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Jlr. 23/1920
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^tkfurt am Main j
Ludwig Steub:
Haimon und Haura / Benno und Kriemhilde
Ludwig Steub, geboren am 20. Februar 1812 in Aichach, gestorben den 15. März 1888 zu München.
Dieser bajuwarische Autor stammt aus Aichach in Oberbayern, wo sein Vater als Verwaltungsbeamter tätig war. Die Eltern übersiedelten 1822 nach Augsburg, im Jahre darauf nach München. Hier absolvierte Ludwig Steub das Humanistische Gymnasium, bezog 1828 die Universität und studierte anfänglich Philologie, später Jura.
Eine fast romantischeGelegen- heit, die Welt kennenzulernen, bot sich dem Zweiundzwanzig- jährigen, als die Griechen einen bayerischenPrinzen zumKönig wähl len. Mancher bürgerliche Griechenschwärmer gewann da die Möglichkeit, nicht mit der Seele allein das klassische Land zu suchen. Ludwig Steub erhielt 1834 eine Stelle im Büro der Regentschaft zu Nauplia und fand dann Verwendung im Staatskanzleramt zu Athen. Nach zweijährigem Aufenthalt kehrte er auf gemächlichen Wegen über Rom,
Florenz und Venedig nach München zurück. Damit waren erste Jugend und Abenteuer abgeschlossen. Steub ließ sich in der schönen Landeshauptstadt als Advokat nieder und wurde 1863 Notar, in welcher Amtierung er bis 1880 tätig blieb.
ln diesem uneinnehmbaren Juristengehäuse hat aber ein lebendiger Humorist und Dichter gewohnt, dem wie so manchem anderen die tägliche Berührung mit dem Volke zum poetischen Segen gediehen ist.
Steub war keiner von den
Nur-Träumern. Etwas gesundes, volkstümliches steckt Art, er“hat bodenständige Anschauungen und Launen.
BILD ZUR ERZAHOJNG: „HA1MON UND HAURA‘
in seiner
Eingeführt hatte sich Steub in den vierziger Jahren mit den „Bildern aus Griechenland“, die erste Reiseeindrücke gaben. Dann entdeckte er die Schönheit heimatnaher Berge. Sein Buch „Drei Sommer
in Tirol" (1846) führt in die verlorene Idylle einer für den Fremdenverkehr noch unent- d eckten Landschaft. Die Impressionen des echten, selbstherrlichen Wanderers vermehrt und vertieft Ludwig Steub mit den Schriften „Das bayerische Hochland“ (1860), „Wanderungen im bayerischen Hochland“ (1862), „Herbsttage in Tirol“ (1867). Aus dieser frischen Atmosphäre strömen dem Erzähler auch die Geschichten zu: „Novellen und Schilderungen“ (1853), „Der schwarze Gast“ (1863), Die Rose der Sewi“ (1879), Steubs gesammelte Novellen erschienen 1881. Auch in späteren Jahren ir^des blieb dem Dichter die allgemeine Anerkennung versagt, um die er mit künstlerischer Bescheidenheit kämpfte. Ludwig Steub durfte 1884 Griechenland Wiedersehen, und das hat ihn gewiß tiefer beglückt als der kleine Orden letzter Verdünnung, mit| dem sein Landesherr die poetischen Verdienste eines Aufrechten belohnen zu können glaubte. Zwei Jahre vor seinem Tode wurde der ethnologische Durchforscher der rhätischen Alpen von der ganzen Universität zum Ehrendoktor ernannt. Der Nachwelt ziemt es, sich mit etwas Liebe dem dichterischen Lebenswerke eines wahrhaft deutschen Humdristen zuzuwenden, von dem die Kunde überliefert wird, er habe die oculi alroces, die mannhaften Augen der alten Germanen gehabt. Richard Elchinger
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