231

Mit dem ersten Mai beginnen meine Haushaltungs­studien; bis dahin habe ich volle Freiheit, mein Zimmer und meine Sachen nach meinem Gefallen einzurichten und zu ordnen. Mein Zimmer hat eine neue Tapete bekom­men, Resedagrün, neue weiße Vorhänge, und an den Wänden hübsche Kupferstiche. Mein Vater hat mir einen Bücherschrank geschenkt, und für das von Baron Curd herrührende Geld ist ein neuer schöner Flügel ge­kauft und jetzt auch angelangt. Ich bin so glücklich in meinem kleinen Eigenthum, und wie hübsch will ich cS halten! Manchmal ist mir zu Sinne, als wäre ick ein Vogel, als könnte ich fliegen.

Meine Eltern haben Besuche mit mir in der Nach­barschaft gemacht; man lebt hier nicht gesellig, aber eS erschien doch als Pflicht, eine erwachsene Tochter vorzu­stellen. Am Besten hat es mir in unserer nächsten Nach­barschaft, bei einer Familie von Walsrade gefallen; dort sind drei Töchter, alle älter, alle hübscher, aber vielleicht anspruchvollcr als ich. Wie bin ich überall betrachtet worden, wie vom Kopfe bis zu den Füßen! Besonders die Mütter musterten mich auf fast unheimliche Weise. Das älteste Fräulein von Walsrade, Charlotte, sagte lebhaft:Siehst Du, Papa, jetzt machen wir eine ganz