Naturgeschichte des Hirsches.
Der Hirsch zeichnet sich besonders durch seinen edlen schlanken Körperbau und durch sein prächtiges Geweih (so nennt man seine Hörner) aus. Dieses Geweih stößt sich der Hirsch im Februar ab, und dafür wachst ihm ein neues, welches im August wieder völlig so hart ist, als das vorige, und mehrere Zacken oder Ende hat, als das vorige. Die gemeine Farbe des Hirsches ist roth, mit verschiedenen Abänderungen. Es giebt gemeinrothe, bräunlichrothe, und gelbrothe. Weiße Hirsche sind selten. Der Hirjch hat ein gutes Gesicht, ein vorrrefiiches Gehör, und einen scharfen Geruch; Er ist listig und neugierig. Wenn nran ihm pfeift, oder von weitem zuruft, so bleibt er gleich stehen, und pflegt Wagen, Vieh und Menschen mir einer Art von Verwunderung anzustaunen. Haben die letzter» keine Ge, wehre oder Hunde bey sich, so geht er mit gesetztem, abgemessenem Schritte weiter, und verfolgt seinen Weg ungestört, ohne zu entfliehen. Sonst aber, wenn ihn Jäger und Hunde verfolgen, läuft er mit großer Geschwindigkeit. Er kann im Springen aufserordentliche Sätze machen, und mit Leichtigkeit über Flüße und Seen schwimmen. Er nährt sich im Herbste von den Knospen und Blättern des Gesträuches, im Winter von abgeschällter Baumrinde, Moos u. dgl., und wenn kein Schnee liegt, von der Saat. Im Frühlinge frißt er die Kätzchen der Aes- pen, der Smnpfwciden und Haselsträuche, im Sommer allerley Eerraide und Blat- ter. Im Frühlinge und im Winter pflegt ein Hirsch wenig, oder gar nichts zu trinken. Er findet Feuchtigkeit genug an den Krautern. Im Sommer trinkt er aus Bachen, Sümpfen und Quellen. Ausser dem Hirschwildpret wird besonders von den Hirschen die Haut genutzt. Man macht daraus Beinkleider, Degengehänge, Stiefeln, u. s. f. das Geweih verbrauchen die Messerschmiede zu Schaaleu, «. dgl. Es giebt noch eine andere Art von Hirschen, die sogenannten Damhirsche, die kleiner, und minder wild sind, und oft Heerdcnwcise mit einander ziehen. Ihre Blume (d. h. der Schwanz) ist langer als beym Hirsche, und ihr Haar ist heb- ler, dünner und platter. Er giebt braune, gefleckte und ganz weiße Damhirsche.. In der Lebensart haben sie das meiste mit oen Hrrjcheu gemein.
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