Jlf. 51/1920
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Carl Sternheim
Napoleon
Carl Sternheim, geboren am 1. April 1878 in Leipzig, lebt in der Schweiz. Sternheims Name, viel genannt heute, hitzig befehdet, tauchte um 1910 in der Literatur auf, damals als Reinhardt im Deutschen Theater zu Berlin das Lustspiel „Die Hose“ aufführte.' Anonym war bis dahin des Autors Lebensgang. Auch dieser echte Berliner ist in Leipzig geboren. Den Knaben umschloß Theatermilieu, das wirksam geworden, wenn feuch später erst. Der Vater war Direktor des Belle-Alliance-Theaters. Davon verblieb dem Eiben Sinn für Komödie. Altmodische Perspektive wurde überwunden und grundsätzlich gewechselt. Der Jüngling besuchte Schulen in Hannover, Halberstadt und Berlin, Universitäten in München, Göttingen, Bonn und Freiburg. Ein erster Dramenversuch auf Bütten, „Don Juan“ (1912), hatte noch nicht die zupackende Kraft nachfolgender Komödien, „Die Kassette“ fiel 1912 im Münchener Residenz-Theater durch,- aber mit so freundlich lautem Lärm, daß man aufmerksam wurde. Der „Bürger Schippel“ und „Der Snob“ machten des Ironikers Ziel allgemeiner erkennbar. Weiterhin beruhte - der äußere Bühnenerfolg der Sternheimschen Komödien auf einem Mißverständnis des Publikums, dieweil man die negativen Sternheimschen' Helden für Harlekins nahm, erfunden nicht zur Ernüchterung, sondern zur
9tapoIcoix mürbe 1820 jtt 9Q3<ifcvfoo im Eckhaus, vor dem sich die Steinwege nach Mvelles unb Gennppes trennen, geboren. Sein Kinderleden verlieh historischen Boden nicht.
über die durch Hohlwege gekreuzten Flächen, auf denen des Kaisers Kür-asstere in Knäueln zu Tod gestürzt waren, gingen seine Soldatenspiele mit Gleichaltrigen. Sie lehrten ihn ewige Gefahr, Munden und Sieg.
Zwölf Jahr alt, nahm er von Kameraden
Napoleon
beherrschten Abschied, sprang zum Vater in die Kalesche und fuhr nach Brussel hinüber, wo er vor ein Gasthaus abgesetzt würbe. 3n der Küche des Lion d'Or lernte er Schaum schlagen, Fett spritzen, schneiden un-d schälen. Gewohnter Überwinder der Kameraden aus weltberühmter Walstatt, ließ er auch hier ganz natürlich die Mit- lernende» hinter sich und war der erste, der die Geflügelpastele nicht nur zur Zusriedeu- heit deS Chefs zubereilele, sondern auch nach den Gesetzen zerlegte.
Belustigung des Zuschauers. Die Aufführung des Schauspiels „1913" ließ ein Kunstwerk ahnen, tieferen Zusammenhang zwischen dem Dichter und seiner Gegenwart. Das Dutzend Komödien „Aus d:m bürgerlichen Helden- lebc-n“, mit dem Sternheim schließlich breiten Raum gewann, erweckte ungewollte Gegnerschaften auch im politischen Parkett. Immerhin: Sternheims Attacken, wie der Roman „Europa“ (1920) oder die alerjüngste, auf die Reichshauptstadt; „Berlin oder Juste Milieu“, diese gepfefferten Aktualitättn erscheinen uns weniger entscheidend als jene Prosa wie „Napoleon“, mit welcher der Dichter 1915 seinen Erzählerruf dauernd begründet hat. In dieser Sternheimschen Prosa ist gestaltende Kraft, Tempo, eine kokette Optik der Worte, die überraschende Perspektiven gibt. Die Kämpfe gegen und für den Dramatiker Sternheim, der nicht als Satiriker genommen sein will, sondern Weltgericht zu sein prätendiert, sind noch nicht entschieden auf den Breitem der Schaubühne. Aber in der Sammlung von Erzählungen „Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn“, findet auch der unentschiedene Snob, zweifelnd noch, ob er hassen soll oder lieben, die künstlerische Abgleichung eines Dichterwillens, dessen gestellter Bogen gespannt erscheint zwischen dem Unausstehlichen und dem Unwiderstehlichen.
Richard Elchinger.
Er selbst blieb von allen Speisenden der einzige, den der Vol-au-vent' nicht befriedigte, doch nahm er Lob und ehrenvolles Zeugnis hin, machte sich, siebzehnjährig, auf den Weg und betrat an einem Maimorgen deS Jahres 1837'durch daS Sankf-Mart!nS-Tor Paris.
Als von einer Bank am Flussuier er die strahlende Sfadf und ihre Bewegung übersah, wurde ihn: zur Gewissheit, was in Brüssel er geahnt: Nie würde aus den allem Berkehr
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