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beurtheile, aber doch sehr tadeln muß. Frauen sind ernst darauf hingewiesen, sich stets in den Grenzen desAnstandes zu halten; über dieselben hinaus giebt es für sie nur Mißbilligung und Mißachtung. Dein Unternehmen war sehr unbesonnen, und kann zu unerfreulichem Gerede Anlaß geben. Jegliches in der Weise ist ein Schmer), der meinem Herzen bereitet wird; ich will so aufrichtig Euer Bestes, ich überwache Euch mit Liebe, aber Alles kann ich nicht, Ihr müßt auch wollen. Hättest Du eine Ahnung von dem Eindruck, den ich bei jener Botschaft empfing, Deine Thorheit würde Dich bitterlich gereuen. Ich werde dieser Sache nie mehr gedenken, behalte Du die Erinnerung daran desto lebhafter."
Wir hatten alle Thränen in den Augen; die Professorin gab uns die Hand und hieß uns gehen. Emma war ganz weich und konnte sich nicht losreißen, sie sehnte sich nach einem freundlichem Worte. „Geh," sagte die Professorin, „und habe stets die Grenze vor Augen, deren ich gedachte. Vergiß auch bei allem Frohsinn nie die Rücksicht gegen Andere. Du hast Eleonoren und Erncstinen unruhige Stunden bereitet, sie werden es Dir leicht vergeben, vcrgicb Du es Dir nicht mit zu großer Nachsicht."
Als wir in die Schulstube zurückkehrten, standen alle Pen- sionairinnen schon an der Thür. „Nun, wie ist es Euch ergangen? War die Professorin sehr aufgebracht?" Achnliche Fragen folgten in Menge, Emma weinte jetzt erst heiße Thränen; Ernestine sagte: „O, die Professorin war ganz himmlisch! Ihr hättet sie nur sehen sollen, und aufgebracht war sie gar nicht, nur traurig, und das that uns eben so wehe."

