Zur Einnahme
liegt immer noch nicht die ersehnte Meldung vor, die genauen Ausschluß über den Verbleib der belgischen vnd englischen Besatzung gibt. Aus nachstehenden Nachrichten lägt sich mutmaßen, daß ein großer Teil der Antwerpen« Streitkräfte holländisches Gebiet betreten hat. ein anderer Teil aott den Weg nach Ostende gesunden haben soll. Nach einer Meldung seien sogar die schweren Martnekanonen mittel» Panzerzügen nach dort entkommen. Doch handelt es sich hierbei um eine englische Nachricht, die erst noch bestätigt werden muß. bevor man ihr Glauben schenken darf. Die deutschen amtlichen Berichte vom 10. und 11. Oktober teilen kurz mit, daß es noch Nicht möglich seidieZahlderGefangenen und der nach Holland entflohenen englischen und belgischen Truppen anzugeben. Sollte der Hauptteil der Besatzung nach dem neutralen Holland entslohen sein, so bedeutet dies zugleich die Entwaffnung und Internierung dieser Truppen. Bei einer Gefangennahme hätte Deutschland natürlich auch die Verpflegung für die Gefangenen zu Übernehmen. Bei einer Kaltstellung des Feindes in Holland aber werden wir dieser Verpflichtung enthoben, worüber wir uns eigentlich herzlich zu freuen haben. Weniger erfreulich wäre es. wenn es der Besatzung gelungen sein sollte, nach Ostende. Nordfrankkelch oder England zu entkommen.
Der Draht meldet zur Einnahme von Antwerpen:
\\* Großes Hauptquartier, 10. Okt. 11 Uhr vor«. (Amtlich.) Die ganze Festung Antwerpen, einschließlich sämtlicher Fort», ist in unserem Besitz.
W Große» Hauptquartier» 18. Olt., abend». Nach nur ILtäglger Belagerung siel Antwerpen mit allen Fort in unsere Hände. Am 28. Sept. siel der erste Schuß gegen die Forts der äußeren Linie; am 1. Oktober wurden die ersten Forts erstürmt; a« 0. vnd 7. Oktober wurde der starke, ausgrbaute. »eist <80 Meter breite Nethe- adschnitt non unserer Infanterie und Artillerie überwunden; a» 7. Oktober wurde eutsprecheud de» Haager Abkommen die Beschießung der Stadt ««gekündigt. Da der Kommandant er. Bitte, die Verantwortung {Br die Beschießung übernehme» z» wollen, begann n» Mitternacht vom 7. zum 8. Oktober die Beschleßnng der Stadt.'^ Glrichreitig setzte der Angriff gegen laaera Fort» ei». Scho» a» 0 . Oktober früh waren zwei Fort» der taaere» Linie ge^mmen.
Am 0 . Oktober nachmittags konnte die Stadt ohne ernsthaften Widerstand besetzt »erden. Die »ermntlich sehr starke Besatznng hatte sich ausänglich tapfer verteidigt. Da sie sich sedoch dem Ansturm unserer Iasanterie und der Marinedioi« Po, sowie der Wirkung unserer Artillerie schließlich nicht gewachsen fühlte, war sie In vollerAuslSsung geflohen. Unter drr Besatznng befand sich auch eine unlängst elngetrof- fene englische Marinebrigade. Sie sollte nach englischen Zeitungsberichten das Rückgrat der Verteidig- n, g sei».
Der Grad der Auslösung der englischen und belgischen Truppen wir» durch die Tatsache bezeichnet, daß die Ueber- gabeverhandluogen mit dem Bürgermeister geführt werden wntzte», da kein« militärische Behörde auszn« finde« war. Dia vollzogene Uebergabe wurde am 10. Oktober »,« Ehes de» Stabe» de» bisherigen Gouvernement» •m Antwerpen bestätigt. Die letzte« «och nicht übergebene« Fori» wurde« »»« unsere« Truppe» besetzt.
