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er/große Reichtum.

3m Grün versteckt liegt das Häuschen. Baumkronen schatten seinen Eingang Blatt- und Astwerk verdecken seine Mauern. Ein wenig scheu, scheint sich's von der Straße zurückgezogen zu haben ein wenig neckisch, scheint sich's im Gartengrün niederzuducken. Es will nicht gesehen, nicht gefunden sein, es will sich nicht ganz in all seiner Breite be­trachten lassen. Oder es kommt sich zu klein vor neben den großen Steinklöhen, und ist verlegen und schämt sich, wie ein Mädchen vom Lande, das zum ersten Male die Stadt besucht und die kurzen Röckchen, das rote Mieder und das gestickte Häubchen, die weißen Strümpfe und ausgeschnittenen Schuhe und das grüne Schürzchen zum ersten Male als auffallend empfindet unter den vielen stolzen, vornehmen Menschen, die es angaffen. Es schlägt die Augen nieder und errötet und zieht verschämt den Nacken ein. So verschämt läßt auch das Häuschen nur einen bunten Fensterladen zwischen dem Geäst hervorlugen ein roter Steinstrich da und dort leuchtet zwischen dem Laube heraus ein schmaler Scheibenblink glitzert mit leisem Zwinkern aus seiner Heimlichkeit. Nur oben überm Dache, frei und klar, verzittert eine blasse, steile Rauchsäule in der blauen Luft.

Die Birken haben flatternde grüne Zweige, die Pappeln flüsterndes Laub, die Kastanien volle Kronen. Sie haben weiße und rote Blütenkerzen aufgesteckt, die ein wenig mit dem Winde schwanken. Weiße und lila Blü- tentrauben baumeln an den Fliederbüschen und schütten ihren Duft aus. Die Mairosen blühen auf den Beeten, und die Schling­rosen am Zaun hängen voll vow jungen Knospen. Kirsch-, Birn-, Äpfel- und Zwetschen- bäume stehen wie mächtige weiße Blüten­sträuße draußen im Felde, und von den Schlehenhecken an der Berglehne hinten streichen die Lüfte den Blütenschnee, und er fliegt mit ihnen.

Die Sonne will zum Mittag steigen und rings wird's still in Gassen, Hof und Feld, in Garten, Haus und Pfaden hoch oben in den Lüften und auf der Erde unten.

Und durch die Stille schwingt etwas durch

Der Bauer stand am Fenster und hielt die Hände gegen die Scheiben und zwang sie so, daß sie nicht zitterten. Er hatte den Kopf in den Nacken gedrückt und blickte zwischen den Kronen des Birnbaums und der hohen Pappel, die vom Fenster aus ein wenig nach rechts gerückt im Garten standen, nach dem Himmel. Die Öffnung zwischen den beiden Kronen hieß das Wetterloch auf dem Hofe da hinten herauf zogen Regen und Gewitter. Und es hing heut trübe zu in der Wettcrecke. Kam ein Wind auf, dann war's eins, zwei, drei da. Und was für ein Wetter eines von den grauen, die das knatternde Donnern haben, daß die Ziegel auf dem Dach klappern und die Fensterscheiben rasseln, als müßten sie zersprin­gen. Hie und da gab's einen leuchtenden Strich dahinter, wie wenn man mit einem

Frühling

die Luft, das macht alles stiller nur das ist wie Ton und ist wie Duft, das ist wie Schwüle und wie Frische das ist leicht wie Hauch und schwer wie Glut, das ist so süß und herb, so zart und lau, so voll und reich, das steigt aus den Poren der Erde und fährt auf den Strahlen der Sonne und dringt aus Ritzen und Mauern und Blatt und Blüte, aus Gras und Staub das glüht und webt und treibt in den Menschen, das zittert in ihnen und bangt in ihnen und singt in ihnen und weint und jubelt und lacht und träumt. And das umspinnt das kleine Haus mit tausend, tausend Fäden und Netzen, das weiß es zu finden und hineinzudringen, obgleich sich's versteckt hält hinter Busch und Grün, und nichts wissen mag vom Leben und dem, was es an Laut und Lärm hat.

Eine dunkle, runde Wolke zieht über den Himmel hin und zieht kleinere nach, und saugt sie alle in sich ein und wird groß und größer und sinkt tief und tiefer, bis sie sich nicht mehr halten kann in der Höhe und herabgießt, was ihr zu schwer geworden. Der leichte, laue Regen frischt Garten und Feld, Baum und Beet und Gras und alle Farben auf und wie nun der Himmel wieder hell geworden und die Sonne wieder hervorgekommen, spie­gelt sie ihr Licht in den glitzernden Tropsen, die verloren noch von Blättern und Zweigen fallen und jn den Halmen hängen.

