Der S ch u tz g e i A.

Ihr müßt einen Hund haben, sagte der alte Vater zu sei­ner Tochter, der Pachterin, die zum Besuche da war; meine alte Diana hat Junge, suche dir davon einen aus.

Ach Vater, sagte die Pachterin, ein so großer Hund frißt viel und bellt jeden Augenblick und erschreckt die Leute.

Ach Mutter, die jungen Hunde sind ja ganz klein, sagte ihre Tochter Henriette, o laß unS einen mitnehmen, da der Großvater es erlaubt.

DaS verstehst du nicht, sagte die Mutter, so ein kleiner Hund wird bald groß. Ich kann einmal die Hunde nicht lei­den, sie laufen einem überall nach und haben doch eigentlich gar keinen Nutzen, wie z. B. eine Kuh oder ein Pferd.

O, sie haben wohl großen Nutzen, sagte der alte Groß­vater, meine Diana ist mir lieber als Haus und Hof. Sie hat mir und dir das Leben gerettet und der seligen Großmutter dazu.

Ach erzähle mir doch, wie das war, bat Henriette.

Das sind jetzt 8 Jahre her, sagte der Großvater, die alte Diana war damals noch ein junges Thier, aber treu und brav war sie schon von jeher. Dazumal hatte ich einen bösen Kerl als Knecht, der nicht arbeiten mochte, aber sich öfters betrank und sogar anfing mich zu bestehlen.

Ich jagte den schlimmen Menschen aus dem Hause und alö ein Bauer aus eurem Dorfe ihn in Lohn nehmen wollte und sich bei mir nach ihm erkundigte, da sagte ich's ihm gerade heraus, der Kerl tauge nichts. So wollte ihn zuletzt kein Mensch mehr in Dienst nehmen und wie es schlechte Menschen machen, suchte er die Schuld nicht in seinem eigenen Übeln Be­tragen, sondern meinte, ich sey die alleinige Ursache davon und schwur mir Rache. Eines Tages, wie ich und die Groß­mutter im Garten beschäftigt waren, schlich er sich in's Haus, wo nur Diana in der Stube lag. Der Kerl lockte sie an sich und da er lange im Hause gewohnt, so dachte wohl der Hund bei seinem Erscheinen nichts Arges. Aber der Spitzbube setzte einen Stuhl vor den Wandschrank dort, worin ich immer mein Geld aufhebe und versuchte ihn aufzubrechen. Da fing Diana an zu bellen. Der Kerl erschrack und suchte sie wohl zu be­schwichtigen, aber sie bellte immer lauter, so daß ich aus dem Garten in's Haus eilte, um nachzusehen. Ich kam dazu, als der Kerl eben mit einem Besenstiel dem Hunde über den Kopf schlug. Diana fuhr wüthend auf ihn los und riß ihn zu Boden, so daß ich dazu treten mußte, um sie fortzujagen.

Was machst du in meinem Hause, du wüster Gesell? fragte ich ihn.

Der Hund hat mich auf der Straße angefallen und mich bis hieher verfolgt, sagte er, Sie könnten wohl solche böse Thiere an die Kette legen. Ich bemerkte aber schon den Stuhl vor dem Wandschranke.

Dich sollte man an die Kette legen, Spitzbube, rief ich, riß ihm den Besenstiel aus den Händen, prügelte ihn weidlich durch und jagte ihn zur Thür hinaus.

Von da ab ließ ich Diana deS Nachts in der Stube vor meinem Bette schlafen. Es mochte drei oder vier Nächte dar­auf seyn, als der Hund des Nachts an zu bellen fing. Ich stand auf, Diana bellte gegen das Fenster. Ich machte das Fenster auf, draußen war Alles ganz ruhig. Ich legte mich wieder, aber Diana bellte von Neuem jetzt gegen die Thür, an der mir auch etwas zu kratzen schien. Ich sprang dahin, konnte aber die Thür nicht öffnen. Erschreckt eilte ich wieder zum Fenster, da bemerkte ich im untern Rahmen desselben einen Nagel eingeschlagen, so als ob man das Fenster hatte zunageln wollen. Ich weckte die Großmutter und folgte Diana, die mit wüthendem Gebelle durch's Fenster in's Freie sprang. Draußen sah ich gleich die ganze Bescheerung. Das auf der Flur liegende Heu brannte lichterloh und ein Mensch eilte durch den Garten davon, Diana hinter ihm her. Ich weckte den neuen Knecht,