Der -rutsche Volksbote.
Offenbach 2. Januar
183 3 .
Nr. 1.
Der deutsche Volksbote wird vom 1 . Januar 1833 an in dem Verlage der Unterzeichneten Buchhandlung vorerst zweimal wöchentlich erscheinen und einen halben Bogen stark seyn, der unter Umständen noch eine Beilage erhält.
In gedrängter Darstellung und gemeinfaßlicher Sprache soll der deutsche Volksbote die wichtigsten Thatfachen und Erscheinungen -es öffentlichen Lebens mittheilen, und angemessene Betrachtungen daran knüpfen.
Der vorauszuzahlende Preis für sechs Monate ist 1 fl. in Offenbach, für Auswärtige findet ein mäßiger Postaufschlag statt. Bestellungen darauf nehmen alle löblichen Postämter und Buchhandlungen an.
Plangemäße Beiträge sind mit der Adresse: An die Redaction des deutschen Volksboten an die Unterzeichnete Verlagsbuchhandlung zur Weiterbesorgung einzusenden, und werden nack vorheriger Verabredung anständig honorirt. Den Einsendern ist völlige Verschwiegenheit ihres Namens zugesichert, vorausgesetzt, daß sie für die Wahrheit tatsächlicher Behauptungen nöthigen Falls den-Beweis liefern. Anonyme Mittheilungen, sowie Mittheilungen ohne glaubhafte und leserliche Namcnsunterschrift, können nicht berücksichtigt werden. — Alle Einsendungen, die unverlangt geschehen, müssen portofrei gemacht werden. Für Bekanntmachungen jeder Art steht dieses Blatt offen; die Einrückungsgebühren betragen 4 kr. für die Zeile oder deren Raum.
- Brede'sche Buchhandlung in Gffenbach am Main.
Der deutsche Volksbote an seine Leser.
Der Volksbote kann nicht leugnen, daß es ihm etwas eigen ums Herz war, als er seinen Bündel schnürte und sich anfchickte zur Wanderung durch die weite deutsche Welt.
Manche Neujahrsgedanken stiegen in ihm auf — und die Neujahrsgedanken sind nicht immer die freudigsten. Er sah die Schaarcn flüchtiger Polen noch einmal an sich vor- überziehen; er dachte der Fahnen, die in Begleitung vaterländischer Gesänge ihn umflattert hatten; er rief sich das Schicksal so vieler seiner Brüder ins Gedächtniß, die durchs deutsche Land gewandert waren und schnell, plötzlich aufgehalten wurden in ihrer Wanderung; er sah so viele aufs Neue zertrümmerte Hoffnungen und Entwürfe.
Demungeachtet wauderte er rasch und freudig hinaus. Za, auch freudig! Denn er fühlt sich wohl und warm unter seinen Landsleuten, unterhält sich gerne mit ihnen und läßt sich gerne Manches von ihnen wieder sagen.
Aber worüber will er sich mit ihnen unterhalten? Wird er nicht gehemmt seyn an Dem und Jenem, was er gern sagen möchte, und was er doch nicht sagen darf? Wird er dadurch nicht undeutlich werden, oder langweilig , oder verdrießlich?
Vielleicht alles dieses nicht, ihr Freunde! Ihr müßt nur ein wenig billig und verständig ihm entgegen kommen.
Also von was will er euch erzählen?
Der deutsche Volksbote will euch erzählen:
Erstens: von dem Wichtigsten, was in der Welt geschieht, und nicht allein in Deutschland; denn wie Boten und Boteugelegenheiten durch alle Länder und auf allen Straßen wandern, so stehen auch alle Länder und die Ereignisse in ihnen unter sich in der genauesten Verbindung. Alle wissen um einander, oder sollten es doch
thun. Alle sollten sich einander zur Nacheiferung oder zur Abschreckung und jeden Falls als Lehre dienen. Deß- wegen wird auch jenen Erzählungen vom Geschehenen manche Bemerkung und Nutzanwendung darüber vom Volksboten eingeflochten werden, und es steht jedem Leser frei, ob er sie billigt, oder sonst Etwas von der Sache hält.
Zweitens will der Volksbote sich mit Dem beschäftigen und auch einen fortlaufenden Ueberblick davon geben, was iu den Ständekammern, sowohl Deutschlands als des übrigen Europa's, geschieht. Denn in den Ständekammern übt das Volk durch feilte gewählten Stellvertreter sehr wichtige Rechte, und es ist gut, wenn das Volk weiß, was seine Vertreter oder die Vertreter anderer Völker für die Bedürfnisse oder Interessen des Volks oder gegen sie daselbst thun. Natürlich werden aber hier die deutschen Stände am meisten berücksichtigt, wie denn überhaupt dem Volksbotcn und seinem geneigten Leser das deutsche Vaterland am Meisten am Herzen liegt.
Drittens will der Volksbote Das bringen, was ihm gute Freunde im Lande schreiben, von Dem und Jenem, was da oder dort geschehen; nota bene wenn es nicht bloße Stadt- und Dorf- und Klatschgeschichten sind, sondern Ereignisse und Begebenheiten, die Viele oder gar Alle interessiren. Auch hat der Volksbote gar keine Freunde, die ihm Sachen der erstbezeichneten Art schrieben und zuschickten.
Viertens ist, wie der Leser weiß, schon Vieles vor uns und selbst lange vor dem Leben unsers Vaters und Großvaters geschehen, was der Wiedererzählung und Wiedererwägung werth ist. Das soll dann ebenfalls nicht- fehlen und dabei sollen recht passende und lustige