Die Spatzen schilpen im Sand, die Distel­finke spektakeln im Birnbaum, die Hänflinge pfeifen im Efeu, und hoch oben auf der Spitze des Pappelbaumes sitzt die Schwarzamsel und flötet in tiefen, vollen Tönen, tief und voll und laut, und immer tiefer und voller und lauter, wie es die Nachtigall des Tages nur kann.

3m Hause ist es still. Nicht Tritt, nicht Wort, als ob es leer sei.

Fast ist es leer. Die Älteste ist früh zur Schule gegangen und ist noch nicht zurück, die Jüngeren sind ins Feld hinausgezogen, Blumen zu suchen, denn die Wiesen sind gelb von Schlüsselblumen und am Bache duften die Veilchen. Mama ist allein zu Hause.

L u l s

Schwefelholz im Dunkeln über die Wand fährt. Aber der Donner war noch nicht zu hören. Freilich, hinter den Höller Weinbergen schien's schon zu tratschen. Wenn der Teufel nur nicht sein Spiel machte und ein Wind aufkam. Dann verging keine halbe Stunde mehr. Wenn's so ruhig blieb in der Luft, nun, da hatte es Zeit. Bis es dann über den Höller Berg herauf war, verging noch ein knapp halb Stündchen, und in der Zeit der Wintern- heimer brauchte nicht auf dem Felde zu sein, um zu wissen, wie weit seine Leute waren in der Zeit waren die drei letzten Wagen da­heim. And wenn's mit diesen drei letzten noch gepackt wurde, dann hatte er, trotz dem Ge­wittersommer, sein ganzes Korn trocken heim- gekriegt, und 's mochte tratschen.

Er rieb sich die Hände. And dann er

Sie ist mit ihren Vorbereitungen zum Mittag f::t'.g, und nun geht sie von Stube zu Stube und öffnet Fenster und Laden, daß die Sonne herein kann, die Sonne und die laue Luft, der Duft der Blüten und Blätter und des frischen Holzes und der Gesang der Vögel, der mit tausend gleichen und tausend anderen Stimmen die Stille erfüllt.

Sie geht sacht und tut alles sacht, als ob jemand im Hause schliefe, dessen Traum sie stören könnte.

Dann steht sie einen Augenblick und sinnt hinaus in den Frühling. Zage hebt sie nun den Deckel des Klaviers und steht da­vor und seht einen Finger auf, und noch einen, und läßt einen dritten folgen drei, fünf, sieben Töne . . . sieben schlichte, dumme Tönte, die sie als Kind einmal hatte üben müssen und längst vergessen hatte, die sie lange, lange nicht mehr gehört und gar nie mehr selbst gespielt hat. Sie hat das Spielen längst aufgegeben, weil sie kein Talent dazu hatte. And dann die linke Hand, suchend-vorsich- tig, dann bestimmt, aber leise noch dann fest anschlagend zwei, drei, fünf, sieben Töne mit den sieben der rechten Hand zusammen immer fester, immer breiter in der Wieder­holung, dann leiser, leiser, dann verklingend, dann sich verlierend, daß die der linken Hand ein wenig denen der rechten nachschlagen: fünf drei zwei Töne und dann einer nur, der nachhält. And still dann, daß das Lied der Amsel draußen lauter tönt und lauter in seiner Fülle hereinklingt in die schweigende Stube . . . Am Fenster dann ein leises An­lehnen, ein Lauschen, ein Staunen, und etwas ganz innen im Herzen wie Fragen

ein Sinnen, ein Träumen-drei, fünf,

sieben ganz simple, nichtssagende, arme Töne und so lieb und reich auf einmal drei, fünf, sieben, leise verklingend, wehmütig ver­loren . . .

And das Lied der Amsel draußen.

Kinderjubel dann im Hofe und hoch­gehobene Sträuße lachende Gesichter und Blumengrüße für Mama . . .

guckte mal von der Seite zurück nach der Tür, die ins Schlafzimmer ging, na und dann muhte auch das andere da hinten gut abgehen, und er hatte wieder ein bißchen seine Ruhe. So, daß man die Hände auch mal in die Hosen­säcke stecken und sich mal gemächlich auf den Hof stellen und den Spatzen zugucken konnte und nicht immer denken mußte: was dann und was jetzt, was jetzt und was dann.

Er drückte wieder die Hände gegen die Scheiben, und zwar ein bißchen höher als vor­hin, als ob ec so noch etwas zurückhalten könnte, was doch kommen mußte. Es war ihm erschienen, als hab's eben einen Stotz durch die Bäume gegeben, als sei der Wind hindurch­gefahren, und er guckte ängstlich nach den Wolken, ob die rascher gingen als vorher. Rein, er hatte sich getäuscht, das Wetter war