Etwas von den Flußgöttern.
Die Bedürfnisse des Lebens veranlaßten bey der noch rohen und ungebildete« Menschheit eine große Anzahl von Göttern, und bewogen die Heiden, fast alle Theile der Welt, besonders aber die vier Elemente zu vergöttern. Daher ward auch das Wasser sehr frühe von ihnen mit Göttern bevölkert. Die Flüsse machen die Erde fruchtbar, sie tragen Schiffe, sie nähren Fische, und erwecken durch ih- ren Anblick den Gedanken des Erhabenen und Großen. Sie treten auf der andern Seite auch manchesmahl aus, und überschwemmen ganze Gegenden. Nichts war natürlicher, als daß Menschen, die noch gar keine Kenntnisse von der Natur hatten, alle diese guten und schädlichen Wirkungen unsichtbaren Wesen zuschrieben, welche in den Flüssen wohnten; daß sie ihnen durch Opfer dankten für den Segen, den sie über das Land ausgossen, und daß sie durch Opfer den Zorn derselben zu besänftigen suchten, wenn sie allenfalls ausgetreten, und eine ganze Gegend verheert hatten. So betheten die Egyptier den Nil an, der jährlich austritt, und durch den fetten Schlamm, den er zurück läßt, das Land fruchtbar macht; die Scythen betheten die Donau an, und andere Völker betheten andere Flüsse an. Man fand in den Tempeln dieser Völker nebst den Bildnissen anderer Götter auch die Bildnisse von den Meer- Fluß- und Brunnengöttern. Die Flußgötrer bildete man ge, wöhnlich auf folgende Art ab. Sie hatten lange benetzte Haare, und trugen auf dem Haupte eine Krone von Schilf. Zuweilen hielten sie auch verschiedene Wasser, pflanzen oder ein Steuerruder in der Hand. Neben ihnen stand gewöhnlich ein umgestürzter Krug, aus dem Wasser zu strömen schien, und anf den sich der Flußgott mit der Hälfte des Körpers lehnte.

