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Edmund Hoefer:
Zwei alte Soldaten
Edmund Hoefer, geboren in Greifewald am 15. Oktober 1819, gestorben am 23. Mai 1882 zu Cannstadt.
Zu den Unterhaltungsschriftstellern im besten Sinne des W’ortes, die um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts aufgetreten sind, gehört neben Friedrich Gerstäcker und F. W. Hackländer, der aus Greifswald gebürtige Erzähler Edmund Hoefer. Kindheit und Jugend verlebte er in seiner Vaterstadt und hier begann er auch nach freundlichen Schuljahren das Studium der Philologie. Spater übersiedelte Hoefer an die Berliner Universität, wo er auch Geschichte hörte und lernte zu Heidelberg das alte studentische Lehen kennen, das in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts an den deutschen Hochschulen trotz Metternich und allen politischen Polizeichikanen im hohen Flore stand.
Im Jahre 1842 kehrte Hoefer nach Greifswald zurück und der Dreiundzwanzigjährige, den Kopf voller Pläne, gab sich mit ganzer Jugendkraft der Freude des Erzählens hin. Er schrieb zunächst kleinere Beiträge für literarische und volkstümliche Zeitschriften und seine frische Art fand Beifall. „Aus dem Volk" nannte er die erste Sammlung seiner Erzählungen und damit deutete Hoefer gleichsam programmatisch an, aus welcher Quelle seine Phantasie schöpfte und von wem er gelesen sein tvollte. Aus dieser Sammlung gab Hoefer in reizvoller, stofflicher Zusammenstellung 1855 ebenfalls in Stuttgart „Erzählungen eines alten Tambours" heraus, die ihm viele Leser warben. Im Jahre vorher hatte
Hoefer mit Hackländer die „Hausblätter" gegründet und nahm nun dauernden Aufcnt halt in Stuttgart, wo sich damals ein reges, volkstümlich gerichtetes literarisches Leben entwickelte, das von geschickten Verlegern auch wirtschaftlich nutzbringend gestaltet wurde. In rascher, vielleicht gelegentlich etwas zu schneller Folge, erschienen von Hoefer in den nächsten Jahren: „Gedichte" (1853), „Aus alter und neuer Zeit" (1854), „Schwanwiek, ein Skizzenbuch aus Norddeutschland" und „Bewegtes Leben" (1856), 1858 der große, zweibändige Roman „Norien, Erinnerungen einer alten Frau". Ferner „Vergangene Tage" (1859), 1860: „Deutsche Herzen" und „Auf deutscher Erde" (2 Bde.), „Die Honoratiorentochter" (1861), „Die Alten von Ruhneck (1862), „Unter der Fremdherrschaft" (1863, 3 Bde.). 1865: in vier Bänden „Altermann Ryhe", 1867: „Neue Geschichten" in zwei, und „Die jute alte Zeit" in drei Bänden. Von größeren Werken, die immer von neuem zeigten, daß Hoefer als Erzähler keineswegs in seiner ^Virkung auf die Episode oder kurze Novelle beschränkt war, seien noch genannt die beiden Vierbänder „Ein Findling" (1868) und „In der Welt verloren" (1869), sowie „Der Demagoge" (1872), „Kleines Leben" (1873) und „Der Junker" (1878) in je drei Banden. 1874 gibt Hoefer wiederum zwei Bände „Erzählungen aus der Heimat" heraus und im Jahre vor seinem Tode erscheinen 1881 die zwei Bücher „In der letzten Stunde".