Die Zahl der Gefangene« läßt sich «och nicht übersehe«. Viele belgische «nb englische Soldaten entflohen «ach Holland, »o sie interniert werden. Ge»altige Vorräte aller Art wurde» erbeutet.
Die letzte belgische Festung, da» „uneinnehmbare* Antmerpe», ist bezwungen DI, Augrissstruppen »oll- brachte» eine autzerordentliche Leistung, die »o» Kaiser damit belohnt wurde, daß ihre« Führer, de« General der Ins«»- terle ». veseler, der Orden Pour le Rörite verliehe» wurde.
Die ASmpse an de» Scheidelinie.
W London» 10. Okt. In dem Brriche v.» ten drr „Daily News" in Gent über die Kämpfe an der S ch e l d e l i n i e heißt cs: „Ich habe Furchtbares erlebt. Drei lange Tage und einen großen Teil der Nächte donnerten die Geschütze von einem User zum andern an dem IS Meilen langen Kanal. Zwischen Termonde und Wetteren hatten die belgischen Truppen Anstrengungen auszuhalten. Zn tiefen Laufgräben liegend, waren sie oft stundenlang dem Schrapnell- feuer ausgesetzt. Die Ambulanzen hatten täglich viel Arbeit. Besonders groß ist die Zahl der gefallenen Offtztere. Die Nerven der Soldaten wurden bis zum äußersten onge-
r innt. Weiter südlich kam ich in die Rah« de» heftigsten rtillerleduell». Dort glückte e» dem Feind« kurz «ach Tagesgraucn, eine Pontonbrücke zu schlagen und einig« Kompagnien Infanterie herüberzubringcn. Als die belgischen Feldgeschütze Aufstellung genommen hatten, schosien ste die Brücke sofort kurz und klein. Das Eeschützfeuer war so heftig, daß die über die Brücke Gekommenen sich nur durch Flucht vor der Vernichtung retten konnten. Die Belgier setzten ihr Feuer fort, bis am Nachmittag plötzlich die deutschen Geschütze zu antworten begannen, und zwar mit so furchtbarer Treffsicherheit und Helligkeit, daß derjenige, der es miterlebte, es niemals vergessen kan». Die Genauigkeit des deutschen Feuers war erschreckend. Die Granaten verwandelten die Stellen, dir uns kurz vorher zur Del- kung dienten, in ein Chaos.
Das Bombardement.
W Kopenhagen, 10. Okt. Der Korrespondent der „Ber- finflete Titande" gibt eine Schilderung der Beschießung von Antwerpen. Sie begann pünktlich um Mitternacht mit großer Heftigkeit. Der Bombenregen schien immer dichter und dichter g« fallen und erreichte um 2 Uhr nachts feinen Höhepunkt. Es war sürchterltch: die Lust voll springender Bomben und di« Athmosphäre erschüttert von der verzweifelt heftigen Kanonade, die nur schwer zu schildern ist. Auf der Fahrt nach Holland sah ich Antwerpen in Brand stehen: ein blutig roter Schein lag über der Stadt und färbte die schwarzen Rauchwolken. Darüber explodierten Granaten, die Tod und Zer- pöning auf die letzten Verteidiger des Landes herabsandten.
IV Rotterdam. 10. Okt. Nach dem „Rotterdamschcn Cou- rant" zogen von Donnerstag bis Freitag früh durch da» belgische Köwacht unzählige Munitionswagen, Autos «nd K a v a l l c r i e in der Richtung Ostende. Belgische und englische Soldaten kamen zu Hunderten über die Grenze.
Nach dem Korrespondenten desselben Blattes begannen Freitag früh die Engländer ln westlicher Richtung abzuziehen. Die Belgier hatten die Pciroleumtanks ange- zündet und Gctrcideschifse versenkt, damit sie nicht den Deutschen in die Hände fielen. Es waren auch allerlei Vorkehrungen getroffen worden, um den Durchgang zur Schelde zu erschweren. Die Stadt war bei Abreise des Korrespondenten ziemlich verlassen. In der Dorstadt Barchen» soll ein heftiges Bajoncttgcfecht mit den Engländern ftatigefunden haben. Dos Fort Mer rem wurde von den Belgiern tn die Luft gesprengt, und di« Deutschen konnten erst nach heftigem Widerstande die Schelde überschreiten. Lebensmittel für die Flüchtlinge.
