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Die Talsperve.

Nr. 17'

ergab — und beschlossen wurde, durch einen Sachverständigen, Herr Ingenieur Salbach . in Dresden, einige Täler in der näheren Umgebung Remscheids auf ihre Wasserergiebigkeit (es war eine Leistungsfähigkeit von lOOü Kubikmeter in 24 Stunden zu Grunde gelegt) und sonstige Beschaffenheit zu untersuchen. Die Besichtigungen wurden am 14. August 1875 vorgenommen und ergaben nachstehende Resultate:

1) Die Anfänge des Lobaches, sog. Lohborn, in östlicher Richtung von dem Bahnhofe. Wegen zur geringer Wasser­ergiebigkeit und etwaiger Verunreinigung der Wasserge- winnungsanlage nicht geeignet befunden.

2) Das Bruchtal oder die Anfänge des Mühlenteiches. Aus denselben Gründen wie unter 1) und den noch hinzu­kommenden erheblichen Fördernugs- und Anlagekosten ver­worfen.

3) Das Haddenbachtal.

Wassergewinnnng wurde als ausreichend anerkannt; jedoch wegen der tiefen Lage nicht empfehlenswert zur Ausführung.

4) Das Diepmannsbachtal unterhalb Lennep, eignet sich wegen seines Wassereeichtums und der günstigen Lage zur Stadt sehr gut; es sind jedoch Schürfungen und Bohrungen vorzunehmen, um die Wasserergiebigkeit feststellen zu können.

Dabei blieb es; im Frühjahr 1876 löste sich die Ver­einigung, die in der ersten Versammlring aus 33 Mitgliedern bestand und am Schluß bis auf 2 Personen zusammenge- fchmolzen war, wieder auf, ohne weitere Ergebnisse erzielt zu haben.

Erst im Jahre 1881 wurde durch Herrn Geheimrat Robert Böker. die Wasserfrage mit Energie und Ausdauer wieder anfgegrisfen; ein Projekt für eine geregelte Wasser­versorgung durch Herrn Ingenieur Disselhoff-Jserlohn ange­fertigt und die sämtlichen Arbeiten in solcher Weise gefördert, daß am 1. März 1884 der Betrieb, welcher sich zunächst auf den-,Inneren Stadtteil nebst Feld-Hasten und Bliedinghansen erstreckte, eröffnet werden konnte.

Welch' große Schwierigkeiten sich dem Bau der Wasser­leitung entgegenftellteu, wird nur noch die ältere Generation Remscheids wissen. Man befürchtete insbesondere, daß keine ausreichende Wassermengen in dem vorgesehenen Terrain im Eschbachtal während der trockenen Jahreszeit erschlossen würden, bemängelte, daß nur ein Teil der Bevölkerung mir Wasser versorgt werden sollte, ferner glaubte man, daß die Rentabiliüt des Wasserwerksbetriebs eine höchst ungünstige sei, endlich wurde sogar — allerdings vereinzelt — die Notwendigkeit einer Wasserversorgung für Remscheid überhaupt in Abrede gestellt. — Am 9. April 1881 beschloß das Stadtverordnetenkollegium aus den Ueberschüss-m der Gasanstalt 12000 Mark und den aus Privatmitteln gesammelten Fonds von 1470 Mark zu den Vorarbeiten im Eschbachtale, welches als das Bestgelegendste und Bestgeeignetste anerkant wurde, insbesondere zur Ermittelung der erforderlichen Grundwassermengen zu verwenden. Da aber diese Betrage für die Versuchsarbeiten nicht ausreichten, beschloß die Stadtverordnetenversammlung bei Stimmengleich­heit, durch die ausschlaggebende Stimme des Herrn Oberbürger­meisters von Bohlen, aus den Ueberschüssen der Gasanstalt 31 000 Mark zur engültigen Feststellung der Grundwasser­mengen im Eschbachtal zu verwenden.

Inzwischen nahmen die Arbeiten im Eschbachtal einen zufriedenstellenden Fortgang; ein Projekt für die gesamte Wassergewinnung und Wasserversorgung der Stadt Remscheid wurde fertiggestellt, alle anderen Vorbereitungen : Grunderwerb usw. erledigt und der Stadtverordnetenversammlung zur Geneh- migrmg vorgelegt.

Am 4. Juli 1882 wurde die Anlage einer Wasserleitung für Remscheid aus dem Eschbachtal nach den vorliegenden Plänen und Kostenunschlägen durch die Stadtverordneten be­schlossen und zu diestm Zweck der Betrag von öOOOOO Mark bewilligt. ' '. .

