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Theodor Storm:

Die Regentrude * Der Spiegel des Cyprianus

Theodor Storm, gehören 14. Sep­tember 1817 in Husum, gestorb. 4. Juli 1888 in Hademarschen.

Das äußere Leben dieses tiefsinnigen deutschen Novellisten und Lyrikers verlief in ruhigen Bahnen. Als Student der Rechte bezog der Jüngling 1837 die Universität Kiel und setzte sein Studium dann in Berlin fort. Hier fand er selischen Anschluß an das Brü- derpaarTheodor und Tycho Mommsen, welcher lyrischen Verbindung im Jahre 1843 dasLiederbuch dreier Freunde entsprang, mit dem Theodor Storm sich in die Literatur einführte. Im Jahre vorher hatte er sich nach beendetem Studium zu Husum als Advokat nieder* gelassen. Hier wirkte er bis zum Jahre 1853. Dann vertrieb ihn die dänische Invasion, von der Schleswig seit langem bedroht war.

Erst im Jahre 1864 konnte Storm in das befreite Schleswig, in seine Vater­stadt zurückkehren, nachdem er in der Zwischenzeit als Gerichtsassessor zu Potsdam und später als Landrichter in Heiligenstadt Anstellung gefunden hatte. Der Landvogt Storm rückte 1867 zum Amtsrichter vor, wurde sieben Jahre darauf Oberamtsrichter, trat als Amtsgerichtsrat 1880 in denRuhestand und übersiedelte nach Hademarschen im Kreis Rendsburg.

Allein diesejuristenkarriere wie andere mehr war nur die äußere, an sich be­langlose Kurve eines deutschen Dichter* lebens von unerhörter Gefühlstiefe und Innigkeit. Theodor Storms eigentliche Lebensdaten sind identisch mit den Er­scheinungsjahren seiner Bücher. 1851 warenSommergeschichten und Lie­der denGedichten vorausgefolgt, die im Jahr darauf dem Lyriker eine frühe Gemeinde warben. Was hier wiederkehrte, waren wohl die alten Symbole und ^^eihgeschenke urewiger Dichtkunst; das Vielbesungene in Natur und Gotteswelt klang an, aber dieser deutsche Poet hatte so viel eigenes Erleben zu spenden, daß alte Formen und Begriffe der Poesie sich wieder ein­mal aus dem Inhalt erneuerten. Insonderheit war es die von Storm mit ergreifender In-

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tensität erlebte Jugendzeit und die nach ihr zurückverlangende Sehnsucht des ins Leben fortschreitenden Poeten, Träume der Sehnsucht also waren es, die den Dichter produktiv machten und erhielten. Storm kann sich nicht genug tun, um allen Schein der Seligkeit auf jenes verlorene Paradies der .Kindheit zu häufen. Und so verklärt er wohl alle dieseGestalten aus seinerVergangenheit, aber er umflort sie auch mitAVehmut, der sich etwa ein moderner Lyriker wie Otto Erich Hartleben nur mit Widerstreben hingeben konnte. Mit einem Protest gewissermaßen gegen die vielen Tränen. In den Alterswerken Storms findet sich eine vornehme Mci* sterlichkeit.Aquissubmersus (1876), Renate, Eckenhof,Zur Chronik von Grieshuus,Der Schimmelreiter (1888) bezeichnen die Höhe seines epi» sehen Schaffens.

Dem Tragiker Storm war aber auch gegeben zu lächeln, unter Tränen, wie wir uns zu sagen gewohnt haben. Und der Humor erweist sich bei ihm als eine Kraft, die wenn sie nicht groß genug ist, die ^Velt zu überwinden, dennoch ihr Leid verklären kann. Solche versöhnenden Züge finden sich in den Drei Märchen, die 1866 erschienen sind, und denen die zarten Gebilde an­geboren. die wir heute bringen:Die Regentrude undDer Spiegel des Cyprianus. Auch die frühe Erzählung Immensee darf in diesem Zusammen­hang genannt werden. ^Ven diese Seite Storms am meisten anspricht, mag außerdem dieGeschichten aus der Tonne(l 867) lesenImSonnenschein, ViolaTricolor,Auf demStaatsbof, Auf der Universität,Abseits, Psyche,Von jenseits des Meeres. Novellen und Gedenkblätter (1874) und sein Briefwechsel mit Mörike sind wichtige Lebensdokumente. Das Storm Eigen­tümliche tritt hier allenthalben hervor und aus dem Zusammenhang mit seinen Versen stellt uns der Dichter Storm sich dar als einer jener echten deutschen Meister, deren Reihe Goethe der Lyriker eröffnet. Richard Elahinger

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