R. E.
Zwei alte Soldaten
Na also! Es waren einmal zwei alle Soldaten. ein Paar Blitzkerle und Hauptbühne, sag' ich euch, die dienten Sr. Majestät, dein allevgnädtgsten König, seit unvordenklichen Jahren getreu und tapfer, wie ein christlich Kriegsvolk soll, und von ihren jetzigen Kameraden hatte sie keiner mehr als Rekruten gekannt. Selbst der Herr Oberst, der bei 'diesem Regiment vor vielen Jahren auch Kornett gewesen. hatte sie dannals schon als Wdiente Leute dabei gefunden. Kurz, ihr Jubiläum mochten
S ! wohl bereits erlebt haben, bei den alten urschen hatte jedoch niemand danach gefragt. In der Stammrolle und Regimentsliste oder da so hernm mußte freilich von ihrem Alter zu lefen stehen; aber mit solchen Listen ist es nicht so, als guck nur 'n mal hinein, — dazu mutz man schon was Apartes sein, und 'n gemeiner Soldat wird darin nicht nachgeschlagen.
Nu. 'das eine war aber gewiß, und dafür hatten die beiden ihre Grütze im eigenen Kopf: Unter der alten Majestät mit dem spanischen Rohr und den Jelänger-jelieber-Rekrnten hatten sie noch gedient: dann hatten sie sich unter ihren: jungen König — nun hieß er auch schon der alte Fritz! — das erstemal um Schlesien
aekatzhalgt und dann das zwetdemal, und dabei hatten sie unter dem alten Dessauer ein Stück Arbeit geliefert, daß des großen Feldmarschalls .Herz recht froh ward über seine braven Kerle. Sonst war er dazumal schon was grämlich.—
Und im Siebenjährigen Krieg-na, das
war ihr Hauptpläsivr im Leben gewesen, und sie lernten unter dem Sehdlitz Reiterstücke, die ihnen kein Engel und kein Teufel nachmachte.
Das war nun auch schon wieder so ein Ditt- zend Jahre her, unld noch ’rt paar dazu; sie hatten nun Frieden, und so «echt scharf geritten wabd wenig mehr. Seine Majestät war nun der alte Fritz, und Sein« Exzellenz der General Sehdlitz war leider Gotts sogar tat, und die beiden Soldaten waren teufelmäßig alt gewor- den und hatten eine grausame Not, ihre Frisur in Ordnung zu halten. Warum? Darum, weil ihnen verzweifelt wenig Haare aus 'dom Kopf geblieben. Mt ihren Zöpfen aber toar es nun erst recht eine betrübte Geschichte. Wo tvaren Me armsdicken stolzen Stangen hin- gekommen, die ihnen sonst im Nacken baumelten und sie im Kriege vor manchem heimtücki- schen Husarenhieb bewahrten? — Jetzt hatte der eine nur so einen armseligen Deinen Wedel, wie der Schwanz einer etwas anständigen Ratte, war weder viel länger noch dicker. — und dein anderen hatte sich das arme
Restlein gar vor Alter mild Kmnmer ordentlich zuislainmengekrümmt und stand ihm vom Kopf mitt einem nachdenklichen Ringel, akkurat wie eine gewundene Trompete. Na, du liebster Herrgott, flaigerc ließ sich eigentlich nichts Ueblcs davon, dem: die Zöpfe waren alt genug geworden, um ihre Haare endlich mit Ehren lassen zu können. Und darum sah man ihnen auch ihren jetzigen magern Zustand nach Reglements - mäßig hätten dafür Dienstzöpse eingebunden werden sollen.
So 'Menten die beiden Soldaten Jahr aus und ein, immer zu. Bot man ihnen einmal den Abschied und etwa auch einen kleinen Ruheposten, so sagten sie: ja was? Im Regiment sei ihr Posten und ihre Ruh, und den Abschied werde ihnen dereinst schon der allmächtige Generalfeldmarschall im blauen Himmel schreiben. — Redete man ihnen von ihrem Alter, das doch hoch sei, und von dem Körper, der nachgerade seine Jahre und Strapazen, Wind und Wetter fühlen müsse, — da lachten sie zuweilen, und Kasper — so hieß der eine —, schlug dabei an seine Lende und drehte sich auf dem Absatz um; und der Christopher — so nannte sich der andere —, machte dazu ein schiefes Maul unter feinem großen weißen Schnurrbart und ging seinem Kanrevaden nach.
Uitb Kasper und Christopher hießen sie all-
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