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Jede Woche ein Werk
Die besten Romane und Novellen all er Zeiten und Völker
SO Pfennig die Nummer * Vierteljährlich Mk. 10.—
Wilhelm Holzamer:
Frühling / Luls / Der große Reichtum.
Wilhelm Holzamer, geboren am 26. März 1870 zu Nieder-Olm bei Mainz, gestorben am 28. August 1907 zu Berlin.
Die Wehmut der allzufrüh Vollendeten umschattet die Gestalt dieses hessischen Volksschullehrers und Dichters. Als Sohn eines Handwerkers ist Wilhelm Holzamer in Nieder-Olm bei Mainz 1870 zur Welt gekommen. Für den Knaben war es Befreiung aus drückender Enge, dab er einen gangbaren Weg zu den geliebten Büchern fand, und sich zum Lehrer ausbilden konnte. Im Jahre 1892 begann Holzamer sein praktisches Wirken zu Heppenheim an der Bergstrabe. Im gleichen Jahre veröffentlichte der Zweiundzwanzigjährige sein erstes Versbuch:
„Meine Lieder“. Nach vierjähriger pädagogischer Tätigkeit verlieb Holzamer indes sein Amt, das ihm wenig Freude machte, und versuchte als freier Schriftsteller durch die Welt zu kommen. Er blieb noch eine Reihe von Jahren in dem idyllischen Heppenheim, wo er in wohlangewandter Mube Skizzen und Novellen schrieb, deren stille, zarte Versonnenheit dem jungen Dichter Freunde warb- Er veröffentlichte 1697 Gedichte „Zum Licht“. Im Jahr darauf die Skizzensammlung „Auf staubigen Straben“. 1901 Novellen „Im Dorf und drauben“, sowie die lyrischen Szenen „Spiele“.
Das Erscheinungsjahr von Holzamers erstem gröberen Roman „Peter Nockler, die Geschichte eines Schneiders“, wurde für den
Autor auch in anderer Beziehung bedeutungsvoll. Der Grobherzog von Hessen, auf den wachsenden, modernen Dorfpoeten, einen Schil-
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FRÜHLINGSBILD von LUDWIG RICHTER
derer der Seele, aufmerksam gemacht, berief nun Wilhelm Holzamer 1902 als Kabinettsbibliothekar nach Darmstadt. Der Dichter erhielt hier Einblick in neue, angenehme Verhältnisse und schrieb in rascher Folge die Geschichte „Der arme Lukas“, die Novelle „Die Sturmfrau“, und die Romane „Inge“ und „Der heilige Sebastian“. Nach kurzen Jahren gesegneten Schaffens ging Holzamer dann als Korrespondent deutscher Zeitungen nach Paris. Er hatte auch diesem Aufenthalt eine bedeutende Erweiterung seines Weltbildes zu verdanken. Im Jahre 1905 kehrte er zurück nach Deutschland und nahm dauernd Wohnsitz in Berlin, dieweil sich des Dorfpoeten Aufstieg ins Weltliche also vollzogen hatte. Neben den literarhistorischen Studien über „Konrad Ferdinand Meyer“ und „Heinrich Heine“ (beide 1905) bleiben zu verzeichnen die Dramenversuche „Andreas Krafft“ und „Um die Zukunft“, eine Novellensammlung „Am Fenster“ (1906), sowie die Romane „Ellida Selstratten“ (1904) und „Vorjahr und Tag“. Inmitten neuer Pläne wurde Wilhelm Holzamer vom Griff des Todes ereilt. Er starb an Diphtheritis in einem Berliner Krankenhaus an Goethes Geburtstag 1907. Holzamers hin- terlassener Roman „Der Entgleiste", ein ganz reifes Werk des heimatseligen Poeten, bedeutend auch als autobiographisches Dokument, zeigt in letzter Synthese Wert und Umfang einer dichterischen Persönlichkeit, dem seine wachsende gemischte Leserschar Treue bewahren wird weit hinaus über den fünfzigsten Geburtstag. Richard Elchinger
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