Für den Antrag stimmten die Herren: Joh. Peter

Arns, Joh. Wilh. Arntz, Herm. Boker, Robert Böker, Franz- Brockhaus, Fritz Cleff, Carl Friederichs, Bernhard Hasenclever, Carl Hessenbruch, Wilh. Hürxthal, Carl Kipper, Ernst Koch, Fritz Korff, Reih. Mannesmann, Heinrich Paß, Eberhard Riecke, Fritz Ulmannn, Ludwig von Bohlen. 11 Stadtver- . ordnete stimmten gegen den Antrag.

Der Stadtratsbeschluß wurde an demselben Abend- durch, ein Extrablatt der Remscheider Zeitung den Bürgern kund­gegeben, ein Beweis für das allgemeine Interesse, welches man dieser Angelegenheit zugewandt hatte. Das Extrablatt schloß mit folgenden Worten: „Mit diesem Beschlüsse unserer Stadtverordneten wäre denn eine Wasserleitung für unsere Stadt gesichert. Es war eine mühevolle Arbeit auf dornen? vollem Felde, welche die Mitglieder der Wasserleitungs-Kom­mission und namentlich Herr Robert Böker übernommen und deren größte Schwierigkeiten heute glücklich von ihnen über­wunden sind. Dafür gebührt den Herren der Dank bei* Bürgerschaft. Reben diesem Danke aber wird sie das Be-' wußtsein lohnen, an ein Werk die tatkräftige Hand gelegt zu haben, welches der Stadt Remscheid zu immerwährenden! Segen gereichen wird." —

Es muß hervorgehoben werden, daß die „Remscheider Zeitung" von Anfang an die Anlage einer Wasserleitung stets und fortgesetzt lebhaft befürwortet hat und energisch für die Errichtung eingetreten ist, trotzdem in einein großen Teile der Bürgerschaft mit aller Macht dagegen gearbeitet und die Mitwirkung der „Remscheiver Zeitung" vielfach angefeindet., wurde.

I. Banperiode.

Die im Eschbachtal und in der Stadt in den Jahren- 1881—1884 errichteten Anlagen bestehen aus 12 Brunnen,, verbunden durch Stollenanlagen anit Schtitzrohren, die das., über den geschlossenen unterirdischen Fel'sbünken in der Talsohle sich befindende Wasser nach dem gemeinschaftlichen Pumpbrunnen, in einer Höhe von 206 Meter über R. N. liegend, zuführen.

Aus dem Pumpbrunnen wird das Wasser durch eine- Maschinen- und Kcsselaulage, bestehend aus 2 Dampfmaschinen und 2 Druckpumpen, 2 Dampfkesseln von je '55 Quadrat­meter Heizfläche .auf dem kürzesten Wege nach der Stadt durch eine Rohrleitung von 250 Millimeter Durchmesser und 3700 Meter Länge in dem auf den höchsten Punkte der Stadt (366 ■ Meter über R. R.) errichteten Wassertum von 400 Kubik­meter Inhalt gedrückt; letzterer ist erst im Jahre 1908 auf 1500 Kubikmeter Inhalt vergrößert worden.

In das weitverzweigte Rohrnetz von 65 Kilometer Länge sind Rebeubehälter eingeschaltet, welche zur Druckentlastung der tiefgelegenen Stadtteile dienen. Die Abgabe des Wassers, erkolgt nur durch Wasscrmesser.

Dem Wasserleitungsprojekt war. ein Wasserverbrauch pro-. Kops oder Tag von 40 Liter festgesetzt, oder für eine Ein­wohnerzahl von 21000 Seelen eines tägliches Wasserqnantnm von 1000 Kubikmeter; die Leistungsfähigkeit der Anlage nach': 25 Jahren wurde, ans 2000 Kubikmeter in 24 Stunden fest­gesetzt. - __ _

Der Betrieb in den ersten Jahren verlies durchaus zu­friedenstellend bis zum Sommer des Jahres 1887, der durch, seine lange und anhaltende Trockenheit und den ganz erheblich gestiegenen Wasserkonsnm Befürchtungen wegen Wassermangel hervorries; es kam jedoch nicht dazu, da inzwischen wieder anhaltende Niederschläge ausreichende Wassermengen den. Brunnen- und Siollenanlagen im Eschbachtal zuführten.

Dieser Vorfall gab jedoch der Berwalmng des Wasser­werkes Veranlassung, eine Erweiterung der Wassergewinnung, vorzunehmen.

Die beim Ban und Betrieb der Wassergewinnungsan- \ lagen im Eschbachtal gemachten Erfahrungen widersprachen, jedoch einer Erweiterung in der bisherigen Art und Weise, weil die unterirdische Bodenformation nicht geeignet erschien,"