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Schmidt fuhr noch halb im Traum in seine Kleider. Wo ist Ihre Flinte, Müller? murmelte er.

Dort in der Ecke.

Das scheint ja eine ganz gewöhnliche Doppelflinte.

Nun, ganz gewöhnlich ist sie nicht. Freilich Ihre ist kost­barer und eleganter.

Spotten Sie nicht, Müller! ich bin fertig.

Die klare Morgenluft verwehte bald Herrn Schmidt'S dü­stere Nachtgedanken und fröhlichen Muthes umsprungen von ihren Hunden überschritten die beiden jungen Leute ihre Jagogränze.

Da sitzt wahrhaftig gleich ein Häschen, jubelte Schmidt. Zurück ihr Hunde! und hastig schlug er auf den Hasen an.

Halt! sagte Müller, hier ist das zweite Geheimniß.

Zum Teufel mit Ihren Geheimnissen, sehen Sie nicht, daß der Hase schon davon läuft? Er schoß, während Müller ruhig sagte: Ja, der wird jeden Falls davon laufen.

Schmidt sah ihn verdutzt an, als der Hase verschwunden war. Beide schwiegen und gingen weiter.

Da fliegt ein Birkhuhn auf, schießen Sie mit dem linken Laufe! sagte Müller leise, sein Gewehr auf das Thier richtend.

Ich schieße sicherer mit dem rechten Laufe, sagte Schmidt, während Müller bereits schoß. Das Birkhuhn fiel und die Hunde apportirten es.

Sie müssen aus mich hören, lieber Schmidt, und nicht un­nütz zögern.

Aber warum mit dem linken Laufe? Sie haben ja auch mit dem rechten geschossen.

Ja, mit meiner Flinte ging es ja noch mit dem rechten, aus ihrer aber konnten Sie nur noch mit dem linken Lauf tref­fen. Lassen Sie uns jetzt wieder laden!

Ich will Ihnen künftig folgen, sagte Schmidt und lud eif­rig den linken Lauf, obschon noch ein Schuß darin steckte. Müller bemerkte es nicht.

Beim nächsten Schuß gab der Flintenkolben Schmidt eine Ohrfeige, daß er fall hingestürzt wäre und er fehlte natürlich daS Wild.

Sehn Sie, daß ich Recht hatte, sagte er, der linke Lauf meiner Flinte muß nichts taugen, er stößt furchtbar.

Nun nehmen Sie meine Flinte, sprach Müller und lud den linken Lauf der Schmidt'schen, wobei er zugleich ein Zündhüt­chen auf das rechte Schloß setzte, weil er keins darauf vorfand.

Sie gingen mit getauschten Flinten weiter. Nach einiger Zeit brachten die Hunde wieder einen Hasen über das Feld gejagt.

Aha, sagte Müller, der wird auf die Ecke veS Gebüsches links zu laufen. Schleichen Sie schnell dorthin, lieber Schmidt, aber schießen Sie nicht zu früh.

Entschuldigen Sie, Freund Müller, aber ich habe auch meine Augen und sehe, daß der Hase gerade hierher gelaufen kommt. Gehen Sie doch selbst an jene Ecke!

Wie Sie wollen, sagte Müller und eilte fort.

Es ist zum Berzweifeln, sagte Schmidt, der Hase ändert wahrhaftig seinen Lauf, ich fange wirklich an, Herereien zu glauben.

Piff knallte Müller's Zündhütchen, erschreckt wandte der Hase dahin um, wo Schmidt stand. Dieser schoß und der Hase stürzte.

Ja, schrie Schmidt, jetzt weiß ich, woran es gelegen hat, alter Freund! Wie viel wollen Sie für Ihre Flinte haben, lieber Müller?

Daran liegt es nicht, lieber Schmidt, Ihre Flinte ist bes­ser als meine, ich würde auch mit ihr getroffen haben, aber Ihr rechter Lauf war ja nicht geladen.

Sie sagten mir ja selbst, mit dem linken zu schießen.

Ja damals, als der rechte bereits abgeschossen war. Aber ich habe Sie doch später laden sehen?

Ja wohl, aber ich lud den linken Lauf.

Der war ja noch geladen Ja, wenn Sie zwei Ladun­gen im Lauf haben, da muß das Gewehr stoßenes hätte so­gar springen können, Freund.

Ach, sie kommen schon wieder mit Ihren Absonderlichkei­ten, aber ich glaube Ihnen jetzt ihre Geheimnisse abgesehen zu haben. Kurz und gut, verkaufen Sie mir Ihre Flinte!

Nun, was soll ich auf die Ihre zugeben?

Ist daS wirklich Ihr Ernst? Ich will Ihnen noch zu­zahlen, wenn Sie tauschen wollen!

Nicht doch, nicht doch, Sie haben Schaden, lieber Schmidt!

Das ist meine Sache. Wir tauschen also! Schlagen Sie ein!

Nun meinetwegen, wenn Sie durchaus wollen.

Der Tausch war abgemacht, beide Freunde luden und die Jagd ging weiter.

Doch daS Jagdglück hatte sich keineswegs gewandt, wie Schmidt geglaubt hatte, er schoß den ganzen Tag nichts weiter aus seinem neuen Gewehr, Müller aber schoß nach und nach noch so viel Geflügel, daß seine Jagdtasche ganz voll wurde.

Müde streckten sie sich am Abend nieder, Müller zählte sein Wild, Schmivt war nachdenklicher und verdrießlicher, denn je.

Müller, fing er an, wozu die Umstände! Sagen Sie mir gerade heraus Ihre Geheimnisse! Das Grübeln darüber wird mir unerträglich!

Haben Sie mir denn wirklich gar nichts abgesehen? fragte Müller.

Nichts, auch nicht das Geringste, darum sprechen Sie oder ich vergehe vor Aerger.

Nun, ich will schon sprechen, aber Sie müssen ruhig blei­ben, Freund! und nicht auffahren.

Müller, ich glaube, Sie halten mich für eine Memme, sagte Schmidt feierlich, sprechen Sie, ich bin aus Alles gefaßt! Dabei warf er seine Mütze auf seine Jagdtasche.

Nun, so hören Sie, guter Schmidt! Die ganze Sache ist in zwei Worten gesagt: ich schieße gut und Sie schlecht.

Was?-schrie Schmidt zurückfahrend.

Sie versprachen ruhig zu bleiben, fuhr Müller fort. Blei­ben Sie auch künftig auf der Jagd ruhig, schießen Sie nicht zu früh, nicht zu spät, denn in beiden Fällen ist das Wild zu entfernt. So werden Sie nach und nach treffen lernen, so wie ich.

Und Ihre Tyroler und Amerikanischen Geheimnisse ?

Das sind sie, weiter nichts! Von erfahrenen Jägern habe ich Ruhe, Kaltblütigkeit, Warten und Ueberlegen gelernt: andere Jagdgeheimnisse giebt es nicht!

Druck der Cs. Hoff in an »'scheu Disteln in Stuttgart.