Adelheid. Du machest es wohl auch so?

Emilie. Ich gehe nur mit meiner Mutter aus, und die laßt sich nicht von meinem Vater begleiten. Sonst gicn- gen sie zusammen in die Kirche und zum Abendmahls; seit­dem dieses au« der Mode gekommen ist, unterlaßt es auch meine Mutter, wenn gleich der Vater bei seiner alten Mode bleibet. Aber Wilhelm hat mir gerathen, wenn ich nicht ausgelacht sein wollte, sollte ich meinen Vater auch belachen. Ueberhaupt ist da« unter den jungen Leuten Sitte.

Adelheid schlug die Hände über den Kopf zusammen, und fieng an zu weinen. Ich kann dich nicht mehr ohne Wehmuth ansehen! sagte sie dann. O, wie verdorben seid ihr Menschen in der Stadt, wenn alle nach der Mode le­ben, die du hast. Das Gebot, du sollst Vater und Mutter ehren, ist schon sehr alr, aber für gute Menschen gewiß nicht zu alt. Ich habe alle mögliche Achtung vor deinem Vater: denn c» ist einer der redlichsten Menschen, wie unser Vater gesagt hat, und du, seine Tochter, verachtest ihn, den du doch alle« zu verdanken hast! Willst du denn nicht Gott wohlgefällig leben i

Emilie. Ach, liebe Adelheid, du weißt c« gar nicht, wie es in der Stadt ist. An Gott darf man nicht mehr den­ken. Einmal habe ich von Gott gesprochen, und die ganze