terhiclt die Daronin auf erheiternde Weise. Einmal sagte sie mit einen tiefsinnigem Blick: „Kochen muß ich auch noch lernen." „Dazu," erwiederte Jene, „werden Sie wohl in dem Hause Ihrer Eltern die beste Gelegenheit haben." Lilli schüttelte den Kopf: „Ich kann so wenig von dem gebrauchen, was bei uns bereitet wird; ich darf nur lernen, Kartoffeln kochen, und Fisch und Mehlspeisen und Fleisch, aber Alles ganz einfach."
Nach dem Kaffee bat ich, mit Lilli auf mein Zimmer gehen zu dürfen, und die Baronin bewilligte eS. Dort machten wir es uns sehr gemüthlich, und als das Zimmer in Dämmerung eingehüllt war, und das Feuer licht und prasselnd brannte, sagte Lilli: „Nun will ich Dir Alles erzählen. Ich stamme eigentlich aus einer bürgerlichen Familie; mein Vater hatte eine Anstellung als Rath, und als ich zehn Jahre alt war, ward ich auf einige Wochen zu einer reichen Tante geschickt, welche ein schincs Landgut besitzt und ein sehr geselliges Leben führt. Dorthin kam oftmals ein Graf mit seiner Gemahlin und seinen Kindern; es waren sehr vornehme Leute. Der älteste Sohn, Eugenius, und ich hielten unzertrennlich zu sammen; er war cinZahr älter als ich; wir spielten miteinander und schlössen uns von jedem übrigen Verkehr fast gänzlich aus. Man lachte darüber und nannte uns das Liebespärchen; als Eugenius dies HSrte, sagte er: „Das ist auch ganz richtig, denn wenn ich groß bin, hcirathe ich Dich." Mir war daS bis dahin nie eingefallen, aber er sagte es jetzt ifter, und einmal, als wir miteinander auf der Haustreppe saßen, wo es ganz wunderhübsch war, und er wieder sagte: „Wenn ich erwachsen bin, heirathe ich Dich!" antwortete ich sehr traurig:

