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haben mögen, denn ich würde nichts wollen, als Dich lieben, oder Dich trösten.
Gestern las ich aus Arnd ein Capitel, was mich belehrt und gedemüthigt hat, dasjenige über schwachen Glauben. Lies es doch auch; vielleicht haben wir beide schon oftmals in der Weise gefehlt, daß wir unsern Glauben p groß, den der Anderen zn geringe angeschlagen haben. Die jungen Mädchen hier sind, so scheint es, nicht in dem Maße zum Ernst angehalten, als wir beide, und wie oft, wenn sie so gar keine Lust bezeigen, Ernstes zu lesen oder zn hören, habe ich gethan, wie der Pharisäer. O, Lorchen, wie schwer ist es gut zn sein, wie schwer sich nicht zu überheben! Ich will Dir etwas erzählen, Du wirst vielleicht lachen, aber nicht über mich spotten. Eine Dame, welche einmal bei meiner Mutter zum Besuch war, sagte dieser: „Sie haben ihre Tochter Malwina wirklich sehr gut erzogen — nein, das ist mein Ernst, diese Erziehung ist Ihnen sehr gelungen, aber Sie werden mich nicht mißverstehen, wenn ich hinzu setze, sie ist Ihnen auch dadurch erleichtert worden, daß Ihre Tochter nicht hübsch ist." Meine Mutter entgegncte ruhig: „Gewiß, das glaube ich gern."
Ich hörte Alles in einer Nebenstube mit an; zuerst empörte es mich, hernach mußte ich lächeln, und später hat die Erinnerung an jenen Ausspruch mich oft im Urtheil milder gemacht. Für Dich gilt das aber nicht, Du bist ja so allerliebst, aber ich bin reizlos, das weiß ich wohl.

