23 ~
Wahl, ob er sterben oder schnupfen wolle. AIs er das letztere wählte, bot ihm der Großvezier die Dose. Eine tüchtige Prise und das Zauberwort des Kalifen verwandelte ihn in einen Storch. Der Kalis ließ ihn in ein eisernes Käficht sperren und in seinem Garten aufstellen.
Lange und vergnügt lebte Kalif Chasid mit seiner Frau, der Prinzessin; seine vergnügtesten Stunden waren immer die, wenn ihn der Großvezier Nachmittags besuchte; da sprachen sie dann oft von ihrem Storchabentcuer, und wenn der Kalif recht heiter war, ließ er sich herab, den Großvezier nachzuahmen, wie er als Storch aussah. Er stieg dann ernsthaft mit steifen Füßen im Zimmer auf und ab, klapperte, wedelte mit den Armen, wie mit Flügeln, und zeigte, >vie jener sich vergeblich nach Osten geneigt und Mu — Mu — dazu gerufen habe. Für die Frau Kalifin und Ihre Kinder war diese Vorstellung allemal eine große Freude; wenn aber der Kalif gar zu lange klapperte und nickte und Mu — Mu — schrie, dann drohte ihm lächelnd der Vezicr: „er wolle ihm das, was vor der Thüre der Prinzessin Nachteule verhandelt worden sey, der Frau Kalifin mittheilen."
Als Selim Baruch seine Geschichte geendet hatte, bezeigten sich die Kaufleute sehr zufrieden damit. „Wahrhaftig, der Nachmittag ist uns Vergangen, ohne daß wir merkten wie!" sagte einer derselben, indem er die Decke des Zeltes zurückschlug; „der Abendwind wehet kühl, wir könnten noch eine gute Strecke Weges zurücklegen." Seine Gefährten waren damit einverstanden, die Zelte wurden abgebrochen und die Karavane machte sich in der nämlichen Ordnung, in welcher sie herangezogen war, auf den Weg.

