118

jedes angreift, jedes wieder liegen läßt, eben weil er nicht weiß, womit er beginnen soll. Zeh fasse meinen Kopf und ringe förmlich die Hände, und, lache Du nur, das ist gar kein Spaß! Ich bin hier mit neunzehn Pensionairinnen, habe drei Lehrerinnen, mehrere Lehrer, die in einzelnen Fächern unterrich­ten, Briefe von den Meinigcn, einen Brief von der Baronin und das Alles soll ich in meinem Lebensbuche beschreiben und bereden. Das ist doch keine Kleinigkeit. Dazu kommt nun ein Brief von Dir, welcher mich erinnert, daß ich von dem Ausfall der Wahlpredigten, um dcrcthalben ich länger ge­blieben sei, kein Wort gesagt habe. Ach, damals war ich so verwirrt, von dein Gedanken des Abschiedes! Jetzt will ich mein Buch und meine Gedanken zu ordnen suchen.

Bei der Wahl in Eldenhausen predigten zwei Bewerber ganz in dem mir von der Baronin angegebenen Sinne, der Dritte faßte den Text in anderer Weise auf. Nach Vorle­sung des Wortlautes sagte er:Den Reichen werde, durch die Worte des Evangeliums ein strenges Urtheil gesprochen, und wollte er jetzt die Gemeinde fragen, was sie unter einem reichen Manne sich denken, würde wohl die Antwort lauten: Einen mit irdischen Gütern vollauf Gesegneten, der nur die Hand nach allen Annehmlichkeiten und Freuden des Lebens auszustrecken habe, um sie sein zu nennen; in dessen Macht es stehe, nach allen Seiten hin wohl zu thun und zu be­glücken, und der keine Sorge kenne." Der keine Sorge kennt! Das ist der allgemein beneidete Vorzug des Reichthums; ich bezweifle, daß es ein begründeter ist. Der reiche Mann richtet sich nach seinem Vermögen ein; ist er deshalb vor Verlusten ge-