\V London. 10. Okt. Nach einer Meldung der „Times" Bus Rosendaal sandte das holländische Oberkommando 1200 Soldaten, die mit Lebensmitteln für die Flüchtlinge versehen waren, an die Grenze.
DI« letzten Stunden Antwerpens.
Bon bce holländischen Grenze. 9. Okt. Die letzten Stunden vor drr Einnahme Antwerpens schildert in anschaulicher Weise eln Berichterstatter des „Allgemeinen Handclsblad", der Antwerpen verlassen hat und seine Eindrücke nach Roosrndahl telegraphierte. Ans diesem in der ..Köln. Ztg." erschienenen Be- eicht ist zu entnehmen, daß die Antwerpener Blätter unter einer äußerst strengen Zensur standen. Die Tatsache von dem Fall des Forts Waelhem bis LIer durste sie nicht melden, als schon die Trümmer davon in deutschen Hän- den waren. Bis heute konnte man noch nicht lesen, daß der Felnd über die Nethe gegangen war. .Allein, am Ende war die Lage nicht mehr zu verbergen. Die Bevölkerung mußte aus
von Antwerpen
da» Schlimmste — die Beschießung — vorbereitet werden. Da» König»paar ist abgereist. sagt der Bericht. Da» Ministerium hat die Stadt verlassen. Der Ge- nerolstab ist verschwunden, und mlt ihm Tausende von Flüchtlingen. E» bleibe dahingestellt, ob diese Behauptungen de» Berichterstatter» zutresfen. Dafür spricht allerding», daß er ste nicht bet Flüchtlinge» aufgegrifsen hat. Der Eisenbahnverkehr nach Norden geschieht ganz unentgeltlich. Tausende und Abertausende von Menschen gehen über die Schelde und suchen von da weiterzukommen. Der Bürgerwehr wurde noch der Ansage der Beschießung befohlen, die Waffen abzu- llesern. Weiter heißt es:
Gegen 8 Uhr befand Ich mich auf dem Zuckerstieg, dem großen Platz an der Schelde, und wohnte der Ankunft von Truppen bei. dle ganz regelrecht vor sich ging. Dann kamen einige Kraftwagen mit Engländern, und abermal» gaben die guten Antwerpener ihrem bedrängten Gemüt Luft mit dem Ruf: ..hoch dle Engländer!" Und Albionr Söhne sprachen den Zuschauern Mut zu. So und soviel Mann von ihrem Heer (er mag ja wahr sein, und ich verrate lieber keine Krtegsercignisse) seien unterwegs . Einige große Kanonen kommen, und abermals brechen dle Hochrufe aus die Engländer aus. Gegen 8 Uhr beginnt aber der Kanonendonner wieder, und man kann selbst von den Plätzen an der Schelde den Widerschein der Feuersglut wahrnehmen. So nahe war die Artillerie der Deutschen noch nie gewesen. Wir hatte» nur eine Andeutung dafür, b?f; nach dem Ucberschretten der Nethe etwas Besonderes sich ereignen 'würde.
