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v jefre Woche ein Werk
Die besten Romane und Novellen aller Zeiten und Volkse
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Alexander L. Kielland:
Erotik und Idyll / Oie Schlacht bei Waterloo / Torfmoor
Alexander L. Kiellaud, geboren am 18. Februar 1849 in Stavanger; gestorben au Bergen am 6. April 1996.
ln sorgenfreien Verhältnissen als Sohn eines Großkaufmanns geboren, batte sieb der junge Kielland nach glücklich verbrachter Jugend« und Schulzeit dem Studium der Rechte zugewandt. Von der Universität in Christiania kehrte er dann wieder in die engere Heimat nach Stavanger zurück, um «ich der nutzbringenden Tätigkeit ein« Ziegelei« Besitzers hinzugeben.
Aus dieser Abgeschiedenheit, die den temperamentvollen Beobachter des täglichen Lehens aber immerhin in unmittelbarer Berührung mit der werktätigen Welt erhielt, trieb es Kielland plötzlich in die Ferne. Er folgte einer starken Zeitströmung, als er sich zu Ende der Siebziger Jahre aus dem Norden nach Paris wandte. Er hat dort tief dringende literarisch« Eindrücke empfangen und viel« gelernt von den Franzosen und seine Begabung als witziger Sittenschfldercr und Satiriker entdeckt. Einige Sammlungen „Novelletfcer" enthalten die ersten novellistischen Arbeiten und erschienen zu Kopenhagen in den Jahren 1879—1883.
Als Kielland in die Heimat zuruckgekehrt war, erwies eich gleich sein erster großer Gessllschaftroman „Garman og V/orse* 4 , den er 1880 erscheinen ließ, als ein starker V/urf von europäischer Bedeutung. In dem Jahrzehnt hi« 1890 spielte sich dann Kielland«
ganze Dichterlaufbahn als das glänzende Schauspiel einer fast ununterbrochenen Produktivität ab. Es erschienen in kurzen Abständen die Romane Arbeiter“ („Arbejdsfolk"), „Else", „Schiffer Worse" („Skipper Worse"), „Gift", „Schnee" („Sae"), „Jakob", „St. Hans* Fest", „Fortuna", „Mennesker og Dyr". Einige Lustspiele „St. Johannisfest". „Drei Paare", „Bettys Vormund", und „Professoren" konnten für die Buhne nicht viel bedeuten. Populäre Wirkungen erzielte 1883 die Dramatisierung von „Garman og^Vorse". Einen Abschluß fand diese literarische Produktion, wie Kielland 1891 zum Bürgermeister seiner Vaterstadt Stavanger gewählt wurde. Er hat dann wohl noch gelegentlich einiges veröffentlicht, so die Dokumente seiner Napolenhegeisterung in dem farbigen historischen Roman „Rings am Napoleon". 1897 begann er eine G«amtausgabe seiner Sehriftsn herauszugehen. Aber Kiellands eigentlich« Interesse an der Literatur schien in dem Augenblick erledigt, als er sich neuerdings einer praktischen Tätigkeit widmete. Und wiederum ergänzt diese Besonderheit das Charakterbild di«« Dichters; «ein Kampf gegen Heuchelei und Duckmäusertum und andere hässliche Dinge, den er in seinen Schriften mit den wohl- geschliffenen Waffen ein« weltmännischen Satirikers führte, vollzog sich doch wohl Im Interesse menschlicher Ertüchtigung. Und damit fing Kielland hei sich an, und so hat, W«s er als Bürgermeister für seine Heimatstadt Stavanger geleistet in zäher Fürsorglichkeit« an sich gewiß nicht leichter gewogen, als seine literarische Leistung. Richard Elchinger
Erotik und L - yll
Seht nur Mt, daß Ihr Md zusammen kommt! faßte Fr«« Olsen.
Ja, up verstehe nicht, warum ihr nicht jetzt im Herbst heiratet, rres das ältere Fräulein Ludwigsen, das für die ivahre Liebe schwärmte.
