Volksbote.

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Offenbach 19. Februar 18 3 3.

Nr. 14.

Zur Erinnerung an Das, was sich vom Jahre 1830 an bis heute begeben hat.

(Beschluß.)

Niederlande.

Unter der Hand suchten die Belgier im Innern Ordnung zu schaffen und die Abgeordneten des Volks, als diejenigen Männer, auf welche man allgemeines Ver­trauen setzte, wurden nach Brüssel zusammen berufen. Dieser Nationalkongreß erklärte nunmehr förmlichst und feierlichst, den König von Holland und alle seine Nach­kommen vom belgischen Throne für immer ausgeschlossen. Auch wurden mehrere lobenswerthe Einrichtungen getrof­fen. Dahin gehört z. B. die Einführung einer vollkom­menen Preßfreiheit, die Einführung von Geschworenen­gerichten, und vor Allem die Bewaffnung des Volkes und die Errichtung von Bürgergarden. Wie es sodann den Belgiern weiter ergangen ist, bis sie endlich zu ihrem Könige Leopold gekommen sind, hat der Volksbote schon früher erzählt.

Inzwischen war -man aber mit Holland noch lange nicht einig geworden uvb es gab noch über manche Punkte zu zanken und zu streite.«. Die Holländer warfen den Belgiern vor, daß sie die Bedingungen des Waffenstill­standes gebrochen hätten, und die Belgier gaben den Holländern denselben Vorwurf zurück. Diese Letzteren Hütten die Zeit benutzt und große Kriegesrüstungen ge­macht. Sie zogen endlich mit Heeresmacht gegen die Bel­gier heran. Die Belgier aber waren in ihrem eigenen Hause noch nicht ganz in's Reine gekommen. Auch ging es ihnen, wie es einem Fechter ergeht, der sich erst über die Maßen angestrengt hat und dann müde und matt ge­worden ist. Und endlich dachten sie (sie harten allerdings besser nicht so gedacht): »Thun wir es nicht, so wer­den es die Franzosen thun«. So geschah es denn, als die Holländer heran kamen, daß den Belgiern das Herz in ihre weiten Hosen fiel, und daß sie liefen, so weit sie laufen konnten.

Kaum bemerkten dies die Franzosen, so waren sie so­gleich bei der Hand. Die französische Negierung mußte sich wohl mit den Belgiern gut Freund schreiben; denn wenn die Belgier in einem Kriege gegen die Franzosen

auf der Seite der Feinde sind, so ist es nicht gar weit bis nach der Hauptstadt Paris. Also rückten die franzö­sischen Truppen in Belgien ein. Als sie mit den Hollän­dern zusammen kamen, machten sie einander stillschweigends ein Compliment und erst gingen die Holländer und dann auch die Franzosen wieder hin, woher sie gekommen waren.

Die Minister und Diplomaten in Europa hatten des guten Glaubens gelebt, daß sie mit ihrem »Königreiche der vereinigten Niederlande« ein rechtes Meisterstück ge­macht hätten. Um so schwerer mußte es ihnen nun aufs Herz fallen, daß das papierne Band, womit sie Holland und Belgien zusammen gebunden, so bald und so gänzlich wieder zerrissen war. Schon am 1. November 1830 hatten sich daher die Gesandten von Frankreich, England, Oestreich, Rußland und Preußen in London versammelt und waren eifrigst dahinter her, die entstandenen Risse zu heilen, so lange sie noch blutend waren. Es wurden in Hülle und Fülle Traktate, Vergleichsvorschläge und Verträge geschrieben, mit welchen uns seither die Zeitungs­schreiber langweiligst unterhalten haben. Bereits am 20. December desselben Jahres erkannten die Gesandten der fünf Mächte Belgien als unabhängig an. Später sagten sie: »Hier soll Belgien aufhören und da soll Holland anfangen«, indem sie die Untenhanen und das Gelände der Belgier und Holländer links und rechts ver- theiltcn. Unter Anderem sollte der König von Holland die Citadelle von Antwerpen herausgeben. Aber er hielt dafür, »wenn man dieselbe haben wolle, so möge man kommen und sie nehmen, und seine Soldaten in der Cita­delle dürften sich einstweilen todkschicßen lassen«.

Darum rückten die Franzosen zum zweiten Male in Belgien ein und belagerten, zerstörten und eroberten die Citadelle. Vor einigen Iahrzehcnden hatten die Franzo­sen einige Milionen ausgegeben, um dieselbe in den Stand zu setzen, nnd im Jahr 1832 wurde etwa vier oder fünf Mal soviel ausgegebcn, um sie wieder außer Stand zu setzen.

Als nun aber die vielbesprochene Citadelle von den Franzosen genommen und den Belgiern übergeben war, merkten die Belgier und die Holländer erst recht, daß das Lied nicht aus ist. Die Gesandten sitzen in London nach wie vor beisammen und lassen es an Noten auf