Einigermaßen beruhigt, begab ich mich früher als sonst nach melncm Quartier in der Nähe des Hauptbahnhoss. Ich schlief nur kurze Zeit. Kurz nach Mitternacht wurde ich durch heftiges Klopfen an meiner Tür geweckt. Gellend kreischte das Zimmermädchen: ..Kommen Sie doch hcronsi" und jammerte zu den Umstehenden: ..Hat doch ein Holländer einen schweren Schlaf!" Alle» war gepackt. In dem Dunkel der Straßen schleichen die F l ü ch t l l n g e wie Schatten vorbei. Dann vernehmen wir wieder einige harte Schläge und einen entsetzlichen Lärm, wie Raubvogelgeschrel. Fest klammern sich die Menschen aneinander, geduckt und gebückt. Manche krochen an den Hausern entlang, von den Gästen kehrt keiner mehr in sein Zimmer zurück, außer, um sich anzuNeiden und so bald wie möglich zu flüchten. Ich konnte jedoch immer noch nicht glan- ben, daß in diesem Augenblick Antwerpen beschossen würde und mochte mir und andern weis, das schreckliche Pfeifen komme von belgischen Granaten, die nach dem feindlichen Lager flögen. Morgens um 8 Uhr stand die Stadt an m e h r als 10 Stellen in Brand. Der Easthos wurde beschossen, allein ich kletterte auf da» Dach und sah von acht, zehn, zwölf Stellen dichte Rauchwolken ausstetgen. und dann vernahm ich wieder einen Schrei und sah eine Granate in hohem Bogen nicdergehen. Und wie di« andern lausen, lause auch ich die Häuser entlang. Alle Läden, East». Gasthäuser sind geschlossen. In voller Einsamkeit lag De Kays» Ley da. Ich eilte über die Ringstraße hinweg. Hui. Hui . . . erschreckt sehe ich mich um: Dort . . . keine 800 Meter von mir platzt eine Granate mitten auf der Ringstraße. Ich eile davon. Kaum gelange ich an dem Grünen Platz, um eine Ecke, al» wieder ein heftiger Knall hinter mir laut wird. Aus dem Meyerplatz und der Biermonatstraße, wo erst kürzlich eine Bombe au» einem Zeppelin niedergegangen war. schlagt jetzt auch eine Bombe ein. Fensterscheiben klirren, laut kreischend rennen Frauen und Kinder davon. Einige Männer sind verwundet. Ich laute weiter tn die Gegend an der Schelde. Gerade werden einige Verwundete, die durch Splitter eine» Geschosse» getroffen sind, ln da» Rathau» getragen. Ihr« Wunden sind glücklicherweise nicht tödlich. Leider trifft da» nicht für alle zu. Mehr südlich, wo alle Hauser ln Brand geschossen find, wurden zwei Männer tödlich getroffen. An verschiedenen Stellen sind mehrere Personen getötet worden. Wo und wie konnte ich nicht ermitteln: Zeit und Neigung, es nachzuprüfen, hatte ich nicht. An der Schelde wogt eln Menschenheer, ein Win- sal von Fahrzeugen, Kraftwagen, Karren, vauernkutsche»
-r— a Utk w.« «BtMM. B M Ma qum*» w.Uwt,0yTt.
Ich halte mich fest, denn eben geht wieder eine Granate nieder. Aber es geschieht glücklicherweise nichts. Langsam schieben die Krast- und Pserdewagen sich über di« militärische Schiss- brück«. Auf dem Zuckerstteg kommt eine große Reihe von Munitlonswagen für die Artillerie heran, aber auch sie kommt nicht durch und muß warten. Ich versuche nun mcinerselt», durchzukommen, schleiche wieder di« Häuser entlang, dem Süd- viertel zu nach dem Bahnhof. Krln Straßenbahnwagen geht Über dle Geleise. Und über uns schwärmen andauernd die Tod und Verderben bringende« Geschosse. Am Bahnhof alle« geschlossen. Fahrzeuge find nicht mehr aufzutreiben.
Ich versuche mein Glück tn nördlicher Richtung nach H o l l a n d zu. Unterweg» finde ich tatsächlich noch eine kleine Wirtschaft offen, wo ich zu essen und zu trinken bekomme. Mittlerwelle ist es 3 Uhr geworden. Ich laufe wieder ein Stückchen weiter. Ich befinde mich nun ganz im Norden der Stadt, da geht einige hundert Meter von mir »in Geschoß nieder. In demselben Augenblick schlägt an der getrossenen Stelle eine schwere Rauchwolke in dle Höhe. Bet Stutven» berg, dem ersten Bahnhof jenseits Antwerpen sehe ich, wie ein Trupp von Menschen auf dem Geleise läuft. Ich klettere hinauf mit der Frage, ob wohl noch ein Zug komme. Ein Eiscnbahnarbeiter gibt uns Bescheid: nach einer Stunde. Wir entschließen uns. zu warten. Zehn Minuten später winkte man uns, wir sollten nach dem Damm laufen, dort stehe ein Güterzug für Menschen bereit. Der letzte Wagen ist noch nicht roll. Wir klettern hinein. Eine Frau jammert, daß sie nicht hineinkomme mit ihrem Bettzeug und ihrem Kind. Da nimmt ihr Mann da» Bettzeug, ich führe da» Kind an der Hand .... so gelingt e» un», in den Wagen zu kommen. Bald darauf setzte sich der Zug in Bewegung.
Dir Stadt wenig rerstött.
W Amsterdam, 11. Okt. „Handelsblad" berichtet: Die Zerstörungen Antwerpen, find außerordentlich viel geringer, al« die übertriebenen Meldungen es glauben ließen. Im Zentrum und bis zur Südstation ist viel zerstört worden, aber von ernsten Schaden ist keine Rede. Die Antwerpener täten weise, zurückzukehrrn und die Geschäfte wieder zu öffnen. Die Belgier verbrannten die Petroleumläger, die ganz Belgien. Rordfrankreich und die Rheinprooinz zu versorgen hatten.
ZV Rotterdam. 1t. Okt. Der ..Neue Rotterdamsche Cou- rant" meldet au» Breda: Die Verwüstung tn Antwerpen ist, ausgenommen die Gegend bei der Südstatton, unbedeutend. Die Häuser tn der Cchönstraße stehen in Brand. Deutsche Soldaten helfen bei den Löschartaiten. Eine Bombe hat die LIebftouenkirche beschädigt. Der Königspalast und die Zentralstation sind unbeschädigt. Da» deutsch» Hauptquartier wurde unter Mitwirkung des Gemeinderats im Stadthause eingerichtet.
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W Brüssel, 10. Okt. Da» bereit» am 28. Sept. für den Fall der Beschießung von Antwerpen gemachte Anerbieten betreffend tunlichste Schonung der geschichtlichen Denkmäler der Stadt ist von der belgischen Regierung angenommen worden. Sie hat durch Vermittelung der amerikanischen Gesandschaft ln Brüssel am 8. Okt. abends, also nahe einen Tag nach Beginn der Beschießung, der deutschen Zivilverwaltung ein Verzeichnis der in Frage stehenden hauptsächlichsten Denkmäler sowie einen Stadtplan -»gehen lasten, aus dem ste b^oirders hcrvorgchoben sind. Eine größere Anzahl von Abzügen dieses Planes, auf dem auch Krankenhäuser und Wohl- tätigkestsanstalten vermerkt sind, wurde von der Zivilverwaltung umgcdend dem Befehlshaber der Belagerungslruppe« überbracht, durch den sie noch in der Nacht an die Artillerie» stände ausgegeben worden sind.
Der König der Belgier.
IV London, ll. Okt. Wie dt« Blatter au« Breda melden, berichten dort angekommene Flüchtlinge, daß sie de« König der Belgier mit einem Arm tn der Blnd« gesehen hätten. Mehrere große Dampftr sind mit Flüchtlingen von Antwerpen sowie 000 verwundeten belgischen Soldaten tn F o l k t ft o ii e angekommen.
An die Einwohner von Antwerpen.
W Brüssel, 11. Okt. General von Beseler hat ln einer Proklamatio» die Einwohner Antwerpens vor Widersetzlichkette« gewarnt. Wenn ste die« beachten, dann würde ihnen kein Leid geschehen.
Die Bestürzung ln Brüssel.
•W Brüssel, il Okt. Dt« Besetzung Antwerpen« hat unter der Einwohnerschaft Brüssels, dt« «och an die Unüber. wtnvllchkeit Antwerpen« geglaubt hatte, sichtlich« Bestürzung hervorgerufen.
Englische Auslassung rnrn fall von Antwerpen.
