Eleonore an Marie.
-Lcheure, liebe Marie, Du wirst staune», wenn Du durch diese Zeilen erfährst, daß Deine Gedanken mich vergeblich in der Pension aufgesucht haben, daß ich hier in H. und bei der Baronin von Eiden bin. Schon früher würde ich Dir Alles mitgetheilt haben, aber Mangel an Zeit, die Reise hieher, Unruhe und Kummer, verhinderten mich daran. Zeit habe ich jetzt mehr als mir lieb ist, und so will ich Dir Alles getreulich berichten, und erst nach diesem Briefe mein Lebensbuch fortsetzen. Ach, Marie, wie Vieles kann sich im Zeitraum weniger Tage begeben! Alles war zu meiner Abreise vorbereitet, da erhielt die Baronin am Tage zuvor einen Brief, eben als ich im Begriff stand, ihr den Thee zu bereiten. Sie nahm ihn sorglos, aber nachdem sie ihn gelesen, ließ sie die Hände in den Schooß sinken, starrte eine Weile vor sich hin und verließ dann das Zimmer. Unruhig und bekümmert erwartete ich ihre Rückkehr.
Lebensbuch II. I

