt."
Der Diener brachte de» keine» Koffer Eva« «nd pellte ihn auf zwei Stühle. ' .
JM«« Sie foast «och Befehle. Früuletn?" fragt« er.
ÜSMfc, ich fcmfr.»
Er entfernte sich mit der Wirtschaftcrin. Eva war allein; sie sckzaute sich in dem weiten Gemach scheu um, dann trat sie an das offene Fenster und versenltc sich in den Anblick des Parlrs, der im Blütenschmuck des Frühlings vor ihr lag. Auf den breiten Rasenflächen lagen tn leuchtender Farbenpracht die Blumenbeete. Hundertjährige Bäume streckten ihre Aeste über die sauber geharlten Wege aus; Gebüsch« in den verschiedensten Farbenschattierungen füllten di« Winlel und Ecken. Aus dunklen Tonnen- und Lorbeerbäumen ragte drr graue Turm dos alten Erbbegräbnisses hervor.
Und.über all dem spannte stch der wolkenlos«, blaue Früb- lingshimmel und ruhte strahlend der goldene Glanz der Früh- lingssonne.
Es war herrlich schön hier — viel zu schön und prächtig für sie, die in den engen Verhältnissen ihres Lebens ausgewachsen war.
Ein Hausmädchen trat mit dem Tee ein: silbernes Service auf blitzendem Teebrett!
Eva dachte an da» einfache Porzellg.n ihres elterlichen Hauses und mußte unwillkürlich lächeln. Eie ah etwas und trank eine Tasse Tee; dann packte sie ihren Koffer aus.
Da köpfte es an die Tür. und der Arzt trat rin.
„Ich möchte Eie gern zu dem Kranken führen. Schwester." sagte er freundlich. ^Ich kann nicht länger mehr bleiben und möchte mit Ihnen alles Notwendige besprechen."
„Ich bin bereit. Herr Doktor," entgegnet« Eva.
„3n welchem Krankenhaus« haben Sie Dienste getan?".
„Im Kaiserin Augustakrankenhause und in der Klinik der Herrn Professor Bergmann ..
„Run. dann werden Et« ja mit allem Beschetd wissen. Darf ich bitten . .."
Tr führte ste in da» untere Stockwerk, tn dem sich die Zimmer dr» Graftn befanden. Der alt« Valentin trat ihnen «tt geräuschlosen Schritten entgegen.
„Rnn, wie steht'»?" ftagte der Arzt.
^Der Herr Graf schlafen."
„Gut — sehr gut. Schlaf ist da« beste Heilmittel der Natur. Treten Sk nur naher, Schwester. Hier, Lakutin, der fch«m fett dreißig Jahren um den Grafen Ist, wird Ihnen tn allem an dt« Hand gehen können. Nicht wahr» Valentin?"
„Gewiß. Herr Doktor — ich werde mir all« Mühe geben. Wenn der Herr Graf nur wieder gesund werde«.''
„IBit wollen da« Beste hoffen ..
Und dann stand Goa an de« Lager de» Schlummernden «nd sah «tt Inniger Teilnahme tn fein blaffe», vergrämte» Anttitz, während der Arzt ihr mtt leiser Stimm« di« Verhaltungsmaßregeln auseinanderfetzte.
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Auf der Promenade in San Remo sa'nn Frau Rkaanvr und Edith und sabrn sriwcigend bin-''!; auf das blau« tzlleer. das sich in sanfirm Bo.'cn um d:: Küste lcbmiegte, hier und da schäumend an dem ktrileren User um murmelnd
zurückzuftuten und fick am ferne!, Hoi'>-'nt mit dem Himmel zu vermählen.
Fischerboote schmebren mit ibrrn kümmernden Segeln durch die blaue Flut, langsam und triinmeüsib; flinle Ruderboote huschten vorüber, und ein schmncker Patzaaierdampfer logt« an dem Kar an. während au? den Deck eine Musik» Lande spielte.
Der Sonnenschein, da» biaue Meer, die sich in leichtem Winde wiegenden Palmen, die weinen Billen in dem üep-qc» Grün der Gär:-.-r, das winllige, altertümliche Ctädtckeo. das mit seinen brassen die Berge hinanlletterte, die ftiKiliäeu Menschen ringsum, teils ln eleganten Pariser Toiletten, teile in dem bunten malerischen Kostüm des Landes — dar otlcs hatte wohl die Seele einer jeden heiter und froh stimmen müssen, daß sie ibre Sorgen vergaß und sich ganz der schöacir Gegenwart hingab.
Aber die beiden Damen schienen laum auf die hettere Schönheit der Urugedung zu achten. Gelangweilt blickte Edith aus das bunte Treiben der Promenade, während ibre Mutter leise mit einem Herrn sprach, der Hinter ihrem Stnll halb durch den Schatten eines Palmeugedüschcs verborgen stand.
„Wie lange wollen Sie noch hier bleiben. Rautheim?" fragte Frau Magnus. ..Ich fürchte. Sie können aus die Dauer nicht unerkannt bleiben — und dann bringen Sie auch uns tn eine sehr peinliche Lage."
fürchten Eie nichts, liedsi« Freundin." entgegnete Rautheim lächelnd. „In meiner Verkleidung erkennt mich so leicht kein italienischer Detektiv. Hab' ich nicht eine wundervolle Maske?"
In der Tat. bet oberflächlicher Bekanntschaft würde man den Baron kaum wiedererkoorrt haben. Seine hager« Gestalt konnte er allerdings nicht verleugnen: doch wenn er früher in seiner Kleidung übertrieben modern und gigerlhast gewesen war, so trug er jetzt eine gewisse Nonchalance zur Schau, in» de« er stet» tn einem khatigelben Iackettanzug und breite« Panamahut ging. Sein früher glattrasiertes Gesicht umrahmt« fetzt cta Vollbart, der schon sehr mit Grau gemischt war. »nd fttn Haupt bedeckte eine graue Perücke, die so kunstvoll gemacht war, haß sie kaum von echtem Haar zu unter-
scheide» War.
In da« Fremdenbach hatte er sich als Mister Edward Smith em» London eingeschrieben und sich al» Kaufmann belichtet. »er Überfeaifch« Geschäfte betrieb.
tS-rtfetz«, WJ