W London. 11. Okt. Nach cin:t Bekanntmachung der Admiralität bestanden die auf belgische« Ersuchen zur Verteidigung Antwerpen» entsandten Marinetruppen au» einer Brigade Eeesoldten. zwei Brigaden Mattosen und einigen schweren Echifssgeschützen. Nach erfolgreicher Verteidigung der Nethelinie hätte sich am Dienstag abend die Verteidigung auf die inneren Forts zurückziehen müssen. Der Feind konnte jetzt die Stadt beschießen. Die Briten hätten dank dem Schutz, der Laufgräben keine dreihundert Mann von achttausend verloren. Di, Verteidigung hätte länger fortgesetzt werden können, aber nicht so lange, bis Verstärkungen hätten heronkommen können. Da die Belgier durch die lieber- macht des Feindes beständig zurückgedrängt wurden, wurde die Räumung der Stadt beschlosten. Zwei von den drei Brigaden seien ln Oftende angekommen, während der größt, Teil der ersten Matrosenbrigade von den Deutschen abgeschnlt- ten wurde und die holländische Grenze überschreiten mußte.
, Die Panzerzüge und die schweren Marinekanonen irren lieft inrf) Ostende gebracht worden.
Die französischen Blätter.
W Pari». II. Okt. Die Blätter beklagen einstimmig den Fall An twerpen s, der der deutschen Selbstverhcrr- lichung neuen Stoff geben werde. Sie rühmen den Mut der Belgier und heben hervor, daß Antwerpen keinen militärischen wert für die Deutschen besitze. Infolge der Herrschaft der englischen Flotte über das Meer und der holländischen Neutralität wäre den Deutschen der Zutritt zum Meere ver- fchlosten. Außerdem besitze die belgische Armee noch voll.' Aktionsfrrihett.
Die Trend« in ttlien.
W Wien, 10. Okt. Die Blätter begrüßen den Fall Antwerpens als hochbcdeutcndcs militärisches und politisches Ereignis und betonen, daß die Stadt ihr Schicksal nur England zu verdanken habe. — Das „Iremdcnblatt" schreibt: ..Di« Katastrophe von Antwerpen wird in der britischen Geschichte stets ein Denkmal der Schande bleiben und rin warnendes Beispiel für die Völker, die aus England hoffe« und vertrauen. Der neue Erfolg der deutschen Massen wird auch bei uns mit freudiger Genugtuung begrüßt werden." — Die ..Neue Freie Preise" bezeichnet die Eroberung als das größteEreignis in diesem Kriege. Mit dem Fall Antwerpens habe Deutschland ein Beispiel aufgericb'.ct, damit jeder sehe, wie England und Frankreich die Freunde, die sich «hnen anvertrauen, ins Verderben locke. - - Das „Reue Wiener Journal" sogt: ..Belgien fällt als erstes Opfer Gr<y<-.. des Testamentsvollstreckers Eduard VII. von England. Biel
I leicht wird es Frankreichs und Rußlands Machihabcrn noch klar werden, daß nichts anderes sind als die Opfer der perfiden englischen Politik."
Gr gart an
Rußland «nb England wird es auf Grund der wenig erfreulichen Nachrichten aus der Türket, «>» Mazedonien. Mesopotamten, Syrien, Palästina, Nordarabton. Persien vnd Amerika recht schwül za Mute sein, den« überall gärt e» gegen sie. Die Weltherrschaft Englands beginnt sichtbar tn« Wanken zu geraten und der rustifche Einfluß nimmt bet den Balkanvölkern vnd in Persien von Tag zu Tag ab. Der gelbe Bundesgenosse England» fängt auch schon an wegen seiner Habgier den Unwillen Amerika» hervorzurnfen. Die amerikanische Flotte hat bereit» die Fahrt nach den Philippinen angetrclcn. Nur noch eine kurze Zeit »nd allem Anscheine nach wird au« dem europäischen Krieg, der Welt krieg entbrannt sein und zwar auf Kosten Englands und Rußlands.
Wir geben nachstehend dl, Nachrichten wieder, die den Wellttieg vorau»lehen lasten.
