wir liefen nach Wasser und löschten glücklich noch das Feuer. Diana hatte den Fliehenden so zerbissen, daß er im Dorfe lie­gen blieb. Es war derselbe fortgejagte Knecht und er gestand später, absichtlich Thüren und Fenster vernagelt zu haben, um uns alle sammt dem Hunde und Hause zu verbrennen. Er sitzt noch heute im Zuchthause.

Darum folge dem Rathe deines alten Baters, liebe Toch­ter, und nimm dir einen Hund mit, einen von Diana'S Kin­dern, er bringt dir Segen in's Haus, denn Diana ist einmal der Schutzgeist unserer Familie.

Nun meinetwegen, sagte die Pachten», Henriette mag einen aussuchen.

Henriette wählte den größten und stärksten von allen und der Großvater taufte ihn Waldmann. Der Hund wuchs heran, wurde zwar sehr hübsch und stark und war freundlich gegen alle Hausgenossen, aber von einem Nutzen oder Dienst war noch nichts zu sehen, wie die Pachtern! meinte, obschon er jetzt schon über 6 Jahr alt war.

Doch der Nutzen kam. Eines Tages iin Herbst wollte sie mit ihren Kindern den Großvater besuchen, um ihm einen Korb voll Weintrauben zu bringen. Das Dorf, worin der Großvater wohnte, lag etwa eine halbe Stunde von ihrem Dorfe jenseits des Flusses.

Nehmen wir Waldmann mit, liebe Mutter? fragte Henriette.

Bewahre, der Hund hat ja nicht Platz im Boot und zu­dem fürchtet sich ja die kleine Jda vor ihm.

Das wird dem Hunde aber schwer werden, so allein zu Hause zu bleiben. Hier Waldmann, lieg still, du darfst nicht mit. Sieh Mutter, wie er mit dem Schwänze wedelt.

Nun kümmere dich nur nicht weiter um ihn, da ist der Korb mit Weintrauben, spute dich, wir müssen fort.

Die Mutter nahm die kleine Jda auf den Arm, Henriette den Korb mit Weintrauben.

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Waldmann stand schüchtern wieder auf und schlich sich mit !! gekrümmtem Rücken zu Henrietten. Er sah sie so bittend an, daß es ihr ordentlich schwer wurde, ihn zum zweiten Male zur 1 Ruhe zu verweisen. Als sie ein Stückchen gegangen waren, I kam Waldmann auf einmal im vollen Laufe mit großen Sätzen hinter ihnen her.

Ach du garstiges Thier, willst du gleich nach Hause! rief die Mutter. Fort! Henriette sieh dich nicht nach ihn, um! Be­trübt blieb Waldmann zurück, aber als die Pachterin sich nach I einiger Zeit umsah, bemerkte sie, daß er in der Ferne langsam nachschlich. Henriette mußte ihm mit einem Stocke drohen und zuletzt sahen sie ihn nicht mehr, bis sie an den Fluß kamen, wo auf ihren Ruf ein Fischermädchen aus dem Fährhausc kam, um sie überzusetzen.

Als sie in's Boot steigen wollten, sahen sie Waldmann auf dem Boden desselben lang ausgestreckt liegen, den Kopf auf den Vorderpfoten. Kein Rufen, kein Drohen half, er regte sich nicht. DaS Fährmädchen stieß ihn mit der Ruderstange, er zeigte knurrend die Zähne, aber er stand nicht auf.

Nun dann laßt ihn nur, sagte zuletzt die Pachterin, wir haben uns schon lange genug mit dem dummen Hunde aufge­halten, ein ander Mal binden wir ihn zu Hause an, steig ein Henriette.

Als sie vom Lande abgestoßen waren und daS Boot in der Strömung etwas schaukelte, fing die kleine Jda an zu schreien und konnte gar nicht wieder beruhigt werden, so daß die Pachterin sie zuletzt hinter sich auf daS Eck-Brett des Boo­tes setzte, um sie zu beschwichtigen. Auf dem Flusse schwammen große grüne Blätter von Wasserpflanzen, worüber das Kind sich freute. Die Mutter wollte ihm eins davon pflücken, das Blatt saß aber mit dem Stengel fest am Boden, sie zog heftiger, das Boot beugte sich schief und die kleine Jda stürzte in's Wasser.

Rasch riß der Fluß das jämmerlich schreiende Kind mit sich fort, daS Boot konnte in rascher Fahrt nicht so gleich gehemmt und umgedreht werden, auch verloren die Mutter sowohl, wie Henriette und daS Fährmädchen gleich alle Ueberlegung und be­gannen noch fürchterlicher zu schreien als das Kind.

Nur Waldmann behielt volle Besinnung und sah gleich, waS zu thun war. Mit einem furchtbaren Satz sprang er in'S Wasser und schwamm hinter dem Kinde her. Er packte es, alS eS eben unterzusinken begann, noch glücklich mit der Schnauze am Kleide und schwamm mit dem schreienden Kinde rüstig nach dem Boote zurück.

O der brave, herrliche Hund! riefen sie im Kahne und fal­teten zum Danke gegen Gott die Hände. Waldmann, guter lieber Waldmann, hierher, hierher! Waldmann war schon da, mit letzter Anstrengung hub er das schwere Kind etwas in die Höhe, daß die Mutter eS erfassen konnte; dann sank er matt in's Wasser zurück.

Er ertrinkt, der gute Hund ertrinkt! schrie Henriette. Die Mutter war noch zu erschrocken, sie drückte daö nasse Kindchen an sich und achtete auf nichts weiter. Aber bald erschien Waldmann's Kopf wieder neben dem Boote, freundlich sah er mit seinen treuen Augen zu Henrietten auf und schwamm gu­ter Dinge neben dem Kahne an's Land, wo er sich kräftig daS Wasser abschüttelte, daß es weit umherspritzte.

Seht ihr, sagte der Großvater, als er die Geschichte er­fuhr, jetzt fängt der Waldmann seinen Familienschutz an, denn die alte Diana ist gestorben. Nun Kinder haltet und pflegt Waldmann gut, wie ich die alte Diana, die nun todt ist, wie ich eS auch bald seyn werde. Aber da ich heute noch lebe, so will ich mir eure schönen Trauben gut schmecken lassen.