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Ernst von Wildenbruch:
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Eine Erzählung aus dem Krieg 1870/11
Ernst von Wildenbruch, geh am3.Februar 1845 2 u Beirut in Syrien, gest. in Berlin am 15. Januar 1909. Am Ende seines Lebens stand Wildenbrucb in seiner Zeit als einer der erfolgreichsten deutschen Dramatiker mit einem Gesamtwerk, wichtig nach Inhalt und Umfang. Sein dichterischer Aufstieg hat sich langsam vollzogen und auf Umwegen zur Popularität geführt. Zwei ihm innerlich wesensfremde Lehenskreise mußte ^Wildenbruch durchschreiten, ehe er seinen wirklichen Beruf entdeckte. Eine, allerdings kurze, Offizierskarriere und ein Beamtendasein. Als er zu Beirut in Syrien 1845 geboren wurde, amtierte dort sein Vater als preußischer Generalkonsul. ^Vurde zwei Jahre darauf nach Berlin versetzt, und kam dann als Gesandter nach Athen. Hier schon und im Jahre darauf zu Konstantinopel empfing Ernst ^Vildenbruch vielleicht bestimmende romantische Knaheneindrücke. Mit der schwer leidenden Mutter mußte der 12 jährige nach Deutschland zurückkehren und widmete sich auf dem Pädagogium in Halle, später am fra'nzöschen Gymnasium in Berlin humanistischen Studien. Von 1859 bis 63 besuchte er das Kadettenkorps. ^Var zwei Jahre Leutnant im 1. Garderegiment zu Potsdam und nahm teil am Feldzug 1866. Aber dann behagtc es ihm nicht länger in der militärischen Luft. Er kehrte zu den Büchern zurück, beendete in Magdeburg 1867 den abgebrochenen Studiengang und ließ sich in Berlin als Student der Rechte immatrikulieren.
Vom wohlbestandenen Referendarexamen zogWilden- bruch 1870 wieder ins Feld und war von 1870 — 76 in unterschiedlichen Stellungen tätig. Nach einem assessoralen Intermezzo zu Frankfurt a. O. zuletzt in Eberswalde und in Berlin als Richter. Sein Uebertritt ins auswärtige Amt gewährte größere Möglichkeiten.
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Legationsrat seit 1887, im Nebenamt darf man sagen, hat Wildenbruch bis zum Jahre 1900, wo er aus dem Staatsdienst geschieden ist, in diesen, für ihn reichgesegneten Jahrzehnten seine stärksten Dichtungen geschrieben. Um die AVende der 60 hat ihm sein AVerk auch den großen, äußeren Erfolg gebracht, und die lange umstrittene, materielle Unabhängigkeit, die dem einst recht dürftigen Frankfurter Gerichtsassessor spät zu teil würde. Einen Sommer lang nur sollte sich Wildenbruch der Idylle im eigenen, 1908 zu V^eimar erbauten Poetenschlößchen erfreuen. Am 15. Januar 1909 ist Wildenbruch zu Berlin plötzlich an Herzschlag gestorben.
Im Jahre 1868 hatte ^^ildenbruch mit einem Satirspiel debütiert: „Die Philologen am Parnaß, oder die Vivisektoren" mit einem längst vergessenen, aber für seine Tendenzen charakteristischen Scherz. Dann war allerlei aktuelle Kriegslyrik gefolgt: „Vionville" (1874), „Sedan" 1875). Eine Künstlergeschichte aus „Alt- Hellas" war Vorläufer den ersten „Novellen" (1882b Im gleichen Jahre veröffentlichte der Dichter vier dramatische Werke. Die Tragödien „DieKarolinger", „Harold", „Der Menonit" und das Schauspiel „Väter und Söhne". 1884 machte die Verleihung des Schillerpreises eine größere Öffentlichkeit auf den neuen deutschen Dramatiker aufmerksam. In bunter Folge kamen „Neue Novellen" (1885) zutage, „Humoresken" (1886), Schauspiele: „Christov Marlow" (1885), „Opfer um Opfer" (1883), „Die Herrin ihrer Hand" (1885), „Das neue Gebot" (1886), „Der Fürst von Verona" (1887). Dann erschien 1888 ein Preußenstück von höchster Schaubarkeit „Die Quizows", das viel patriotischen Lärm machte. Und drei Jahre später Wildenbruchs am meisten gespieltes, bürgerliches
