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Antonie ist verheirathet; sie hat mir am Vorabend ihrer Hochzeit geschrieben. Sie schreibt: „Uebermorgen scheide ich aus dieser Gegend, aus diesem Lande. Morgen ist mein Hochzeittag; ich bin dann eine beklagcns- werthe Frau, eben wie ich ein beklagenswerthes Mädchen war. Ich heirathe ohne Neigung; ich werde eine reiche, vornehme Frau, weil ich nicht Gouvernante oder Gesellschafterin werden, weil ich mich nicht unterdrücken lassen will. Das allein bestimmt mich, aber wenn auch zu beklagen, ich werde eine achtungswerthe Frau sein, das ist mein fester Entschluß."
Arme Antonie! mußte ich denken; weshalb ist es denn nur ein so Bedenkliches, Gesellschafterin oder Erzieherin zu sein. Man kann doch wieder lieben, sorgen und pflegen; wenn ich mir selber meinen Unterhalt erwerben müßte, das würde mich gar nicht unglücklich machen, denke ich. Es ist doch ehrenvoll, es zu können. Ich habe doch auch schon erfahren, was es heißt, das elterliche Haus verlassen und zwischen lauter Fremden und abhängig sein. Arme, arme Antonie! sie hat Vieles gelernt, aber Demuth nicht.

