deutsche Volksbote.
Offenbach 26 . Februar
18 ZZ.
Nr. 16 .
Einiges vom deutschen Bauernkriege, 1525.
Zu Anfänge des 16. Jahrhunderts befanden sich die deutschen Bauern in einem jammervollen Zustande der Unterdrückung. Die Meisten waren leibeigen und auf Allen ruhten Feudallasten, welche sie nach und nach nicht mehr zu erschwingen vermochten. Da nun Adel und Geistlichkeit streng auf ihren sogenannten Gerechtsamen beharrten und die Landesherren selbst nicht im Stande waren, die zum Theil auf altem Herkommen beruhenden Entrichtungen geradezu aufzuheben, so griffen zuletzt die Bedrückten zur Eigcnhülfe. Schon im Jahre 1502 geschah dieses in Speyer, später im Würzburgtschen. Jedoch kamen die Unruhen erst im Jahre 1525 zum wirklichen Ausbruch, und zwar abermals zuerst wieder im Würz- burgkschen, wie denn überhaupt das Sprüchwort: »Unterem Krummstabe ist gut wohnen«, sich mehr für die Hauptorte der deutschen Bis- und Erzbisthümer anwenden lassen mochte, wo die geistlichen Herren selbst Haus hielten und ihre reichen Pfründen verzehrten, als für das übrige Land.
Der Bischof von Würzburg gab nun allerlei Versprechungen, aber die Bauern trauten ihm nur halb, und selbst die Bürger, die er zu Hülfe rief, traten auf die Seite der Bauern. Da nahm der Bischof gleichzeitig zu Freundlichkeit und Strenge seine Zuflucht; er schrieb nämlich einen Landtag aus und ließ einen Aufrührer hinrichten. Aber Beides verschlug nichts. Die Bauern zogen vor Würzburg und der Bischhof mußte nach Heidelberg flüchten. Nun durchzogen die Aufrührer ganz Franken, und Hunderte, ja selbst Tausende stießen nach und nach ihren Haufen zu.
So oder ähnlich geschah es aber auch bald in Schwaben, Tyrol, Bayern, Lothringen und am Oberrhein, und endlich auch in Thüringen und in Sachsen, denn «Alle hatten dieselben Beschwerden,« sagt Sleidanus, ein Gelehrter, der uns die damalige Zeit beschreibt. Es waren also keine fabelhafte Propaganda's, keine geheime, weitgcsponnene Verbindungen dabei thätig; ja die Wirksamkeit durch Volksbücher oder Zeitungen war damals noch nicht vorhanden, und die Posteinrichtungen so mangelhaft, daß wenn selbst die Bauern größere Schreibmeister gewe
sen wären, sie schwerlich auf diese Art sich viel hätten verständigen und verabreden können.
Indessen hatten allerdings die Bauern ihre Führer und Rathgeber und dabei ist ebenso gewiß, daß die Ansichten und Lehren, welche Luther damls öffentlich ausgesprochen hatte, von einigem Einfluß auf jene Ereignisse waren! wenn auch nur in der Art, daß man einzelne derselben z. B. von evangelischer Freiheit, von natürlicher Gleichheit rc. mißverstand. Und das geschah nicht sowohl von den Bauern, als auch von Gelehrten, namentlich dem D. Karlstadt in Wittenberg und dem Prediger Thomas Münzer in Thüringen.
Die schwäbischen Bauern setzten zwölf Beschwerungs- punkte auf, die sie den Fürsten zur Abhülfe übergaben und auch an Luthern mit der Auffoderung sendeten, Gutachten darüber zu stellen. Diese Beschwerungs-Punkte waren mit so vieler Mäßigung abgefaßt, daß man Luthers Grundsätze von Gehorsam und christlicher Duldung haben muß, um zu behaupten, der, welcher sie entworfen habe, könne kein frommer Mann seyn. Sie wollten: 1. ihre Pfarrer selbst wählen, und, ^wenn sie sich ungebührlich hielten," entsetzen. 2. Die dem Fürsten oder dem Staat gehörigen Zehnden zum Besten des Landes und der Armen verwendet haben. 3. Nicht leibeigen seyn. 4. 5. 10. Diejenigen Jagden, Fischereien, Holzungen, oder andere Gemeinde-Grundstücke, die die Machthaber unrechtmäßiger Weise sich allein zugeeignet haben, zum gemeinen Gebrauch hergestellt haben. 6. 7 . Nicht mehr neue Dienste und Frohnen sich aufbürden lassen. 8. An Gülten nicht mehr liefern, als das Gut erträgt. 9. Die Strafen nach Gesetz und Billigkeit, nicht nach Gunst oder Haß bestimmt sehen. 11. Kein todtes Haupt-oder Erblehngeld geben. 12. «Wann ein oder mehrere Artikel, allhie gestellt, dem Wort Gottes nicht gemäß wären (als wir denn nicht vermeinen) dieselbigen Artikel, wo man unS mit dem Wort Gottes für unziemlich anzeigen, wollten wir davon abstehen.«
Auch von Tyrol aus sendeten die Bauern solche Beschwerdepunkte ein, die als rechtlich sehr wohl begründet und der gesunden Politik fast durchaus angemessen erscheinen. Einzelne Fürsten damaliger Zeit sahen Dieses selbst ein. „Wir Fürsten thun den armen Leuten allerlei Be-