Zur Lage ln Mazedonien.
Vf Sofi«. 10. Okt. (Lgence Bulgare.) Der bulgarisch« Gesandt, tn Rtsch hat letzthin beim serbischen Ministerpräsidenten Schritte unternommen wegen der durch unleugbar« Tatsachen erwiesenen unhaltbaren Zustände, unter ta* neu die vulgaren tn Mazedonien seufzten. Der serbische Ministerpräsident fand weder den Ton noch genügend überzeugende Gründe, um die Vorstellungen de» bulgarischen Gesandten zu entkräften oder ihm Genugtuung zu geben.
W Sosia. 10. Okt. Nach der „Agence Bulgare" lauten di« Meldungen au» Serbien und Griechenland immer beunruhigender. Dt, dortige dnlgarische Broök. kernng hat schwer unter den Verfolgungen der gri«. chtschen und tat serbischen Regierung «■ leiben. Auch den Muselman,» ergeht «» nicht bester. Die griechischen und d!« serbischen Behörden, dt, eine Revolte befürchten. verbreiten im Lande Schrecken, indem sie rücksichtslos zu willkürlichen
MT »re»«. Dt» DS»s«e mttecn een Sttllt&e«
aitetlunge» heimgesucht, dt« st, plündern, Gewiss, SttGt» sind »«« Truppen «mzlngcri. Pt* dort Razzia» abhal» ten. Da» ganz, Land ist vollständig anvgeplilndert.
Die Giirktl und Rußland.
W London, lt Oft »Batlq Telegraph" meldet aus Pe- terodnrg, daß da» Berhälttrlo -mische» tat Türkei «nd Rußland ein»» l»he or»fto«Chae»tt»e angenommen habe.
Vf Bartes ll. Okt. Dt« Zeitungen melden au« Athen, dotzdielürkent« Syrimr, Palästina «n» Rordaratte« eine lebhaft« Tätigkeit oatfalto«. Sie «Uta« d»rt Truppen zusammen und befestigen wichtige Punkte und dle tn da« Inner« führenden Straßen.
Ein« „Fisch, Flett« «ns »er Fahrt nach Lüde«.
W Bukarest, 11. Ott. Einer Blättermeldung zufolge ist gestern vormittag eine russische Flotte au« acht großen und zehn kleinen Einheit,« auf der Fahrt nach Süden bet Konstantza gesichtet worden. Die Rumänische Seeschiffahrt»- gesellschaft hat ihren Dienst Konstantza-Konstanttnopel eingestellt.
allen Gekrn.
Ans Mesopotamien.
\V Fronlsurt a. M.. 10. Okt. Die „ftranff. Zig." meldet •«• Konftantiuopel: Rach zuverlässigen Berichten au» Bagdad Hobe» die in Bagdad und Bosiorah lebenden Engländer fast sämtlich Mesopotamien verlassen. Der Goldbestand der Easternbank ist in Sicherheit gebracht worden. Die Araber snmpathisieren mit Deutschland.
Die Stimmung bei drn Arabern.
IV Amsterdam, 10. Okt. Der „Ritinve Rotterdamsche Courant" erhielt die Uebrrsetzung eines arabischen Verse« in einer arabischen Zeitung zugesandt. Das Vla't schreibt dazu: Bemerkenswert ist. daß in dem Vers der Haß gegen Frankreich und der Jubel über die Siege der Deutschen, die „uns wohlgeneigt und d" Brüder des Sultans" genannt werden, scharf herooriv'''
Rußland und Persien.
w Pari«, 10. Okt. Die „Agence Harms" meldet aus Petersburg: Blättermeldungen zufolge hat Rußland die Forderung Persiens abgelehnt, die russischen Truppen zurückzuziehen, und hat nochmals erklärt, daß es nicht bc- absichtige, sich irgendwelches persisches Territorium aiizueigiicn.
Zue Stimmung in Persien.
