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„ Wenn die Alten, von der Mode bethört, dich geringschätzen, so wende dich an die Kleinen, wahrlich sie sind meine Lieblinge, ihnen sende ich meine lieblichsten Bilder durch deine Bruder, die Träume, ja ich bin schon oft selbst zu ihnen hinabgeschwebt, habe sie geherzt und geküßt und schöne Spiele mit ihnen gespielt; sie kennen mich auch wohl, sie wissen zwar meinen Namen nicht, aber ich habe schon oft bemerkt, wie sie Nachts zu meinen Sternen Herauflächeln, und Morgens, wenn meine glänzenden Lämmer am Himmel ziehen, vor Freuden die Hände zusammenschlagen. Auch wenn sie großer werden, lieben sie mich noch, ich helfe dann den lieblichen Mädchen bunte Kränze flechten, und die wilden Knaben werden stiller, wenn ich auf hoher Felsenspitze mich zu ihnen setze, aus der Nebclwclt der fernen blauen Berge hohe Burgen und glänzende Paläste auftauchen lasse, und aus den röthlichcu Wolken dcö Abends kühne Neiterschaaren und wunderliche Wallfahrtszügc bilde."
„O die guten Kinder!" rief Märchen bewegt aus, „ja es sey, mit ihnen will ich es »och einmal versuchen."
„Ja, du ante Tochter," sprach die Königin, „gehe zu ihnen, aber ich will dich auch ein wenig ordentlich ankleiden, daß du den Kleinen gefällst und die Großen dich nicht zurückstoßen."
Die Zofen flochten dem schönen Mädchen das lange Haar; sie banden ihr goldene Sandalen unter die Füße und hingen ihr dann das Gewand um.
Das bescheidene Märchen wagte nicht aufzublicken, die Mutter aber betrachtete sie init Wohlgefallen und schloß sie in ihre Arme: „Gehe hin," sprach sie zu der Kleinen; „mein Segen sey mit dir. Und wenn sie dich verachten und höhnen, so kehre zurück zu mir, vielleicht daß spätere Geschlechter, getreuer der Natur, ihr Her; dir wieder zuwenden."

