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Fünfte Fabel.

Der Hirsch am Bache.

Ein Hirsch trank auS einem hellen Bache, und sah im Wasser sein Bild. Wirk, lich, rief er selbstgefällig, die Natur machte an mir keine'Stiefmutter! Wie prach tig ist mein Geweih! wie edel und schlank der Bau meiner Glieder! Nur meine Schenkel sollten etwas besser gebaut seyn und ich könnte, mich mit den schönsten Thieren messen.

Itzt ertönten Jagdhörner, und der Hirsch sah schon die Hunde der Jäger bel­lend auf sich zueilen. Rasch setzte er über die Felder weg, und eiste auf einen Wald zu. Schon hatte er denselben erreicht, und die Hunde waren noch weit hinter ihm. Da er sich aber in das Dickigt retten wollte, blieb er mit seinem Geweihe an den Aesten eines Baumes hängen. Die Hunde kamen bey, und rissen ihn nieder. Ach ,ch Unglücklicher! rief er, indem er verschied. Wie thöricht war ich! Ich hielt meine Freunde für meine Feinde, und meinen Feind für meinen Freund. Die Schenkel, die ich'tadelte, hatten mich beynahe schon gerettet; aber das Geweih, das ich so hoch priest, ist Schuld an meinem Tode.

Lehre.

Oft halt der Mensch etwas in seinem Wahne für Glück, was in der That sein größtes Unglück ist.

Erstes Heft.

B