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Gäle Mcke.
Der König von Preußen, Friedrich der Große, hatte im Jahre 1745 Schlesien zum zweiten Male erobert. Wenn sich einer aber ein neues Haus oder Garten erwirbt, über dessen Besitz er vorher mit seinem Nachbar prozessiren mußte, so verhängt er im Anfange die Fenster, welche in Nachbars Hof gehen, macht den Zaun um den Garten höher, und untersagt den Kindern, hinüber zu gehen und dort eine Frucht zu holen. — So machte es auch der König mit Schlesien, und verbot seinen neuen Kindern, gewisse Lebensmittel und Waaren aus dem benachbarten Sachsen und Böhmen über die Grenze zu bringen. Das war nun seine Sache, das Gehorchen aber wäre ihre Sache gewesen. Die verbotenen Früchte waren jedoch viel wohlfeiler im Auslande und durch den Pauschhandel große Summen zu gewinnen. Da dachte denn der König, der die Menschen wohl kannte, es hilft dir nichts; die bloßen stillen Grenzhügel machens nicht aus: du mußt schon jemand darauf stellen, der zwei scharfe Augen hat! — und somit ernannte er eine Menge Grenzjäger, die aufpassen und auf die Schleichhändler Jagd machen mußten. Sie hätten manchen verschmitzten Buben immer fangen mögen, wenn sie ihn nur ertappt hätten, daß aber der arme Wendler fast mit zuerst daran kam, hat ihm sein Lebtag leid gethan. Dieser Wendler war ein wohlhabender Mann, besaß ein Bauerngut und war aucb ein glücklicher Mann, denn er hatte ein gutes Weib, vier hübsche Kinder und ein zufriedenes Herz. Seine Schwester war nahe an der Grenze im Sächsischen verheirathet, und zu dieser nahm er jetzt seine Zuflucht, denn das Gewitter hatte im Spätherbst in eine Scheune eingeschlagen, und die Flamme die ganze reiche Ernte verzehrt. „Schwager!" sagte er, „du mußt mir mit Brotkorn aushelfen, das Saatgetreide will ich mir wohl kaufen!" Und

