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GesundheitSlehrer"

Nr. 3.

Stimmritze zu erweitern oder zu verengen. Nur ein Muskel hat noch auf die Spannung der Stimm­bänder direkten Einfluß, ein Muskel nämlich, der vorn vom Schildknorpel zum Ringknorpel hinzieht und bei seiner Zusammenziehung den Schildknorpel nach vorn neigen^ und daher die an ihn angesetzten Stimmbänder spannen muß. Aus verschiedenen Erwägungen und Beobachtungen hat man aber ge­funden, daß der für die Spannung der Stimm­bänder hauptsächlich wichtige Muskel der oben er­wähnte Stimmbandmuskel ist. Der Ton der mensch­lichen Stimme wird ähnlich, wie bei einer Zungen­pfeife, hervorgebracht; die Stimmbänder werden durch Muskelwirkung einander genähert, die Stimmritze, die zwischen ihnen liegt, wird bis auf eine kleine Spalte geschlossen, und nun werden durch die kräftig aus der Lunge durch die Luftröhre entweichende Ausathmungslust die Stimmbänder in Schwingung versetzt und so der Ton erzeugt. Bemerkt will hier werden, daß der Singapparat unserer Singvögel von dem des Menschen wesentlich verschieden ist, vor Allem an einer viel tieferen Stelle der Luft­röhre angesetzt erscheint. Bei dem Tone der mensch­lichen Stimme haben wir zu unterscheiden:

1. Die Tonstärke, 2. die Tonhöhe, 3. die Klangfarbe.

Die Tonstärke wird lediglich durch mehr oder minder kräftiges Hervorstoßen der Luft aus der Lunge bewirkt. Die Tonhöhe hängt neben anderen Faktoren von der Länge, der Masse und der Spannung der Stimmbänder ab. Jeder Kehlkopf ist für eine Stimmlage eingerichtet und gebaut. Der weibliche Kehlkopf ist um vieles, mindestens um ein Drittel kürzer, als der männliche. Der Kehlkopf des Tenors zeigt gewöhnlich schmälere, feinere Stimmbänder, als der des Baritons und des Baffes, der einen breiten, sehr massiven Bau zeigt. Hier will ich gleich ein Gebiet betreten, auf dem der Kehlkopfarzt leider eine große Thätigkeit zu entfalten genöthigt ist.

Niemand soll in einer anderen Stimmlage singen, als die ist, für welche sein Kehlkopf durch seinen Bau vorgebildet ist. So selbstverständlich das klingt, so oft wird gegen diesen Satz gesündigt. Wie oft liest man in der Zeitung, daß Herr x., bisher Bariton an der und der Bühne, auf einmal eine Tenorstimme an sich entdeckt hat oder hat ent­decken lassen, und nun demnächst als Tenor das Publikum erfreuen wird! Die Hauptrollen der meisten Opern sind für den Tenor geschrieben. Die Gage des Tenors, insbesondere des Heldentenors, ist höher, folglich suchen viele Gesangslehrer ihre Schüler, wenn es irgend angeht, zu Tenoren aus­zubilden, oder besser gesagt, hinaufzuschrauben. Aber auch Dilettanten und Dilettantinnen betrachten es merkwürdiger Weise als große Errungenschaft, wenn sie den Umfang ihrer Stimme möglichst weit nach oben erweitern. Dies bleibt aber niemals unge- rächt. Die Höhe, für die dieser Sängerkehlkopf nicht vorgebildet ist, kann nur durch erhöhte An­strengung der Muskulatur, durch übermäßige Spann­ung der Stimmbänder erreicht werden. Eine solche

Ueberanstrengung aber bedingt immer eine über die Norm erhöhte Blutzufuhr zu dem Organ, und diese wieder bildet eine äußerst günstige Vorbedingung für die Entwickelung von Katarrhen. Nachdem eine Zeit lang ganz flott gesungen wurde, treten fort­während Indispositionen ein; ein Katarrh, eine Heiserkeit folgt der anderen, und bald prangt der Name des Sängers statt im Personalverzeichnis, meistentheils unter der RubrikUnpäßlich". Auch der Dilettant, für den dies zwar nicht die ein­schneidende Bedeutung hat, wie für den Berufs- Sänger, hat mit fortwährenden Indispositionen zu kämpfen, die ihm den Genuß seiner Kunst verleiden und ihn endlich veranlassen, den Gesang ganz auf­zugeben. Ich möchte hier also auf das eindring­lichste betonen: Jeder, der seine Stimme auszu­bilden gedenkt, soll von einem zuverlässigen Fach­mann sorgfältig die Lage und den Umfang seiner Stimme prüfen und bestimmen lassen und fick) durch nichts verleiten lassen, dieselbe in eine andere Lage, als die, die ihm ohne Mühe erreichbar ist, zu zwingen.

Aber auch die ausgebildete und sonst tadellose Stimme bedarf einer gewissen Pflege; ein zu viel ist hier aber ebenso schädlich, als ein zu wenig. Es gibt Sänger, die fortwährend um ihre Stimme zittern, die stets vor einer Erkrankung oder gar dem Verluste derselben zu stehen glauben, bei denen sich eine Art nervösen Angstzustandes herausgebildet hat, und die ständige Gäste des Sprechzimmers des Kehlkopfarztes sind; andererseits gibt es Sänger, die geradezu frevelhaft mit der Gabe, die ihnen die Natur verliehen hat, umgehen; die durch über­mäßigen Alkoholgenuß, durch sportliche Ueberan- strengungen schwer gegen sich sündigen. Beides ist zu verwerfen.

Vor Allem ist dem Sänger (auch für den Dilettanten gilt dies) die Pflege der Athmungs- Organe dringend zu empfehlen. Es sollen Athmungs- Uebungen, bestehend in tiefem Einathmen, längerem Halten des Athems, langsamem, ununterbrochenen Ausathmen, verbunden mit gymnastischen Uebungen der Arm- und Schultermuskulatur, der eine ganz bedeutende Rolle bei der Athmung zukvmmt, event. mit Zuhilfenahme von Hanteln, alltäglich, am besten des Morgens nach dem Aufstehen, von jedem Sänger vorgenommen werden. Kalte Waschungen des Halses und der Brust (einige Fachkollegen empfehlen kalte, direkt gegen den Kehlkopf gerichtete Douchen) sind vom Vortheile.

Schädlich wirkt der Aufenthalt in rauchigen Lokalitäten, da der Rauch einen fortwährenden Reiz der Rachen- und Kehlkopfschleimhaut bewirkt, der der Stimme sehr nachtheilig ist. Daß das Singen in solchen Lokalen zu vermeiden ist, bedarf wohl keiner Erwähnung. Der wahre Künstler kommt wohl kaum in diese Lage. An die Sänger und Sängerinnen, die in Varietes rc. aufzutreten haben, werden wohl sicher keine Anforderungen in Bezug auf Schönheit des Gesanges und der Stimmmittel gestellt, und sie selbst stellen auch keine solchen.