Der deutsche Vslksbote.

Offenbach 22. Januar

183 3 .

Nr. 6.

Der deutsche Volksbote wird vom 1. Januar 1833 an in dem VerlaKe der Unterzeichneten Buchhandlung vorerst zweimal wöchentlich erscheinen und einen halben Bogen stark scyn, der unter Umstanden noch eine Beilage erhält.

In gedrängter Darstellung und gemeinfaßlicher Sprache soll der deutsche Volksbote die wichtigsten Lhatsachen und Erscheinungen des öffentlichen Lebens mittheilen, und angemeffene Betrachtungen daran knüpfen.

Der vorauszuzahlende Preis für sechs Monate ist 1 fl. in Offenbach, für Auswärtige findet ein mäßiger Postaufschlag statt. Be­stellungen darauf nehmen alle löblichen Postämter und Buchhandlungen an.

Plangemäße Beiträge sind mit der Adresse: An dieRe'oaction des deutschen volksboten an die Unterzeichnete Verlagsbuchhandlung zur Weiterbesorgung einzusenden, und werden nach vorheriger Verabredung anständig honorirt. Den Einsendern ist völlige Verschwie­genheit ihres Namens zugcsichert, vorausgesetzt, daß sie für die Wahrheit thatsächlicher Behauptungen nöthigen Falls den Beweis liefern. Anonyme Mittheilungcn, sowie Mittheilungen ohne glaubhafte und leserliche Namensunterschrist, können nicht berücksichtigt werden. Alle Einsendungen, die unverlangt geschehen, müssen portofrei gemacht werden. Für Bekanntmachungen jeder Art steht dieses Blatt offen; die Einrückungsgebühren betragen 4 kr. für die Zeile oder deren Raum.

Brede'sche Buchhandlung in Gffenbach am Main.

Zur Erinnerung an Das, was sich vom Jahre 1830 an bis heute begeben hat.

Frankreich.

(Fortsetzung.)

Noch härtere Vorwürfe, als wegen ihres Benehmens gegen Belgien und gegen Italien, mußten sich die franzö­sischen Minister gefallen lassen, weil sie die tapfer» Polen in ihrem Kampfe gegen Rußland nicht besser unterstützt, sondern vielmehr gegen die Russen wie früher gegen die Oestreicher nur eine Faust im Sacke gemacht hat­ten. Von dem Allen aber, was im Innern und was gegen Außen geschah, oder nicht geschah, war die natürliche Folge, daß viele Taufend Franzosen an ihrer neuen Re­gierung kein großes Gefallen hatten. Auch gab es Unru­hen an verschiedenen Orten. Bald empörten sich die An­hänger des vertriebenen Königs, bald die Republikaner, bald Haufen von Arbeitsleuten, welche kein Brod hatten; und immer machte die Herstellung der Ruhe nur Kosten und mancher Bürger verlor dabei sein Leben. Auch fing man an, auf den neuen König Spottlieder zu singen, Zerrbilder zu malen rc. Und, als sich im November des vorigen Jahres die Abgeordneten von Neuem in Paris versammelten, wurde gar aus der Mitte eines Volkshau­fens auf den König geschossen. Alsbald hieß es aber da und dort: dieser Mordversuch sey eine bloße Komödie gewesen und die Polizei habe es veranstaltet, daß auf den König blind gefeiert worden sey, damit das Volk glaube, der Himmel habe seinen Louis Philipp in besondern Schutz genommen und damit die Kammern gut stimmten. Diese Behauptungen fanden um so mehr Glau­ben. als man des Thätcrs bisher nicht habhaft werden konnte, und daher mochte es denn auch gekommen seyn,

daß der Gemeinderath inStraßburg" dem Könige wegen Erhaltung seines Lebens nicht Glückwünschen ließ, ob­gleich ein Mitglied des Gemeinderaths ausdrücklich ver­langt hatte, daß dieß geschehen solle.

Die Art und Weise, wie die Franzosen neuerdings regiert werden, pflegen die französischen Minister das ju8t6 milieu" oder die richtige Mitte zu nennen. Die Minister und ihre Freunde sagen nämlich:Wenn wir die Parteien in Frankreich gewähren lassen, so wol­len die Einen zu weit rechts und die Andern zu weit links; und da können wik nichts Besseres thun, als uns hübsch in der Mitte zu halten." Hierauf erwiedern aber die Gegner des Ministeriums:Es gibt keine richtige Mitte zwischen Recht und Unrecht, und so lange ihr nicht dem Volke sein volles gutes Recht habt widerfahren lassen, so lange seyd und bleibt ihr im Unrecht. Ihr habt euch mit dem französischen Volke in die Mitte gestellt, wie einst der Esel in der Mitte zwischen zwei Säcken voll Ha­fer stand und Hungers starb, weil er nicht links und nicht rechts ekngebissen hat. Ihr habt auch den Grundsatz: »Wasch' mir den Pelz und mach' mich nicht naß.« Aber damit geht's nicht und die Franzosen merken gar wohl, daß sie nach wie vor naß werden, da ihr sie vom Regen in die Traufe geführt habt."

In Summa ist es wahr, daß die Franzosen unter der Herrschaft ihrerrichtigen Mitte", seit den drei Ju­litagen des Jahres 1830, alljährlich einige hundert Mil­lionen Franken an Steuern und an Abgaben mehr be­zahlen müssen, als unter Karl X. der Fall war. Und so ist denn bis jetzt in Erfüllung gegangen, was schon vor hundert Jahren auf das Jahr 1830 prophezeit wor­den seyn soll: