Du siehst ich weiche und wanke nicht, und bin immerdar bereit, Dir den Weg zu zeigen, der weiter als in die Vor­hallen, der in den Tempel der Freundschaft führt. Freund­schaft ist eine Grazie, sie ist der Thautropfen an dcrNose; Grazie aber verletzt nimmer; sie streut Blumen ohne Dor­nen, sie traut es sich zu, den Stein beleben zu können, das kalte Menschenherz; sie traut es sich zu und steht sich getäuscht! Das ist meine Geschichte.

Alle schlafen bereits um mich her; ich sitze hier ein­sam bei meiner Lampe; der Sturm rüttelt an den Fen­stern, der Schnee schlägt dagegen mir recht. Je dunk­ler die Außenwelt, um so Heller flackert der Geist auf; der unsterbliche Geist, den Schnee und Eis nicht verhin­dern können, in lichten Strahlen hervorzubrechen. Diese Strahlen fallen auf Dich, auf Dich Lorchcn, und möchten Dich beseelen, Dich aufrütteln aus der Apathie, in welche Du versunken bist, aus der Apathie, welche es Dir mög­lich machte, nicht an mich zu schreiben n. s. w."

Mehr abzuschreiben kann ich mich nicht überwinden; o, die arme Henriette! wie »»liebenswürdig ist sie, wie viel unliebendswürdiger wird sie noch durch ihre Verschro­benheit werden. Jede unbändige Aeußerung eines ge­kränkten Gefühls würde mir besser gefallen, als diese syste­matische Pedanterie. Das kommt davon, wenn man durch­aus Freund sein will! es geht nicht; das Gefühl läßt sich wohl beherrschen und eindämmen gleich einem Waldbache, aber einmal bricht der frische, kräftige Quell doch wieder hervor, und geht seinen ursprünglichen Weg. Wenn ich mich als Waldbach denke, würde ich am liebsten meinen Weg durch einfache Naturgegenden nehmen, welche der