Nr. 38 - 1938/39
22. Juni 1939
Süddeutsche
tfaiüßfmä
Stuttgarter Hausfrau * 8rankfurter Hausfrau Badische Hausfrau
BlumcntDuiiOer auf dem Msberg
Italienische
Keramik
Die Frau des Soldaten Ihr Mann ist fort, vielleicht nach Italienisch-Ost- afrika, vielleicht nach Spanien. Sie hütet das Heim und den Hof: das ahnungslose Kind und das einfältige Tier umfaßt sie mitihrerLiebeund Sorge und versucht damit sich abzu» lenken von der Sehnsucht nach dem Entfernten, die sie trotzdem immer wieder befällt. All das kann man aus dieser schlichten kleinen Gruppe, die aus dem Erleben der letzten Jahre entstand, erkennen
b war einmal ein Stück unseres Rinderparadieses, dieses Gelände um den Rilies- berg in Stuttgart, zu dem heuer Hunderttausende von Menschen aus nah und fern kommen, um die einzigartige Reichsgartenschau zu bewundern.
Wo jetzt die vielen Gebäude und Hallen stehen, die Blumengärten und vüumenterrajsen, waren einst weite wiesen, aus denen wir sangen und Reigen spielten und aus den ersten Ultimen Rränz- lein siochten und Halsketten banden, und das jetzt in ein „Tai der Rosen" oder genauer gesagt in ein dal von fo ooo Rosen umgewandelte Gelände, waren einmal Steinbrüche und Schutthalden, zum Jeü grün überwuchert und darum sür uns Rinder immer noch schon genug, um darin zu klettern und unsere Entdeckungen zu machen. Der Höhepunkt der Romantik war aber der kleine Akazienwald, bei uns einfach „das wäidle" genannt, das ja zum großen dcll stehen geblieben ist und dem Reichsgartenjchaugelände auch eine ganz besondere Rote gibt.
So war mein erster Dang in die Stuttgarter Reichsgartenschau, den ich an einem der wenigen herrlichen Frühlingstage mit meinen Rindern an der Seite unternommen habe, so recht auch ein Gang in meine Zugendzeit zurück und gab unseren Herzen eine glückliche Mischung von dem, was einmal war, und von dem, was heute daraus geworden ist, d. h. daraus gemacht worden ist.
Venn bei allem Glanz, den eine schöne und in herrlicher Freiheit verlebte Rinderzeit auch über den geringsten und unscheinbarsten Platz breitet, weist ich doch noch gut, wie die Erwachsenen dieses Gelände beim weistenhos und weiter hinüber zum Rillesderg bekrittelten, wie niemand da hinaus bauen mochte, und das Ganze einer kunterbunten, brach liegenden Wildnis glich, sür das man sich keine rechte Verwendung denken konnte.
Und heute! Man ist tatsächlich versucht, an wunderkräste im Menschen zu glauben. Venn zu sehen, weich unvergleichlich schönes Rieinod mit der Reichegartenschau der Stadt der Ausländsdeutschen geschenkt worden ist, grenzt ans Märchenhaste. was hier aus einem nahezu wertlosen, riesigen Gelände herausgehoit wurde, ist so einmalig, dast man es nur restlos bewundern kann. Vabei ist nichts Gekünsteltes und Geziertes zu bemerken, nein, alles ordnet sich frei und natürlich m die ganze landschast ein, alles ist so geschossen, als könnte es gar nicht anders sein, als wäre das alles aus einem gütig verschenkenden Herzen gewachsen, um einer schönen ötad't den kostbaren Rahmen zu geben.
Ls hat im Mai trübselig ausgesehen in Süddeutschland. Ver schlimme Regen mit den kühlen winden hat viel geschadet, und die Stuttgarter haben dabei noch mit besonderer Sorge an den Äe- such ihrer Reichsgartenschau gedacht. Aber eigentlich war kaum ein Rachteil zu bemerken. Schon wenige Wochen nach Eröffnung der Schau konnte der millionste vesucher gezählt werden. Venn bei aller Reklame sür die Reichsgartenschau in Stuttgart, war die Werbung von Mund zu Mund aus begeisterten vesucherherzen die beste und gründlichste.
