59
wir uns, wobei die Hunde auf meinen Füßen, auf den Däm ken, auf meinem Kleide umher lagen. Horaz sah, daß es mir unbequem war, aber er wehrte ihnen nicht, vermuthlich weil es nutzlos gewesen wäre. Er sagte jedoch: „Wenn ich ein/ mal heirathe, nehme ich jedenfalls eine Frau, welche keine ähn/ lichcn Liebhabereien hat."
Als wir uns dem Hause wieder näherten, gingen wir an einem Baum vorüber, der die schönsten grünen Pflaumen trug. Horaz bemerkte: „Das sind reine Clauden." Zch war ganz erschrocken und konnte es doch nicht über mein Herz bringen, • « ihm nicht zu sagen, daß das ein unrichtiger Ausdruck sei. Zch
kniff meine Finger, zog an meinen Handschuhen und sagte sehr beklommen: „Diese Pflaume stammt aus Frankreich, und die Franzosen haben sie einer ihrer Königinnen zu Ehren, Reine (.'lande genannt." „Wie sagten Sie?" fragte Horaz; ich wie/ derholte den Namen, und er entgcgnete ruhig: „Zch habe nicht gewußt, daß man es so ausspricht, und auch bisher noch kein Französisch gelernt. Zch bin sehr spät erst in eine Schule geschickt und habe jetzt Wichtigeres zu lernen als moderne Sprachen, obgleich es vielleicht Angenehmeres nicht giebt. Weil Sie mir nun aber so freundlich zurecht geholfen, will ich Zhnen die allerschinstcn Pflaumen pflücken."
Bei dieser Verheißung war mein Schrecken kein geringer; ich konnte doch nicht sagen: „Dürfen Sie das auch?" Und im Stillen dachte ich: „Er darf gewiß nicht, und dann bist Du dabei gewesen!" Acngstlich bat ich: „Bitte, pflücken Sie mir eine Pflaume, hier von den unteren Zweigen." Er lachte: „O, bewahre! ich steige in den Baum, denn wenn man schüt/

