Eine arme Frau nahm ihren Sohn Peter und ihre kleine Tochter immer mit in den Wald zum Reisigsammeln.

Peter war ein rascher anstelliger Bube und half der Mut­ter treulich und fleißig sammeln. Ja, Mutter, sagte er eines Tages, Holz zum Brennen hätten wir schon genug, wenn wir nur auch etwas anderes daran zu kochen hätten, als Kartoffeln.

Ja, Peter, wenn dein Vater noch lebte, da konnte auch wohl mitunter zu Fleisch Rath werden, aber so müssen wir warten bis du groß wirst.

Nun Mutter, ich konnte dir auch wohl jetzt schon einen Braten verschaffen, meinte Peter, ich habe neulich Knaben auf die Jagd gehen sehen, die nicht großer waren, als ich.

Ja, aber die hatten gewiß Flinten, Peter.

Freilich wohl, aber ich denke, eS müßte auch ohne Flinte gehen, wenn du mich nur machen ließest.

Nun meinetwegen mache was du willst, nur nimm Nie­manden etwas weg.

Bewahre mich Gott, Mutter, da wäre ich ja ein Dieb. Aber die Hasen und Rebhühner treiben sich ja frei in Wald und Feld umher, die gehören Niemand, das ist ja kein Stehlen.

Nun gut, fange nur etwas, sagte die Mutter, braten will ich schon.

5 c r wilde Jäger.

Den andern Tag machte sich Peter zuerst auS einem alten Sack eine Jagdtasche, wie er es bei Jägern gesehen, dann suchte er sich einen großen langen Knittel, nahm diesen wie die Jäger ihre Flinte unter den Arm und strich in Wald und Feld um­her, wenn die Mutter nichts für ihn zu thun hatte. Er ist ja noch ein Kind, dachte diese, er muß ja auch sein Spiel haben, arbeiten muß der arme Junge schon so genug.

Mit PeterS Jagd ging es aber wie mit vielen Jagdlieb­habern, er brachte niemals ein Stück Wild nach Hause, wohl aber hatte er in seiner Jagdtasche oft Nüsse, Beeren, wilde Aepfel, einmal auch Kibitzeier und einst gar einen Igel. Aber den kann man ja nicht essen, sagte die Mutter und warf ihn vor die Thür, wo er am andern Morgen verschwunden war.

Ja Mutter, sagte Peter, das geht nicht so gleich, wie du denkst, man muß erst die Orte kennen lernen, wo die Hasen viel zu laufen pflegen und dann gehen alle Jäger früh am Morgen aus, wo ich mit dir Reisig sammeln muß. Wenn ich nur ein Mal früh morgens auf die Jagd könnte, da würde ich schon Etwas mitbringen.

Nun meinetwegen geh auch einmal am Morgen, sagte die Mutter, ich werde schon allein so viel Reisig zusammen bringen, wie wir zum Braten deiner Beute gebrauchen.

Am andern Morgen machte sich Peter bei Zeiten auf, er wußte am Rand des WaldeS einen Ort, wo die Hasen in'S Feld zum Fressen zu gehen pflegten. Er hatte gesehen, daß sich dort oft Jäger auf den Anstand stellten und die Hasen nieder­schössen , wenn sie in's Feld liefen. Er wußte sogar noch ganz genau den Baum, wo letztlich ein schöner großer Hase in'S Feld gelaufen war, dahin lenkte er seine Schritte.

In einiger Entfernung von diesem Baum sah er richtig wieder zwei Jäger auf dem Anstand. O ihr wißt nicht die richtige Stelle, dachte Peter, wart ich komme euch zuvor; ich stelle mich hinter den Baum und wenn der Hase vorbei läuft, da gebe ich ihm einö auf den Kopf, ehe ihr ihn noch bemerkt habt.

Voll froher Hoffnung schlich er zu seinem Baume. Dort stand er wohl eine Stunde regungslos und sah in den Wald hinein, aber kein Hase kam.

Unterdeß ging die Sonne auf und ihr fröhliches Licht glänzte vor ihm auf der Wiese in den Thautropfen. Aha jetzt ist die rechte Zeit, dachte er, jetzt werden die Hasen aufwachen und frühstücken wollen.

Da raschelte es im Laube, da wo die Jäger standen, Peter sah den einen seine Flinte an die Schulter legen und den

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