Und so wird es auch im Sommer bleiben und bis spät in den Herbst hinein dauern. Immer wird die Reichsgartenschau Reues und wieder Leson- deres bieten, und wer es nur irgendwie ermög
lichen kann, wird nach Stuttgart fahren zur großen Reichsgartenschau, und wird dort neben der Freude am Schönen eine solche Hülle von Anregungen sür seine eigenen gärtnerischen Interessen mit nach Hause nehmen, dast den Stutt-
oethe münzt dieses Wort aus den Dichter, und kein tressenderes Sild hätte er finden können, um den urtümlichen Vrang des Schassens zu kennzeichnen, der den Dichter zum Gestalten zwingt. Venn ist nicht auch der Seidenwurm oder die Seidenraupe, wie wir heute meist sagen, ein Rllnstler von Gottes Gnaden, der aus natürlichem Drange unsagbar Schönes jchasjt!
wir können es jetzt allenthalben wieder beobachten im neuen Veutjchiand, in dem mit Unterstützung des Reichsnährstandes die Seidenraupenzucht mit kräftigem Rachdruck eingesllhrt wird und damit eine bodenständige Herstellung echter Seide.
Aber Seidenzucht In Deutschland! Za, Xunst- seide! Die wird bei uns hergesteilt! Aber richtige, echte Seide! Dazu sind doch Maulbeerbäume oder Maulbeersträucher nötig, die doch nur in den lropen wachsen! -- Rein, dem ist nicht so! Ver Maulbeerbaum stammt aus einer Gegend Asiens mit einem gemäßigten Riima, das dem mitteleuropäischen sehr ähnlich ist, und somit gedeiht der Maulbeerbaum auch bei uns. Vie Grundbedingung sür einen heimatlichen deutschen Seidenbau ist also gegeben. Man braucht die Maulbeerbäume und -sträucher nur in größerem Maste und richtig anzupsianzen. Sie müssen möglichst an einem geschützten Südhange stehen, in Reihen von 6 Meter Abstand, und die einzelnen Pflanzen i’/a Meter voneinander entfernt.
gartern nichts anderes übrig bleibt, als unendiid) stolz daraus zu sein, wie hundertprozentig der Zweck ihres großen, gemeinsam geschassenen Werkes erreicht worden ist.
Lugeirie Sauter-Rindler
Dann braucht man natürlich Seidenraupen. Rieht viel! Aus ein Gramm dieses kostbaren „Roh- stosss" kommen izoo—>;oo Eier. Viesen ent- schillpsen in einer lemperatur, die langsam bis ?4 Grad ansteigt, nach einigen lagen kleine Seidenräupiein, deren einzige kebensarbeit im Hrejsen von Mauibeerbiättern besteht. Vie werden ihnen täglich sechsmal frisch gereicht.
3 n bis 40 lagen haben sie sich zu singerlangen Seidenwürmern entwickelt. Sie machen vier Häutungen durch, dann hört ihre Hrestlust plötzlich aus. Unruhig kriechen sie umher und werden vom Seidenzüchter in ein öpinnrähmchen, ein Hoizrähmchen, das mit Hliegendraht bespannt st, getan. Vort spinnt sich der öeidenwurm in einen zooo Meter langen Seidensaden ein.
Zst dieses Geschäst nach acht lagen vollendet, so Kat der Seiüenzüchter von jeder Raupe einen „Rokon", ein Seidengespinst von der Horm ein/o kleinen Vogeleies. Ehe nun der Raiter der Puppe entschlüpft, ist Erntezeit sür den Seidenzüchter. Er liefert die Rokons bei der Saminelstelle ab und erhält für das Rilogramm <j — 7 RM. je nach der Güte des Gespinstes. Da in Deutschland drei solcher Ernten nacheinander möglich sind und eine vrut von 80 — 100 Gramm Eiern schon eine mittlere Zucht ergibt, so ermöglicht die Seidenraupenzucht einen Verdienst, der besonders bei Familienbetrieb einen schönen Rebeneiwerb ergeben kann.
„Verbiete du dem Seiden wurm zu spinnen 66
