nichts dagegen einzuwenden, aus Furcht, den Unbekannten zu beleidigen. Ich sagte ihm daher, daß ich mit dem Einbalsamiren der Todten wohl umgehen könne, und bat ihn, mich zu der Verstorbenen zu führen. Doch konnte ich mich nicht enthalten, zu fragen: „warum denn dies alles so geheimnißvoll und in der Nacht geschehen müsse?" Er antwortete mir, daß seine Verwandten, die seine Absicht für grausam halten, bei Tage ihn abhalten würden; sey aber nur erst einmal der Kopf abgenommen, so können sie wenig mehr darüber sagen; er hätte mir zwar den Kopf bringen können, aber ein natürliches Gefühl halte ihn ab, ihn selbst abzunehmen.
Wir waren indeß bis an ein großes, prachtvolles Haus gekommen. Mein Begleiter zeigte es mir als das Ziel unsers nächtlichen Spaziergangs. Wir gingen an dem Hauptthor des Hauses vorbei, traten in eine kleine Pforte, die der Unbekannte sorgfältig hinter sich zumachte, und stiegen dann im Finstern eine enge
Wendeltreppe hinan. Sie führte in einen spärlich erleuchteten
Gang, aus welchem wir in ein Zimmer gelangten, das eine Lampe, die an der Decke befestigt war, erleuchtete.
In diesem Gemach stand ein Bett, in welchem der Leichnam lag. Der Unbekannte wandte sein Gesicht ab und schien Thränen
verbergen zu wollen. Er deutete nach dem Bett, befahl mir,
mein Geschäft gut und schnell zu verrichten, und ging wieder zur Thüre hinaus.
Ich packte meine Messer, die ich als Arzt immer bei mir führte, aus und näherte mich dem Bette. Nur der Kopf war von der Leiche sichtbar, aber dieser war so schön, daß mich unwillkürlich das innigste Mitleiden ergriff. In langen Flechten hing das dunkle Haar herab, das Gesicht war bleich, die Augen geschlossen. Ich machte zuerst einen Einschnitt in die Haut, nach