Ach ja! rief Fräulein Louise, die sicher war. Brautjungfer zu werden.
Aber Soren sagt, daß er nicht die Mittel hat, antwortete die Braut etwas verzagt.
Mcht die Mittel I wiederholte Fräulein Ludwigsen, daß ein junges Mädchen ein solches Wort aussprechen kann! Wenn du schon jetzt deine junge Liebe von prosaischen Berechnungen überwuchern lassen Willst, was bleibt dann von dem idealen Glanze übrig, den irur die Liebe über das Leben zu verbreiten vermag? Daß ein Mann solche Rücksichten nehmen kann, kann ich zur Not verstehen, es ist ja gewisserinaßen lerne Pflicht; aber eine zarte Frauensecle im Lenz der Liebe! — nein, nein, Marie! laß um alles in der Welt nicht diese niedrigen Geld» fragen dein Glück trüben.
Ach nein! rief Fräulein Louise.
Und außerdem, nahm Frau Olsen das Wort, außerdem hat dein Bräutigam gar nicht so sperrig Einkommen. Mein Mann und ich fin-
ßeu, bei Gott, mit viel weniger an. Ich weiß, was du sagen Willst, daß die Zeiten damals anders Waren. Ja, Gott behüte! das wissen wir; ich Wundre mich nur, daß ihr nicht müde werdet, cs uns zu erzählen. Glaubt ihr nicht, daß wir Alten, die wrr selbst den Ueberaana miterlebt haben, die beste Einsicht darin haben, »vas 'rüher zum Leben erforderlich War und was etzt? Wenn also ich, als erfahrene Lausfrau, age. daß der Gehalt deines Bräutigams bei meinem Mann im Verein mit dem. was er leicht durch Nebenarbeit verdienen kann, hinreichend ist. darauf zu heiraten, so kannst du doch Wohl begreifen, daß ich die veränderten Verhältnisse gebührend in Betracht ziehe.
Frau Olsen war ganz eifrig geworden, trotzdem niemand daran dachte, chr zu widerspre- chen. Aber sie hatte sich so oft bei Gesprächen dieser Art geärgert, besonders Wenn sie die jungen Frauen sich darüber verbreiten hörte, wie lächerlich billig alles vor 30 Jahren gewesen war. Es war, als ob man die mustergültige Art, in der sie ihre Wirtschaft geführt hatte, herabsetzen wollte.
Dies Gespräch machte einen tiefen Eindruck auf die Brattt; denn sie hatte viel Vertrauen zu
der klugen und erfahrenen Frau Olsen. Und diese hatte sich, seit Marie mit dem Sekretär des Kreisrichters verlobt war, ihrer sehr eifrig angenommen. Sic war eine energische Frau, und da ihre eignen Kinder schon erwachsen und auswärts verheiratet waren, gab eö eine willkommene Ablenkung für chren Tätigkeitsdrang, gleichsam einen Anteil an dem jungen Brautpaar und, was es anging, zu haben.
Maries Mutter dagegen war eine sehr ruhige Dame. Ihr Mann, der ein kleines Amt bekleidet hatte, war so früh gestorben, daß die Pension äußerst knapp war. Sie war aus guter Familie und hatte in ihrer Jugend nichts gelernt als Klavier spielen. Diese Fertigkeit übte sie längst nicht mehr aus, und im Laufe der Zeit war sie außerordentlich religiös geworden.-
Hören Sic «anmal, mern lieber Sekretär: denken Sie gar nicht daran zu heiraten? fragte der Kreisrichter in seiner freundlichen Art.
Oh ja! antwortete Sören gedehnt, wenn ich erst die Mittel habe.
Die Mittel? wiederholte der Kreisrichter, Sie sind, weiß Gott, gar nicht schlecht gestellt. Ich wem. daß Sie etwas zuruckgelegt haben.
Eine Kleinigkeit, schob Sören ein.
