kein Ende nehmen und die Macht, mit welcher sie ihre Söhne umschlungen hielt, verminderte sich auch nicht einen Augenblick. Niemand von den anwesenden Europäern war im Stande, den Anblick ihres inneren Kampfes zu ertragen, sie mußten sich von Zeit zu Zeit entfernen; um sich zu fassen. Daraus mag man erschließen, was die beiden Jünglinge erlitten haben müssen. Es war erbebend und wahrhaft erbaulich, sie anzusehen. Blaß und am ganzen Leibe zitternd legten sie der Mutter sanftmütbig, liebreich, und in hohem Grade ehrerbietig, dennoch aber mit bewundernswürdiger Festigkeit die Gründe ihres Schrittes dar. Sie versicherten sie, die Taufe würde in Beziehung auf ihre Liebe zu ihr nichts ändern; sie bezeugten ihr, daß, wenn sie auch durch ihre Thränen und Bitten vermocht würden, mit ihr zu gehen, ihre Ueberzeugungen doch unverändert dieselben bleiben werden; daß sie doch wieder zu den Missionaren gehen würden und dann all diese Sorgen und Kämpfe nur noch einmal würden zu bestehen sei». Aber auf alles dieses hatte sie stets eine und dieselbe Antwort: „Kommt nur mit mir diese Nacht; kehrt zurück morgen, wenn ihr wollt." Die Jungen fragten den Missionar, ob sie sich losreißen sollten aus den Armen ihrer Mutter und sich von ihr entfernen; weil er aber wohl wußte, wie dieß mißverstanden werden konnte, konnte er sie nicht anweisen, dieß zu thun. In ihrem ganzen Benehmen bewiesen sich diese 2 liebenswürdigen Jünglinge als Leute, die etwas von dem Geist christlicher Märtyrer in sich trugen. Stundenlang widerstanden sie den allereindring- lichste» Bitten, dem Jammergeschrei der Mutter um ihren Erstgebornen. Endlich fing die menschliche Kraft an zn ermatten, und die Erscheinung des Oheims, eines prachtvollen Gesichts und einer schon auf den ersten Anblick als sehr tüchtig sich darstellenden Persönlichkeit, brachte die Frage zur Entscheidung. Der Aeltcre sagte zu dem Missionar mit Thränen in den Augen: „Ich gehe mit meiner Mutter, will aber morgen wieder kommen,"
und der Jüngere folgte seinem Beispiel mit den Worten: „Haben sie meinen Bruder weggenommen, so werden sie mich auch wegnehmen." Sie gingen nun in gutem Glauben, gewiß, daß sie wieder zurückkehren könne»; aber freilich, wie der Jüngling im Evangelium, blaß, niedergeschlagen und sehr betrübt. In der Zwischenzeit schrieben sie einem der Ca- tcchisten, daß sie eingesperrt seien und baten um ein Buch, das ihnen geschickt wurde. Man durfte aber, als der Erzähler diesen seinen Bericht erstattete, kaum hoffen , daß sie wieder zn den Missionaren zurückkehren werden, man mußte sie dem Herrn überlassen und konnte sie nur dem Gebet der Gläubigen empfehlen.
Ein ähnlicher Fall ereignete sich mit einem Kulin, einem Brahminen von einer der höchsten Classen. Er kam in einer der Schulen der engl. bischöfl. Miss. Gesellschaft zu Calcntta zur Erkenntniß der Wahrheit. Eines Tages traf ihn sein Vater, der ein bigotter Hindu war, im Verborgenen betend an. Da schrie derselbe ihn an: „So du bist ein Christ;" setzte jedoch sogleich hinzu: „aber höre! Wenn du dem Christenthum entsagst, gebe ich dir sogleich 25,000 Rupics und vermache dir überdieß ein großes Landgut. Willst du das nicht, so werde ich dich in Lumpen kleiden, ich werde dich öffentlich beschimpfen und dich zur Thana (ins Polizeihaus) senden." Der Knabe antwortete aber hochherzig: „Geld und Land wird meine Seele nicht erretten. Ich wähle die Lumpen und will ein Christ bleiben." Nun führte der Vater zwar seine Drohung aus, der Sohn aber blieb treu und empfing später die Taufe.
Diese Beispiele werden den Sinn unserer Abbildung hinreichend erläutert habe». Sie stellt dar einen neubekehrten Hindujüngling, unter solchen Prüfungen, wie wir sie beschrieben haben, dem Herrn getreu verbleibend.

