legen. Im Gegentheil erhielt ich erst gestern wieder einen Beweist ihrer Gefälligkeit. Ich ließ sie bitten, mir ein Buch zu leihen, das sehr kostbar ist, mir aber in meinen Unter­richtsstunden nothwendig war; und ohne Um­stände schickte sie es mir sogleich. Daher will ich wegen der erfahrenen kleinen Ver- nachlaßigung gerne ein Auge zudrücken."

Auch gegen die Dienstboten war Lida freundlich und nachsichtig. Einmal sollte z»m Mittagessen eine gcbackene Eyerspeise, die ein Leibgericht von Lida war, auf den Tisch kommen. Allein sie mißrieth der Köchin voll- kvnime». Man konnte sie kaum genießen, und die Mutter war im höchsten Grad unwillig darüber. Da bat die sanfte Lida süß und dringend:Verzeihe es, Mütterchen! Susann« kocht doch ausserdem recht gut, und ist übri­gens brav; drücke doch dießmal ein Auge zu; sie wird künftig achtsamer seyn." Frau Eranberg küßte ihr Tdchterchen herzlich, und gewahrte ihr die Bitte um so bereitwilliger, da sie wußte, daß Lida selbst einen Genuß durch die verunglückte Speise verloren hatte.