W Wien, 11. Ott. Der persische Gesandt« äußerte sich zu einem Dettreter der „Reichrpost" folgendermaßen über die Lage: Roch dem Ableben des früheren Schahs war Persien von inneren Wirre» heimgcsucht. woraus die russische Politik Nutzen zog. Gegenwärtig herrschen in Persien vollkommen geordnete Verhältnisse, und die Regierung unserer freien Monarchie wandte sich an das russische Ministerium mit eincrRoie, um vor allem die Zurückziehung der russischen Truppen aus Nordpersien zu erzielen und gewisie finanzielle Vorrechte rückgängig jpi machen. Dt» Cfnlmart '
nicht 6<frWbtfltnb, womit aber noch nicht der Kriegszustand mit Rußland eingetretcn ist. Nach den vorliegenden Nachrichten haben an verschiedenen Stellen Kämpfe mit nstsi'chcn Truppen stattgcfuuden: es handelt sich aber hier nur crrsiere Zwischenfälle lokaler Natur, die aus die r u s s e n f c i n b I i cf) t Stimmung in der Bevölkerung zuriickzusühren sind.
Nene Dämpfe zwischen Kurden und Russen.
Ni Ro»sta»ti»«pel, 10. Oft. Die türlischc» Blätter melden an« Wan einen neuen Kampf zwischen Kurden nun Russen bei Targewar.
Nach tam ..Taswir i Efliar" Hot der persische Kurdenchef Pak Pmiro an der Spitze von Freiwilligen russische Okknpatlonstruppen im Urmiagcbict vertrieben. Er kam bis auf zwei Stunden an d'e Stad! Urmia Heran. Zwei Ofiizicre und zahlreiche ru'si'che Soldaten wurde» getötet. Der berüchtigte Kurdcnsübrcr Seid Taah hat sich dem türkischen Kommandaulen I» Trinis uitcr« worseir.
Jlmetrißa und
w Stockholm, 10. Oktober. Den Blätter» wird aus Ncw-?)ork gemeldet: Fast die ganze Flotte der Bereinigten Staaten im Süllen Ozean ist nach den Philippinen abgegangcn. Seit der Besetzung der Marschallinseln durch die Japaner hat ei» sehr lebhafter Depeschenwechsel zwischen den Regierungen in Washington, London und Tokio stattgefunden.
kttoige der Oesterreicber über die Russe».
rv Men» 11. Okt. (Amtlich). Gestern versuchte der Feind noch einen Sturm auf die Südfront von Przemysl, der zurückgewiescu wurde. Dann wurden die Rückwärtsbewegirngen der Russen allgeinei». Sie mußten die Westfront räumen. Unsere Kavallerie ist dort bereits eingetroffen. Fünf bis sechs russische Infanteriedivisionen stellten sich bei Lancut, mußten aber gegen den Sanfluß flüchte». Ferner wurde eine Kosakendivision und eine Jnsanteriebrigade östlich Dynow zurück geworfen. Unsere Truppen sind dem Gegner überall an den Fersen.
w Men, 12. Oktober. (Amtlich). Unser rasches Vorgehen befreite przemysl vor der feindlichen Umllammcrung; unsere Truppen rückten in Przemysl ein. Wo sich die Russen stellten, wurden sie geschlagen und bei der Flucht gegen die Flußübergänge Sieniawa und Lezajsk mallen-
batt gefangen.
vo, öjterrelchksthe« Krier«fcha,pl>tz. z rvckwies. Dann wurde die rückgängige Bewegung der Rusie«
W Wien, lt Ott. (Ausführliche Fassung.) Amtlich wird I allgemein. Die Westfront mußten ste vollständig räumen, verlautbart: 10. Okt. mittag«. Gestern versuchte der Feind I Unsere Kavallerie ist dort bereit« eingeritten. Der durch dio. noch einen Sturm auf dl« Südftont von Przemysl, den die I Schnelligkeit der Operationen ln Rusiisch-Polcn und Galizien Besatzung wird» unter schweren Verlusten de« Angreifer» pl« 1 verwirrte Gegner versuchte zwar, seine Angriffe auf di»
