78
gehe in den Gatten und wähle selber." Ich ließ auch die Flügel hängen und ging in den Garten.
Die Luft war wundervoll warm, die VSgel zwitscherten lustig, die Käfer schwirrten; in jedem Grashalm war Leben. Mir ging das Herz weit auf; o, dachte ich, was ist alles Andere dagegen! Singen und Springen ist das Allerhöchste. Anfangs besah ich alle Blumen, dann dachte ich, das hat noch Zeit, lief und tobte umher, erhitzte mich, zerraufte Blumen und Blätter in, wie ein Freund meines Vaters zu sagen pflegte, „idyllischer Unmanier" und sehte mich am Ende, todtmüde, unter einen schattigen Baum. Da, zu meinem Schrecken, schlug die Hofuhr drei Viertel auf zwölf Uhr, und um ein Uhr sollten wir fahren!
Erschrocken fuhr ich in die Höhe, unwillkürlich griff ich nach meinem Kopfe; was sollte jetzt werden? — Zn der Verwirrung riß ich links und rechts Blumen ab, und warf sie eben so gedankenlos wieder fort; da fiel mir der Epheu ein. Wie der Blitz sauste ich in den Park, raufte Händevoll vom Boden und galoppirte damit nach Haus und auf mein Zimmer.
Dort angelangt, ergriff ich hastig die Ballschuhe und Strümpfe; waschen konnte ich mich nicht sogleich, ich war viel zu heiß. „O, mein Kopf," sagte ich unwillkürlich und lachte, als ich es selber hörte, und dachte gelassener: „Weshalb willst willst Du denn eigentlich hübsch sein? Die Herren werden doch nicht viel mit Dir tanzen, vielleicht gar nicht, und sind junge Herrschaften von Deinem Alter da, für die bist Du lange gut!" Damit tröstete ich mich über alle ausgeübte Thor-

