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Chabelle steht jetzt auch früh auf, und begleitet uns auf unseren Spaziergängern Sie hat einen Besuch bei Werders gemacht und ist dort wie zu Hause. Freilich lacht sie mit Agnes über die Einfachheit dieser Menschen, und über ihre Einrichtung, aber sie sagt:Etwas muß man auf dem Lande haben, und so muß man benutzen was vorhanden ist, es mag sein wie es will." Ich komme mir jetzt recht überflüssig bei Jnspectors vor; sie haben nur Augen für Agnes, nur Ohren für Chabelle, welche viele Reisen gemacht hat, und ihre kleinen Abentheuer und Erlebnisse sehr ergötzlich mittheilt. Freilich begreife ich nicht, wie sie Manches hat sagen oder thun können, aber ich glaube auch, daß wir sehr verschieden sind. Manch­mal sind mir die Thränen recht nahe; ich möchte fragen: Habt Ihr mich denn niemals wirklich lieb gehabt?" Aber dann denke ich daran, was einmal die Baronin sagte:Erklärungen machen selten etwas besser; wo sie nothwendig erscheinen, ist es mit der besten Liebe schon aus; was man davon erhält, bewahrt man sich nur durch Schweigen, durch Genügsamkeit und liebevolle Ausdauer. Es kann Fälle geben, wo loslassen können zur Selbstach­tung gehört; es heißt dann nur, sich losmachen ohne Nachtragen, ohne Bitterkeit, mit ruhiger Ueberzeugung, aber ohne Selbstüberschätzung."

Vieles davon suche ich mir anzueignen, ich suche mein Herz, meine Selbstsucht zu bekämpfen, die so viel begeh­ren. Catharine ist am liebevollsten gegen mich; ich bin doch auch so allein, so fern von der Heimath, ich kann doch nicht ganz ohne Liebe leben. Letzthin hatte ich die größte Neigung, mich an ihrem Herzen auszuweinen, aber

Lebensbuch II. 11