der Wunsch und Wille des Volks ohnmächtiger seyn, als eine Krankheit, die etliche Monate dauert, und ebenfalls, einen Stellvertreter nöthig macht, und soll mittelbar der Staatsregierung ein Mit-Wahlrecht bei der Wahl der Volksvertreter eingeräumt werden, der Volksvertre­ter, die möglicher Weise kräftig jener Staatsregierung entgegen treten? Gewiß nicht! Dabei beweist die Wirklichkeit auch die Möglichkeit. Denn in Baden z. B. hat die Staatsregierung keinen Urlaub zu verweigern. Die Badischen Abgeordneten, welche Staats­diener sind, gehen, bei vorhandenen übrigen Erforder­nissen, auf den Landtag, weil das Volk sie gewählt hat, und bedürfen dazu nicht besondere C oncessi on.

Zur Erinnerung an Das, was sich vom Jahre 1830 an bis heute begeben hat.

Frankreich.

(Fortsetzung.)

Es waren von Anfang an gar Manche in Frankreich, welche den Kopf darüber schüttelten, daß man einen neuen König an die Stelle des alten gesetzt hatte. Sie hätten lieber eine Republik gehabt und dachten:Nun werden wir dennoch nicht um Vieles gebessert seyn, und man wird nur den alten Unrath vom Läppchen in das Tüchel­chen gewickelt haben." Indessen ließen sie sich beschwich­tigen, besonders durch den alten Lafayette, einen Mann, welcher im Krieg und im Frieden, in Amerika und in Europa, als ein muthiger und unerschütterlicher Freund der Freiheit sich gezeigt hatte. Hätte Lafayette im Juli des Jahrs i830Nein" gesagt, so möchte Louis Philipp den Thron von Frankreich schwerlich bestiegen haben. Allein er hielt dafür, wenn man o:M weiteres eine Republik aus Frankreich mache, daß es dann abermals so bunt durcheinander gehen könne, als zu den Zeiten der ersten Revolution; und so stimmte er gleichfalls dafür, daß der ehemalige Herzog von Orle­ans zum Könige gekrönt werde. Auch soll Lafayette damals geäußert haben:Unser Louis Philipp wird die beste aller Republiken seyn." Ob er dieß gesagt, oder nicht gesagt, wissen wir nicht; allein so viel ist richtig, daß er dessen jetzt nicht mehr Wort ha­ben will. ,

Uebrigcns ging es in den ersten Zeiten nach der Juli­revolution nicht so gar schlimm her unter dem neuen Kö­nigthum, sondern vielmehr nach dem alten Sprichwörter Neue Besen kehren gut." Der König nannte sich Bürgerkönig, und ließ es an Versprechungen und Verheißungen für das Glück und die Wohlfahrt Frank­

reichs nicht fehlen. Er ließ damals von seinem Throne herab die schönen Worte hören:Die Charte (d. h. die Verfassung) wird von nun an eine Wahrheit seyn;" und wenn den Franzosen irgend eine schöne Redensart vorgesagt wird, so pflegen sie Beifall zu klatschen und auf eine Zeitlang zufrieden zu seyn. Auch läßt sich nicht leugnen, daß Manches geschah, was heilsam gewesen ist, was aber freilich uicht verweigert werden könnte, wenn man nicht von Anfang an dem Volke vor den Kopf stoßen wollte.

Dahin gehört unter Anderem, daß dem Volke die geraubte Pre ßfreih eit wieder gegeben wurde. So­dann wurde bestimmt, wenn Jemand etwas geschrieben, was der Regierung mißfällig sei, oder wenn Jemand sonst in Untersuchung gezogen werde, weil man ihn beschul­dige, sich gegen die Regierung vergangen zu haben daß er daun nicht von denjenigen Richtern gerichtet wer­den solle, welche die Regierung ernannt hatte, sondern vielmehr von Geschworenengerichten, d. h. von solchen Richtern, welche vom Volke selbst und aus der Mitte des Volkes gewählt worden waren, um hinsicht­lich des Vorhandenseyns der Schuld ihr Ja oder Nein auszusprechen. Solche Geschworenengerichte haben ihre große Wichtigkeit. Ist doch selten Jemand ein gerechter Richter, sobald cs seine eigene Sache gilt! Wenn aber die Regierung die Richter ernennt, so pflegen diese die Sache der Regierung, welche sie angestellt hat und von welcher sie ihre Besoldung beziehen, als ihre eigene Sache zu betrachten; und cs geschieht dann oft genug, daß diejenigen zu Strafe verurtheilt werden, welche der Regierung mißfällig sind, selbst wenn sie sonst das gute Recht auf ihrer Seite haben. Dann aber ist es um Freiheit und um Gerechtigkeit geschehen, und der Willkür der Machthaber sind Thor und Thüre geöffnet. Darum halten die Engländer und die Franzosen große Stücke auf ihre Geschworenengerichte, oder Jury's. In Deutschland, wo wir in den alten Zeiten der deutschen Freiheit gleichfalls solche Geschworenengerichte hatten, gibt cs deren jetzt keine mehr; außer bei den Bewoh­nern der linken Rheinseite, welche sie noch von den Fran­zosenzeiten her besitzen.

(Fortsetzung folgt.)

Tagesneuigkeiten.

Frankreich. Der erste Aufzug der französisch-hol- ländlschen Kriegskomödie ist vorüber, und da schickt man sich dann an, m die Hände zu klatschen undBravo!" zu rufen. Se. Maj., der König der Franzosen, will seine Soldaten besuchen, um ihnen Allerhöchst selbst eini­ges Lob zu spenden und um ihnen einige Ordcnskreuze umzuhängen, wegen des Elends, das sie vor der Cita- delle von Antwerpen ausstehen mußten. Sie sollen Kreuz und Elend beisammen haben. Nach neueren Berichten haben die Franzosen bei Antwerpen gegen 800 Todte, über 1000 Verwundete und über Ü000 Kranke und Vermißte ge­habt. Macht im Ganzen gegen 6000 Mann, und ist genug für den Spaß. - Hr.v.Chateaubriand sagt in einer Flugschrift, die er zür Verthcidigung der Herzogin v. Berry