Der deutsche Volksbote.

Offenbach 15. Januar

183 3.

Nr. 4.

Der deutsche Volksbote wird vom 1. Januar 1833 an in dem Verlage der Unterzeichneten Buchhandlung vorerst zweimal wöchentlich erscheinen und einen halben Bogen stark seyn, der unter Umständen noch eine Beilage erhält.

In gedrängter Darstellung und gemeinfaßlicher Sprache soll der deutsche Volksbote die wichtigsten Lhatsachen und Erscheinungen des öffentlichen Lebens mittheilen, und angemeffene Betrachtungen daran knüpfen.

Der vorauszuzahlende Preis für sechs Monate ist l fl. in Offenbach, für Auswärtige findet ein mäßiger Postaufschlag statt. Be­stellungen darauf nehmen alle löblichen Postämter und Buchhandlungen an.

Plangemäße Beiträge sind mit der Adresse: An die Aedaction des deutschen Volksboten an die Unterzeichnete Verlagsbuchhandlung zur Weiterbesorgung einzusenden, und werden nach vorheriger Verabredung anständig honorirt. Den Einsendern ist völlige Verschwie­genheit ihres Namens zugesichert, vorausgesetzt, daß sie für die Wahrheit tatsächlicher Behauptungen nöthigen Falls den Beweis liefern. Anonyme Mittheilungen, sowie Mittheilungen ohne glaubhafte und leserliche Namensunterschrist, können nicht berücksichtigt werden. Alle Einsendungen, die unverlangt geschehen, muffen portofrei gemacht werden. Für Bekanntmachungen jeder Art steht dieses Blatt offen; die Einrückungsgebühren betragen 4 kr. »für die Zeile oder deren Raum.

Brede'sche Buchhandlung in Offenbach am Main.

Zur Erinnerung an Das, was sich vom Jahre 1830 an bis heute begeben hat.

Frankreich.

(Fortsetzung.)

Mit dem Benehmen ihrer neuen Regierung gegen die anderen Regierungen und gegen die Völker in Europa, waren viele Franzosen nicht besser zufrieden. Kaum hat­ten die Franzosen ihre Revolution im Juli des Jahrs 1830 fertig gemacht, so meinten ihre Nachbarn die Bel­gier Sie könnten es eben so machen. Sie empörten sich also gegen ihren König und rissen sich von Holland loS. Im Anfänge hatten sie Luft, sich mit den Franzo­sen zu vereinigen. Aber der König von Frankreich wollte von Belgien nichts wissen. Das haben die Einen als eine große Mäßigung gepriesen; aber die Anderen haben es ihm als Furcht vor den übrigen Regierungen Euro­pas ausgelegt, welche von einer Vereinigung Belgiens mit Frankreich nichts hören mochten. Später bezeigten die Belgier einige Neigung, eine Republik zu machen und sich ohne König zu behelfen. Aber da mochte Louis Philipp denken:Wenn die Belgier sich einfallen las­sen, keinen König zu haben, so können wohl auch die Franzosen auf denselben Einfall kommen und dann ist es um mein eigenes Königthum geschehen." Darum sagten LouisPhilipp und die anderen Fürsten in Europa zu den Belgiern:Nichts von Republik! Aber zum Könige könnt Ihr euch wählen, wen Ihr wollt." Nun wählten die Belgier Diesen und Jenen; aber bald war Dieser und bald war Jener nicht recht. So ist es denn den Belgiern ergangen, wie einstmalen dem Schildknappen des berühmten Ritters Don Quirote, den sie Scher­

zeshalber zum Statthalter gemacht und an eine reichlich versehene Tafel gesetzt hatten. Aber als er zulangen wollte, deutete der Leibarzt auf die Schüssel und ließ sie wieder abtragen, weil die Speise nicht zuträglich sey für die Gesundheit des Herrn Statthalters; und also mußte der arme Statthalter hungrig wieder vom Tische auf­stehen, Endlich ließ man es jedoch geschehen, daß die Belgier den Prinzen Leopold von Sachsen-Ko- burg zu ihrem Könige ernannten, welchem später Louis Philipp eine seiner Töchter zur Frau gab. Allein der König von Holland wollte den neuen König von Belgien und die Gränzen seines neuen Königreichs nicht anerken­nen. Daher sah sich der Schwiegervater dieses Letzteren veranlaßt, mit Heeresmacht zweimal gegen die Hollän­der auszuziehen. Was dabei am Ende herauskommt, weiß man noch nicht; wohl aber weiß man, daß den Franzosen das Kriegsspiel, das sie in Belgien gespielt haben, Geld und Menschen gekostet hat.

Nicht viel anders ging es mit Italien. Auch im mittleren Italien hat e sich ein Thcil der Bewohner gegen den Papst und gegen den Herzog von Modena em­pört. Da rüsteten sich die Oestreicher, um daselbst die alte Ordnung, wie sie es nennen, wieder herzustellen. Und nun erklärten die französischen Minister in der Kam­mer der Abgeordneten, sie würden es nicht zugeben, daß die Oestreicher in das Gebiet des Papstes einrückten. Die Oestreicher kümmerten sich nichts darum und rückten dennoch ein. Jetzt glaubte alle Welt an Krieg. Aber die französischen Minister versicherten, sie hätten in Wahr­heit das Einrücken der Oestreicher nicht zugegeben, sondern sie hätten es nur geduldet; und zwischen nicht Zugeben und nicht Dulden sei doch ein Un-